Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1937)
- Article
- Jewish Agency. Von Spectator.
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 3)
- Language
- German
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rede zur Neuausgabe seiner Schriften 1921 von der Balfour-Deklaration gegeben hat. Auch das bekannte Churchill-Weißbuch von 1922, das von der Zionistischen Organisation damals als Grundlage ihrer Politik anerkannt wurde, wird als Beweis dafür herangezogen, daß die zionistische Politik keineswegs eine Vorherrschaft der Juden in Palästina anstrebt, sondern nur ein eigenständiges Recht der Juden auf Errichtung ihres Nationalheims in dem von zwei Völkern bewTohnten palästinensischen Gemeinwesen. Dieses in der Denkschrift vertretene Programm wurde freilich bei den mündlichen Darlegungen der jüdischen Vertreter vor der Königlichen Kommission nicht in den Mitteipunkt gerückt. Die Jewish Agency ließ mehrere Dutzende Zeugen vor der Königlichen Kommission aufmarschieren, die alle möglichen Details behandelten, auch solche, die fraglos nur von sekundärer Bedeutung sind. Soweit man bisher urteilen kann, ist die Wirkung auf die Königliche Kommission nicht durchaus günstig gewesen. Die Mitglieder der Königlichen Kommission empfanden manche Darlegungen als einseitig und bar jenes größeren Ausblickes, unter dem die Dinge behandelt werden müssen, wenn man sie als Ganzes sieht. In manchen Äußerungen der Mitglieder der Königlichen Kommission war deutlich die Ungeduld, oft auch unverholene Ironie zu merken, wenn die vorgeladenen Zeugen mit der Selbstsicherheit, die man im eigenen Kreise zu haben pflegt, ihre Ansichten und Forderungen vortrugen. Nun ist es durchaus möglich, daß durch dieses große Aufgebot jüdischer Zeugen auch der Königlichen Kommission insofern ein Dienst geleistet wurde, als sie die Zeit irgendwie hinbringen muß, um abzuwarten, ob die Araber sich doch noch zu Aussagen bereit erklären werden. Sollte dies nicht der Fall sein, dürfte man wohl auch dann den arabischen Standpunkt, der ja allgemein bekannt ist, bei den Schlußfolgerungen berücksichtigen, zumal ja auch die Araber der benachbarten Staaten ziemlich intensiv für die arabische Sache arbeiten. Es fragt sich, ob es nicht trotzdem richtiger gewesen wäre, die Vertretung der Juden nur wenigen Persönlichkeiten zu übertragen. Die Aussage von Dr. Weizmann bildete einen eindrucksvollen Höhepunkt und wurde auch von der Königlichen Kommission mit dem größten Respekt angehört. Dr. Weizmann gab einen Überblick über die Lage der Juden und erläuterte hiedurch die tieferen Grundlagen des Zionismus, der keineswegs vom lokalen palästinensischen Gesichtspunkt beurteilt werden darf. Das Interesse der Welt an der Lösung der Judenfrage fordert gebieterisch eine Berücksichtigung der jüdischen Not. Dr. Weizmann hat — ebenso wie Ruppin — auch ein Programm der intensiven Landentwicklung vorgetragen, die für eine steigende Bevölkerungszahl Raum schafft. Hier ergaben sich fruchtbare Anknüpfungspunkte, wir wissen nicht, inwieweit diese in den geschlossenen Sitzungen der Königlichen Kommission, in denen Dr. Weizmann noch mehrmals vernommen wurde, ausgebaut wurden. Der gesamte palästinensische Jischuw und die jüdische Öffentlichkeit in der ganzen Welt hat Dr. Weizmanns Rede mit großer Wärme und Herzlichkeit aufgenommen. Er hat wirklich dem Volk aus der Seele gesprochen, und in der schweren seelischen Depression unserer Zeit wirkt ein solches Wort wie eine Erlösung. Nach Dr. Weizmanns Rede hatte die jüdische Öffentlichkeit das Gefühl eines großen Erfolges, als ob die Sache vor der Königlichen Kommission nun bereits gewonnen wäre. Bei aller Anerkennung von Dr. Weizmanns großer historischer Darlegung muß aber davor gewarnt werden, anzunehmen, daß die Königliche Kommission seinen Standpunkt akzeptiert hat. Die Königliche Kommission sucht nach einer Kompromißlösung, und sie hat bisher dafür noch keine Anhaltspunkte gefunden. Im weiteren Verlaufe der Unterhandlungen hat Lord Peel und seine Kollegen durchblicken lassen, daß sie das Mandat, so wie es heute gilt, nicht in allen Punkten für durchführbar halten. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß