Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1937)
- Article
- Die Frage der Unabhängigkeit Syriens
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Ankara 1× ep/1044026
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kommens Frankreich mit der Türkei von Ankara (1920) sagt: »Eine besondere Verwaltung wird für die Gegend von Alexandrette eingeführt. Die Einwohner dieses Gebietes werden alle nötigen Unterstützungen zur Entwicklung ihrer Kultur erhalten. Die türkische Sprache wird dort offiziellen Charakter erhalten.« Dieses Abkommen wurde von der Mandatarmacht strikte eingehalten und im Freundschaftsvertrag Syrien—Türkei von 1926 nochmals bestätigt. Die Zusammensetzung der Bevölkerung des Vilajets kann nur auf Grund der sehr unvollständigen syrischen Statistik erhoben werden. Diese gibt für 1933 folgende Ziffern an: Araber (einschließlich der Aluiten) rund 90.000, Türken 71.000, Armenier 23.500, Kurden 1800, Tscherkessen 1100, zusammen 187.000. Die Türken bilden daher keine Majorität. Zum Teile sind sie religiös konservativ gesinnt und daher Gegner der radikalen Reformen Kemals. In Alexandrette sind unter 17.000 Einwohnern nur 2600, in Antiochia allerdings unter 30.600 mehr als die Hälfte (17.000) Türken. Die Abtrennung des Sandschaks von Syrien wäre aus strategischen Gründen (ungünstige Grenzziehung), aber noch mehr aus wirtschaftlichen, ein schwerer Verlust für Syrien. Das Gebiet ist eines der fruchtbarsten des Landes. Alexandrette ist ferner der Ausgangspunkt der Bagdad-Bahn, die von den Deutschen schon vor dem Kriege zu bauen begonnen wurde, deren Linie die direkte Verbindung mit Mossul darstellt und an diesen Ort bis auf zirka 200 km herangerückt ist (Endpunkt Nisibin). Eine eventuelle Abtrennung des Vilajets Alexandrette—Antiochia an die Türkei würde diese Bahn fast vollständig in deren Gewalt bringen. Dies würde den noch immer vorhandenen Druck der Türkei auf das von ihr nur widerwillig an Irak abgetretene, von Türken und Kurden bewohnte Vilajet Mossul sehr verstärken, indes in Irak selbst eine von einem Türken und einem Kurden geleitete Regierung diktiert, die sehr türkenfreundlich ist. "Wie in Europa, so bahnt sich auch in Vorderasien eine Rückbildung der durch die Friedensverträge geschaffenen Regelungen an. Die von der Türkei aufgerollte Frage des Sandschaks Alexandrette ist in dieser Richtung von größerer Wichtigkeit, als es den Anschein hat. Man darf nicht vergessen, daß die Türkei heute ein konsolidierter, moslemischer Einheitsstaat mit 19 Millionen Einwohnern unter diktatorischer Führung und mit kriegsbereiter Stimmung ist, indes die beiden Staaten Syrien und Irak eine vorwiegend moslemische Bevölkerung von je 3 Millionen besitzen und die inneren Spannungen unter ihren einzelnen Gruppen sehr stark sind. Jedenfalls birgt die bevorstehende Unabhängigkeitserklärung Syriens große Gefahren in sich; wiederholt hat Staatssekretär Vienot die politischen Führer der Syrer gewarnt und ihnen geraten, ihre Demonstrationen einzustellen, da sonst die französische Regierung daran zweifeln müsse, ob Libanon und Syrien für die Unabhängigkeit reif seien, oder ob nicht die Dauer des Mandats verlängert werden müsse. Nachschrift. Während diese Zeilen in Druck gingen, trafen Nachrichten ein, die wie eine Bestätigung der oben ausgesprochenen Befürchtungen klingen: Die Türkei hätte drei Divisionen an der syrischen Grenze zusammengezogen und beabsichtige auch, ihren Anspruch auf den seinerzeit an Irak abgetretenen Bezirk von Mossul anzumelden. Angeblich hätte die englische Irak Petrol Cy nichts dagegen, daß Mossul an die Türkei zurückgegeben werde. Die allernächste Zeit wird eine Klärung dieser Verwicklungen bringen. Es ist allerdings nicht anzunehmen, daß der Völkerbund so bald eine Entscheidung über den Sandschak Alexandrette fällen wird, er wird wohl damit warten, bis sich die an dieser Frage interessierten Mächte untereinander geeinigt haben.