Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1937)
- Article
- Die Lösung der Frage des Sandschaks Alexandrette
- Date
- 1937-02-01
- Page
- Seite 91 (sequence 4)
- Language
- German
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ist. Vollends aber ist die effektive Loslösung des Sandschaks von Syrien darin beschlossen, daß die syrische Armee in diesem Teil des Landes weder rekrutieren noch garnisonieren kann und über die Unverletzbarkeit des Sandschaks Frankreich und die Türkei wachen! Das heißt also, daß ein Versuch Syriens, den Sandschak zu besetzen, von den beiden Mächten mit Waffengewalt verhindert werden wird. Mit anderen Worten: die Türkei hat das Recht, den Sandschak gegen Syrien zu verteidigen. Es ist kein Wunder, daß diese Lösung bei den Türken Begeisterung erweckt, da sie nur eine, wenn auch vorläufig noch verschleierte Lostrennung des Sandschaks von Syrien bedeutet, wofür ja auch die Bestimmungen über die türkische Amtssprache, die Benützung des Hafens von Alexandrette durch die Türken und anderes deutliche Beweise sind. Begreiflicherweise löste diese Entscheidung bei den syrischen Nationalisten Empörung aus. Sie empfinden nicht mit Unrecht, daß nach der Abtrennung des Staates Libanon und des Sandschaks der syrische Staat nur mehr ein seiner besten Teile beraubter Rumpf bleibt, um so mehr ja auch für die Gebiete Latakia und Dschebel Drus eine besondere Vorsorge (Minoritätenschutz durch französische Garnisonen) getroffen worden ist. Von allen fünf Verwaltungsbezirken Syriens bleibt also nur jener von Damaskus unter der freien Souveränität der Araber! Die Bevölkerungszahl der einzelnen Gebiete Syriens war 1932 die folgende: Gebiet von Damaskus......... 1,562.000 Alexandrette........ 186.000 Dschebel al Drus...... 63.883 Latakia.......... 320.849 2,132.732 Libanon.......... 854.693 2,987.425 Man kann annehmen, daß die Ziffern heute um 8 bis 10% höher sind; tatsächlich wird die neueste Schätzung für den Sandschak mit 201.636 Seelen angegeben, davon 74.302 Türken (37%). Der Staat Syrien dürfte daher heute mit Einschluß von Latakia und Dschebel Drus rund 2,100.000, ohne diese beiden Bezirke 1,700.000 Einwohner zählen. Berücksichtigt man die Zersplitterung der Bevölkerung Syriens nach Rassen und Konfessionen, so ist die innere Konsistenz dieses Staates keine besonders starke. Wirtschaftlich bedeutet die Abtrennung des Sandschaks, die nicht zu verhindern sein wird, falls das beschlossene Statut Rechtskraft erhalten wird, für Syrien, wie schon erwähnt *, den Verlust eines der fruchtbarsten Gebiete des Landes und des wichtigen Hafens Alexandrette. Da die Häfen Beirut und Tripoli zum Staate Libanon gehören, so behält Syrien nur den unbedeutenden Hafen Latakia, der überdies in einer nicht arabischen (aluitischen) Provinz liegt und nicht, wie die anderen drei Häfen eine Bahnverbindung mit dem Hinterlande besitzt. Wie gering die Bedeutung dieses Hafens bisher war, erhellt aus folgenden offiziellen Ziffern, aus denen hervorgeht, daß nicht einmal 2% des Verkehrs auf ihn entfielen. Tonnage der einlangenden Schiffe 1934: Beirut 2,417.626 Tripoli 808.423 Alexandrette 469.282 Latakia 66.235 1 Siehe »Palästina« Nr. 1, Seite 33.