Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1937)
- Article
- Zum Ernährungsproblem in Palästina
- Date
- 1937-02-01
- Page
- Seite 72 (sequence 5)
- Language
- German
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beiterschaft annähernd dem Kalorienbedarf entspricht, zeigt die Ernährungsstruktur unter dem Gesichtspunkt des Vitaminverbrauchs ein viel ungünstigeres Bild. Selbst in England bleibt die Ernährung von 50% der Bevölkerung hinter dem zur Erhaltung der Gesundheit und der Leistungsfähigkeit erforderlichen Verbrauch an Mineralstoffen und Vitaminen erheblich zurück- Ihre Anpassung an den notwendigen Ernährungsstandard würde bei dieser Bevölkerungsschicht einen Mehrverbrauch an Milch um 16%, an Butter um 15%, an Eiern um 18%, an Fleisch um 12% und an Früchten und Gemüse um 25% erfordern. Vergleicht man die Ernährungsstruktur der palästinensischen jüdischen Arbeiter in der Stadt mit der europäischen im Hinblick auf die Vitaminzufuhr, so fällt der Vergleich wesentlich ungünstiger aus als der des Kalorienverbrauchs, denn sowohl der Verbrauch an Fleisch, als auch an Milchprodukten und Eiern bleibt weit hinter dem Durchschnitt in Europa zurück. Der Fleischverbrauch pro I^onsumtionseinheit ist um 50% geringer als in den schwedischen Arbeiterhaushalten und selbst in Bulgarien, das pro Konsumtionseinheit am wenigsten Vitamine unter allen in der Tabelle aufgeführten Ländern verbraucht, ist der Fleisch- und Fischkonsum um 25% höher als in Palästina. Der Verbrauch der jüdischen städtischen Arbeiterhaushalte in Palästina an Milch, Milchprodukten und Eiern, bleibt pro Konsumtionseinheit nahezu um 70% hinter dem der schwedischen Arbeiterhaushalte zurück und wird nur von der bulgarischen Arbeiterbevölkerung unterschritten. Der geringe Verbrauch der Nahrungsmittel dieser Kategorie in Polen, wo er annähernd dem palästinensischen entspricht, findet in den polnischen Arbeiterhaushalten einen gewissen Ausgleich durch einen Mehrverbrauch an Fleisch und Fischen um 70%, und an Gemüse und Früchten um 33%. Am günstigsten schließt bei einem Vergleich des Verbrauchs der einzelnen vitaminreichen Nahrungsmittelkategorien der Gemüse- und Obstverbrauch der jüdischen Arbeiterhaushalte Palästinas ab. So bleibt der Verbrauch der Arbeiterhaushalte in Finnland, in der Tschechoslowakei, aber auch im kaufkräftigen Schweden und Norwegen hinter dem Gemüse- und Obstverbrauch der jüdischen städtischen Arbeiterhaushalte zurück2. Die Mengen (Kilogramm) der Hauptnahrungsmittel, die von den Arbeiterhaushalten in verschiedenen Ländern pro Konsumtionseinheit verbraucht werden. Nahrungsmittel Schweden Deutschland Belgien Bulgarien Norwegen Polen Palästina Zerealien und Brot . 106.5 134.0 218.38 290.46 144.27 219.29 164.6 Fleisch, Fische usw. . . 64.9 52.9 60.67 36.68 87.68 51.22 30.5 Fette, Kunstfette usw. . 12.3 16.3 10.67 9.77 24.63 3.29 10.6 Milch, Milchprodukte und Eier ....... . 284.1 174.0 119.06 43.73 225.09 94.84 92.9 Gemüse und Früchte . 160.0 227.2 295.67 119.65 123.26 267.09 198.9 Zucker ........ 37.5 16.6 15.22 9.60 23.65 20.78 25.6 2 Für die Exportaussichten der palästinensischen Volkswirtschaft ist in dieser Hinsicht von Bedeutung, daß der latente Bedarf der europäischen Arbeiterschaft nach frischem Obst besonders groß ist. Denn der Verbrauch an frischen Früchten steigt in der Mehrzahl der europäischen Länder mit dem Einkommen rasch an. Der Fruchtkonsum der Arbeitergruppe mit dem niedrigsten Einkommen beträgt vielfach nur 27% bis 36% des Verbrauchs der am besten bezahlten Gruppe. In einzelnen europäischen Ländern, wie Deutschland und Belgien steigt der Konsum an frischen Früchten im Verhältnis zum Einkommen. Da die Orange in der Mehrzahl der nord- und mitteleuropäischen Länder die wichtigste Importfrucht ist, so würde die Verwandlung des latenten Bedarfs der Arbeiterschaft in wirksame Nachfrage günstige Voraussetzungen für eine erhebliche Steigerung der Orangeneinfuhr schaffen.