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Palästina · 1937-01-01 · Heft 1 (Januar 1937) · p. Seite 13

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Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 1 (Januar 1937)
Article
Zur Kritik der arabischen Bewegung
Date
1937-01-01
Page
Seite 13 (sequence 7)
Language
German
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reformatorisch auf diesem Gebiete vorgehen wollte, nicht durchgesetzt. Nur seine politische, antiimperialistische Lehre schlug Wurzel. Vielmehr förderte der Panislamismus, sofern er aktiv und aktivierend eingriff, die moslemische religiös-gesetzestreue Tradition und errichtete eine Scheidewand vor jedem Fortschritt, wie etwa das Streben nach Gleichberechtigung der Frau, und vereitelte jede freie Kritik. Bis in die jüngste Zeit fehlt in den arabisch-moslemischen Ländern die Toleranz. Ein freies literarisches Schaffen ist untersagt und wehe dem Schriftsteller, der es wagen würde, die moslemische Tradition irgendwie kritisch zu berühren. Als Illustration für diese Zustände kann die Konfiskation des Buches von Taha Hussein, eines ägyptischen Professors, dienen, das einer Kritik der arabischen Literatur gewidmet ist und die Forderung nach Ausweisung des Verfassers aus Ägypten zur Folge hatte. Nicht nur die fanatischen Moslems unterdrücken das Geistesleben in der arabischen Gesellschaft, sondern auch die Vertreter der christlichen Kirche, die sich direkt oder indirekt an der arabischen Bewegung beteiligen, bewahren die erstarrte religiöse Tradition und unterstützen eifrigst die Unterdrückung des freien Geisteslebens im Orient. Nur eine Art von Kultur blüht hier: die Politik und ihr Ausdruck in der Tagespresse. Es scheint, daß an keinem Platz der Welt das Mißverhältnis zwischen der Fülle von Tageszeitungen und der verschwindend geringen Zahl von Büchern und geistigen und künstlerischen Schöpfungen im allgemeinen so kraß ist wie hierzulande. Noch viel größer ist das Mißverhältnis zwischen den wenigen gedruckten und zwischen den tatsächlich gelesenen Büchern. Die arabische Bewegung wird von einer gefährlichen Illusion getragen, die in der äußerst übertriebenen Überschätzung der bloß politischen Selbständigkeit besteht. Breite Massen geben sich der Illusion hin, daß mit der Erlangung der ersehnten politischen Selbständigkeit auch die schmerzlichsten Fragen ihres Daseins die sofortige und beste Lösung erfahren würden. Die arabische Bewegung verschließt sich den Problemen des wirtschaftlich-politischen Unterbaus der nationalen Wiedergeburt, von dessen Lösung eigentlich die Verwirklichung der Endziele der Bewegung abhängig ist. Die arabische Bewegung umfaßt Syrien, Irak, Palästina und die arabische Halbinsel; sie erstreckt sich somit über eine gewaltige Fläche, die geopolitisch von überaus großer Bedeutung ist, ohne aber eine genügend dichte Bevölkerung zu beherbergen, welche sie wirtschaftlich absorbieren und militärpolitisch schützen könnte. Um diese Fläche, die zu ihrem größten Teil bisher vernachlässigt und künstlich in Wüste verwandelt wurde, zu kultivieren, sind enorme menschliche, finanzielle, wissenschaftliche und organisatorische Kräfte notwendig, welche die im Lande lebenden Araber, sollte ihnen auch die größte politische Freiheit verliehen werden, nicht hervorbringen können. Das arabische Gebiet ist aber wirtschaftlich und machtpolitisch seit jeher ein kostbares und begehrtes Objekt für landhungrige und eroberungsdurstige Staaten gewesen. Diese werden nicht solange warten, bis die Araber imstande sein werden, mit eigener Kraft ihr Gebiet auszunützen. Es handelt sich dabei nicht einmal so sehr um die entfernteren Staaten, wie England und Frankreich; diese sind gar nicht so gefährlich, gerade weil sie ziemlich entfernt liegen und relativ gesättigt sind und diese Orientgebiete für sie nicht als Siedlungsräume in Betracht kommen. Gefährlicher sind die Staaten, die in der Nähe liegen, wie die Türkei, Persien, Ägypten und vor allem Italien mit seiner Überschußbevölkerung und seinem kräftigen Expansionsdrang. Obwohl die Führer der arabischen Bewegung es begreifen müßten, daß sie aus Eigenem, ohne Anlehnung an eine der großen imperialistischen Mächte, ihre Selbständigkeit kaum werden erhalten können und obwohl sie auch wissen sollten, daß sie nicht aus eigener Kraft die Entwicklung dieses enormen Gebietes, das sie in Händen

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