Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1937)
- Article
- Zum Ernährungsproblem in Palästina
- Date
- 1937-02-01
- Page
- Seite 71 (sequence 4)
- Language
- German
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der Ernährung begünstigt, so ist deren Anpassungsgrad an die Erfordernisse der Hygiene doch weitgehend von der Kaufkraft abhängig. Ein vom Internationalen Arbeitsamt durchgeführter Vergleich der Ernährungsstruktur der Arbeiter in den verschiedenen Ländern zeigt, daß der Kalorienverbrauch der jüdischen städtischen Arbeiterhaushalte Palästinas hinter dem Durchschnitt der europäischen Staaten und Amerikas zurückbleibt. Der Kalorienverbrauch pro Verbrauchseinheit steigt von 2500 Kalorien in den jüdischen Arbeiterhaushalten bis zu 3500 Kalorien in den schwedischen. In den Vereinigten Staaten, Großbritannien, der Tschechoslowakei und Norwegen beträgt der durchschnittliche Kalorienverbrauch mehr als 3000 pro Tag. In Deutschland, Finnland und Polen bleibt er hinter diesem von dem Expertenkomitee des Völkerbundes als angemessenem Durchschnitt erachteten Kalorien verbrauch zurück, übertrifft aber den entsprechenden Verbrauch der palästinensischen Arbeiterhaushalte um 10 bis 30%. Der Einfluß dieser Unterschiede auf die Erhaltung von Gesundheit und Arbeitskraft läßt sich allerdings erst beurteilen, wenn man die klimatischen Einflüsse auf die notwendige Kalorienzufuhr mit in Rechnung stellt. Bekanntlich ist die zur Erhaltung der Gesundheit und der Arbeitskraft erforderliche Kalorienmenge — unter der Voraussetzung sonst gleicher Lebensbedingungen — in den wärmeren Zonen geringer als in den gemäßigten Zonen Europas. Der Unterschied der erforderlichen Mindestmenge an Kalorien zur Erhaltung des nicht arbeitenden Menschen in diesen Gebieten und in den tropischen Zonen wird auf 30% geschätzt. Der Verbrauch derselben Kalorienmenge in Nord- und Mitteleuropa und in Palästina würden daher bei analogen Lebensbedingungen eine erhöhte Befriedigung des Energiebedarfs des palästinensischen Arbeiters bedeuten. Das Zurückbleiben des Kalorienverbrauchs des jüdischen Arbeiters hinter dem des europäischen rechtfertigt daher nicht ohne weiteres den Schluß, daß der Unterschied zwischen dem erforderlichen Bedarf und dem tatsächlichen Verbrauch an Kalorien beim jüdischen Arbeiter in Palästina größer ist, als bei den Arbeitern einzelner mitteleuropäischer Länder. Freilich reicht die Befriedigung des Energiebedarfs des jüdischen Arbeiters nicht annähernd an den Kalorienverbrauch der Arbeiterhaushalte der kaufkräftigen Länder Europas mit ihrem hohen Lebensstandard, wie England, Norwegen und Schweden heran. Aber die Differenz von zirka 10% zwischen dem Kalorienverbrauch des polnischen Arbeiters mit 2785 Kalorien pro Tag und des jüdischen palästinensischen Arbeiters mit 2489 Kalorien deutet darauf hin, daß in den weniger fortgeschrittenen europäischen Ländern die Versorgung des Arbeiters mit dem erforderlichen Energieaufwand, teils ebenso, teils schlechter ist, als in Palästina, zumal die Kalorienmenge in der Nahrung der Arbeitergruppe mit dem niedrigsten Einkommen in einzelnen europäischen Staaten, beispielsweise in Polen und Finnland, sogar erheblich hinter der durchschnittlichen Kalorienmenge zurückbleibt, die in den jüdischen Arbeiterhaushalten Palästinas verbraucht wird. Es wurde oben bereits darauf hingewiesen, daß für die Qualität der Nahrung nicht nur der Kalorienverbrauch bestimmend ist. Für deren Beurteilung ist vielmehr die Ernährung sstruktur, der Anteil der protektiven Nahrungsmittel an der Gesamternährung maßgebend. Dies gilt insbesondere für den aus Europa nach Palästina einwandernden Arbeiter, da die Anpassung an die veränderten klimatischen Bedingungen, und die häufig mit der Einwanderung gleichzeitige Berufsumschichtung einen besonderen Kräfteaufwand erfordern, für dessen Ersatz vitaminreiche Nahrung wichtigste Voraussetzung ist. Während sich aus der Ernährungsstruktur der Arbeiterhaushalte der hochentwickelten europäischen Länder ergibt, daß der durchschnittliche Kalorienverbrauch der Ar-