Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1937)
- Article
- Die Frage der Unabhängigkeit Syriens
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 3)
- Language
- German
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Was Mossul betrifft, so ist es schwer, zu glauben, daß England tatsächlich mit dessen Abtretung an die Türkei einverstanden wäre. Der zähe Kampf, den diese Macht jahrelang wegen der Eingliederung Mossuls in den irakischen Staat geführt hat, ist noch in frischer Erinnerung. Durch den erzielten Erfolg wurde gesichert, daß die Öllinie nach Haifa ausschließlich über Gebiete direkten englischen Einflusses führt. Des ferneren ist es die unbestrittene Meinung aller Politiker und Strategen, daß, wer Mossul besitzt, auch über Bagdad gebieten kann. Und schließlich verlöre der irakische Staat, falls er Mossul abtreten würde, auch die zirka 1 Million Pfund betragende Abgabe der Irak Petrol Cy, ohne die er sein Budget nicht im Gleichgewicht halten kann. Wie immer die nächsten Entwicklungen sich gestalten mögen, so zeigt es sich schon jetzt, was wir in diesen Blättern immer behauptet haben, daß die arabischen Staatengründungen um Palästina durchaus noch nicht stabilisiert sind und daß der einzige ruhende Punkt, auf den sich eine weitschauende Politik Englands stützen kann, das jüdische Palästina ist. Jewish Agency* Von Spectator. Mit dem Beginn der Arbeit der Königlichen Unter Sachskommission unter dem Vorsitz von Lord Peel, die am 11. November in Palästina eintraf, ist das Kapitel der arabischen Unruhen des Jahres 1936 zunächst formell zu einem Abschluß gekommen. Die Araber haben unter den bekannten Umständen den Streik bedingungslos abgebrochen, und die Mandatarmacht hat auch tatsächlich nach einigem Schwanken gezeigt, daß sie die bisherige Politik unverändert fortführt. Ein äußeres Zeichen hiefür war die Zuteilung von 1800 neuen Zertifikaten am Tage der Abreise der Kommission. Damit war angedeutet, daß die Regierung, wie sie auch früher stets erklärt hatte, keine Konzessionen an die Aufständischen macht, auch nicht die einer vorübergehenden Einsteilung der Einwanderung. Dieses Vorgehen der Regierung, das den falsch unterrichteten Arabern anscheinend überraschend kam, hatte schwerwiegende Folgen: Die Araber beschlossen, die Untersuchungskommission zu boykottieren, und sie haben diesen Beschluß auch bis Anfang Jänner durchgeführt; ob sie im letzten Moment noch einlenken werden, wofür manche Anzeichen sprechen, ist bei Abschluß dieser Übersicht noch nicht bekannt. Die Regierung steht auf dem Standpunkt, daß jetzt zunächst der Bericht der Königlichen Kommission abgewartet werden muß. bevor die Palästina-Politik in ein neues Stadium treten kann. Die Jeivish Agency stand nun vor der Aufgabe, die jüdische Sache der Kommission zu präsentieren. Die Hauptaufgabe der Kommission besteht ja darin, Beschwerden der beiden Bevölkerungsteile über die Art und Weise der Durchführung des Mandats entgegenzunehmen, während — nach dem V/ortlaut der Richtlinien — die Tatsache des Mandats als Voraussetzung hinzunehmen ist. Da die Araber ihre Beschwerden nicht vorbringen, sondern erkennen lassen, daß sie das System als Ganzes ablehnen, kann die Kommission ihr Material nur von der Regierung und von den Juden sammeln. Die Hauptfrage, die sich vor der Jewish Agency erheben mußte, war nun die, welche Vorschläge die Juden in bezug auf die künftige Gestaltung des politischen Statuts in Palästina machen können. Denn so sehr auch aus naheliegenden völkerrechtlichen Gründen das Mandat als Dokument unangetastet bleibt, die Probleme selbst sind doch nicht lediglich durch Paragraphen-Interpretation zu lösen. Die tatsächlichen Verhältnisse sind heute andere als zur Zeit der Mandatsbestätigung. Die jüdische Bevölkerung ist auf 400.000 Köpfe angewachsen, die Zivilisationsstufe des Landes hat sich rapid verändert, vor allem aber ist die arabische Bevölkerung immer stärker von einem extremen, an europäischen Vorbildern geschulten Nationalismus erfaßt worden, und die junge