Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1937-03-01 · Heft 3 (März 1937) · p. Seite 116

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 3 (März 1937)
Article
Bodenwucher und Bodenspekulation
Date
1937-03-01
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2379786-2379953-2379957-2410509--24566-2410697
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

wirklichen Nutzbarmachung dienen. Jeglicher Bodenerwerb hätten also entweder diesen oder aber eigenen Zwecken zu dienen. "Weder die nationalen und halbnationalen Organisationen noch die seriösen Privatfirmen brauchten eine solche Vorschrift zu fürchten, müßten sie sogar begrüßen, und eine solche Vorschrift wäre eine wirksame Maßnahme gegen den Kettenhandel in Migraschim (Bauplätzen) und damit gegen Preistreiberei. Als eine beachtliche Maßnahme für die Gesundung der Verhältnisse auf dem Bodenmarkt ist ferner der genossenschaftliche Zusammenschluß der Kleinkapitalisten, der Konsumenten, anzusehen, also jener Käufer, die auf eigenem Grund und Boden für eigene Zwecke eine Wirtschaft oder ein Häuschen errichten wollen. Es ist hier in Haifa erreicht worden, daß hunderte von kleinen Mittelständlern sich durch gemeinsamen Einkauf von Rohland und Erschließung des gekauften Landes unter fachmännischer Führung verhältnismäßig billig zu eigenem Grund und Boden gekommen sind. Diese Kleinkapitalisten wären ohne diesen Zusammenschluß als Einzelkäufer auf dem offenen Markt erschienen und ihr Erscheinen hätte zweifellos außerordentlich preistreibend gewirkt. Vom Standpunkt der allgemeinen Entwicklung des Landes ist dieser genossenschaftliche Zusammenschluß der Käuferschaft außerordentlich segensreich und wünschenswert. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse beim unternehmenden Mittel- und Großkapital, das sich am Landentwicklungsgeschäft zu beteiligen wünscht. Dieses Unternehmerkapital wurde bisher von Seiten der maßgebenden Stellen als Konkurrenz und schädigender Faktor angesehen. Eine Zusammenarbeit wurde, von wenigen Einzelfällen abgesehen, abgelehnt. Die Folge war, daß dieses Mittel- und Großkapital eigene Wege ging, oftmals ohne fachliche Führung und in seiner Wirkung dann in der Tat als preistreibend und schädigend empfunden werden mußte. Das Unternehmerkapital, zumindest soweit es sich hier im Lande befindet, kann sich mit dem Erwerb von Schuldverschreibungen und Aktien der Landgesellschaften nicht begnügen. Es sucht aktive Betätigung, und die kann nur erfolgen, wenn von Seiten der maßgebenden Organisationen und Privatfirmen Gelegenheit zur gemeinsamen Erschließungsarbeit geboten wird. Hier haben einige private Bodenfirmen Pionierdienste geleistet, indem sie diese Kapitalisten zu Konsortien zusammenschlössen und die Abwicklung der Konsortialgeschäfte überwachten. Es kann nicht genug darauf hingewiesen werden, daß die wirksamste Bekämpfung jeglicher Bodenspekulation darin liegt, die freiliegenden und Betätigung suchenden Klein-, Mittel- und Großkapitalisten organisch in die Landentwicklungsarbeit einzufügen. Dieser Gesichtspunkt fand in allerjüngster Zeit Anerkennung bei den leitenden Stellen des KKL; Granovsky schlägt in dem oben zitierten Aufsatz die Zusammenarbeit des KKL mit Privatkapitalisten vor. Im Kampf gegen die Überhöhung der Bodenpreise gibt es noch eine Waffe, die zwar völlig in unserer Hand ist, die aber gar nicht oder viel zu wenig benutzt wird: die Hypothekenbanken könnten durch regelmäßige Veröffentlichungen — dem Sinne nach —: »in diesen und diesen Zonen geben wir Hypotheken, in jenen — wegen der überhöhten Bodenpreise — nicht« viel Gutes schaffen. In der Praxis wird hier schon allerlei getan, aber gerade die periodischen Veröffentlichung e n, die W arnungen gleichkämen, sind das Entscheidende. Das Publikum würde sich sehr bald daran gewöhnen, auf die Beurteilung der Bodenpreise seitens der maßgebenden Instanzen zu achten — zumal ja damit wirtschaftliche Vorteile oder Nachteile (Zuteilung oder NichtZuteilung von Hypotheken) verbunden wären. Letzten Endes würden sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.