Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1937)
- Article
- Zur Kritik der arabischen Bewegung
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 8)
- Language
- German
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haben, gewährleisten können, betreiben sie doch weiterhin die Politik einer maximalistischen territorialen Expansion ohne Rücksicht auf die fehlenden wirtschaftspolitischen Voraussetzungen. Diese arabische Politik wird von den imperialistischen Weststaaten gerne gesehen, bringt aber dadurch die arabische Bewegung in ein Abhängigkeitsverhältnis von fremden Mächten. Die verhängnisvolle Bedeutung dieser Abhängigkeit der arabischen Gebiete von imperialistischen Mächten, in deren Hände die Erschließung der produktiven Kräfte dieser Länder gerät, tritt besonders kraß an dem Beispiel Trans Jordaniens zu Tage, welches im Gegensatz zu Palästina wirtschaftlich buchstäblich in Agonie liegt. Seine Führer kennen zwar die Lösung; sie wollen auch den Zionismus zur Entwicklung Transjordaniens heranziehen, aber die Engländer ziehen es vor, dieses Gebiet vorläufig in seiner ursprünglichen Öde zu erhalten, und darum bleibt es öde. Die zionistische Bewegung hat sich vom ersten Augenblick zur arabischen nationalen Bewegung freundschaftlich verhalten. Aber das Gegenteil hiervon ist die Einstellung der arabischen Bewegung zur jüdischen Renaissance. Mit Argwohn, Haß, Neid und Wühlarbeit begegneten die Araber dem Zionismus vor dem Kriege, zu einer Zeit, da sie noch selber von der Türkei geknechtet waren. Mit Protesten, Verleumdungen, Demonstratienen, Unruhen und Barbarei empfingen sie die Bewegung nachher. Die arabische Bewegung will das Recht der Juden, nach Palästina zurückzukehren, nicht anerkennen und ihr sind alle Mittel recht, wenn es sich darum handelt, den Zionismus zun schädigen. Alle national-chauvinistischen und reaktionären Elemente sind im Kampf gegen den Zionismus mobilisiert; den Versuchen der Aufklärung von Tatsachen, den Friedensvorschlägen und dem Stöhnen des jüdischen Volkes, das in der ganzen Welt verblutet, wird kein Gehör geschenkt. Die Araber Palästinas behaupten mit Recht, daß sie ein Teil des arabischen Volkes und die arabischen Länder allen Arabern gemeinsam sind. Sie bedenken dabei aber nicht, daß die übrige Welt nie darauf eingehen wird, ihnen gewaltige Flächen zu überlassen, die sie im Laufe von Jahrhunderten öde liegen ließen und die sie allein zu besiedeln nicht einmal fähig sind. Und dem jüdischen Volke, dessen Zahl bedeutend größer ist als ihre Zahl und dessen Leiden mit den ihrigen nicht zu vergleichen sind (den Arabern fehlt nur politische Selbständigkeit in Palästina, den Juden in der Welt aber die Luft zum Atmen), soll nicht das Recht gewährt werden, in Palästina, das ihr historisches Land ist und das nur 3% der gesamten arabischen Fläche ausmacht, zu siedeln? Die wirtschaftlichen und bürgerlichen Rechte der Araber in Palästina sind gesichert. Seitdem Araber in Palästina leben, wiesen sie nie solch eine natürliche Vermehrung auf, besaßen keine solchen sanitären Bedingungen, keine solchen Bildungsmittel, keine so bedeutenden Ernährungsquellen und keinen solchen Wohlstand wie in der Epoche der Balfour-Deklaration und der aktiven Verwirklichung des Zionismus. Zurzeit sind die arabischen Einwohner Westpalästinas, dem Gebiete, in dem sich heute die Politik der Errichtung des jüdischen Nationalheims auswirkt, relativ die reichste arabische Bevölkerung, die am raschesten anwachsende und sich entwickelnde unter allen arabischen Völkern der Nachbarländer. Palästina ist das einzige Land, in das Araber aus jenen Nachbarländern auf der Suche nach Lebensmöglichkeiten zuströmen. Durch Verständigung mit dem Zionismus und in Zusammenarbeit mit den Juden könnte man für Palästina zweifellos auch auf politischem Gebiete Selbstverwaltungsrechte erreichen. Der Zionismus verlangt heute von den Arabern Verzicht auf die Forderung nach ihrer ausschließlichen politischen Souveränität in diesem Lande. Nebenbei bemerkt, könnten sie auch ohne das jüdische Nationalheim nie zu dieser Souveränität gelangen, genau so wie diese den Juden nicht mit dem Nationalheim verliehen wurde,