Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1937)
- Article
- Zur Kritik der arabischen Bewegung
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 5)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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wegung. In Palästina, das heute das entwickeltste Land des arabischen Orients ist, besteht zwar eine gewisse Gärung unter den arabischen Arbeitern. In Haifa gibt es seit Jahren, abgesehen von den arabischen Arbeitern, die mit Hilfe der jüdischen Arbeiterorganisation organisiert wurden, eine Vereinigung der arabischen Arbeiter. Solche Vereinigungen tauchen von Zeit zu Zeit auch in Jaffa und Jerusalem auf. Dieser Bewegung kommt jedoch keine selbständige politische Bedeutung zu. In politischer Hinsicht sind diese Vereine bloß Mitläufer der arabischen Parteien, ohne Einfluß und Bedeutung. Es mangelt ihnen an einer Landesorganisation und die einzelnen Ortsgruppen befassen sich mit der Verbesserung der Lebensbedingungen der arabischen Arbeiter, soweit ihre Beschützer, die arabischen Führer, die durchwegs zu den ausbeutenden Schichten gehören, eine solche Tätigkeit gestatten. Jeder ernste Konflikt wird der Entscheidung eines der nationalen Führer überlassen und die Arbeiter ziehen in der Regel den Kürzeren. Insbesondere wird dafür gesorgt, daß die arabischen Arbeiter nicht in irgendwelchen Kontakt mit der jüdischen Arbeiterbewegung kommen. Die Führer bemühen sich, jedwede Hilfe der jüdischen Arbeiter für ihre arabischen Klassengenossen zu vereiteln, und sofern Fälle vorkamen, wo Araber mit Hilfe der Juden in organisatorisch-fachlicher Hinsicht Erfolge erzielten, wurden diese Erfolge durch die Wühlarbeit der arabischen Parteien zunichte gemacht. Eine sonderbare Aufgabe fällt dabei der palästinensischen kommunistischen Partei zu. Anstatt sich mit der sozialen Erweckung der arabischen Massen zu befassen, wie es ihrer Ideologie entsprechen würde, setzt diese aus Juden und Arabern bestehende Partei ihre ganze Kraft für die radikalste national-chauvinistische Propaganda der arabischen Effendis ein. Die jüdische kollektivistische landwirtschaftliche Kolonisation in Palästina, die in jeder Hinsicht in ihrer Reinheit und Erhabenheit ein noch nie dagewesenes Werk in der Geschichte der großen Unternehmungen, die die menschliche Gerechtigkeit in der Welt verwirklichen, darstellt, wird durch die palästinensische kommunistische Partei in ihrer Propaganda unter den arabischen Arbeitern als Betrug und Raub bezeichnet und die Führer der PKP rufen wie die der arabischen Parteien die arabische Masse zu einem blutigen Kampfe im buchstäblichen Sinne des Wortes gegen die jüdische Arbeiterschaft in Palästina auf. Die arabische nationale Bewegung wird durch die PKP, deren Ziele in bezug auf den antiimperialistischen und antizionistischen Kampf mit der ersteren identisch sind, eifrigst unterstützt. Dabei werden die sozialistischen oder kommunistischen Aufgaben der PKP völlig außer Acht gelassen. Die arabische Bewegung bleibt in jeder Hinsicht von den ausbeutenden Schichten abhängig. Und deshalb wird natürlicherweise nichts unternommen, um die Lage des arbeitenden arabischen Volkes zu verbessern. Das einzige Land, wo die materiellen Verhältnisse der arabischen Arbeiter und eines Teiles der arabischen Fellachen verbessert wurden, ist Palästina, wo infolge der Entwicklung des Landes durch den Zionismus im allgemeinen und der jüdischen Arbeiterbewegung im besonderen die Lage der Arbeiterschaft eine Besserung erfuhr. Der Fortschritt im Lande, der durch die Juden bewirkt wurde, ist ein Dorm im Auge der Führer der arabischen Bewegung, die bei verschiedenen Gelegenheiten ihre Furcht vor dem Zionismus als Träger eines ökonomischen und sozialen Fortschrittes zum Ausdruck brachten. Ebenso wie vom gesellschaftlichen Standpunkte steht auch vom kulturellen Gesichtspunkte aus gesehen die nationale Bewegung der Araber auf einer viel niedrigeren Stufe als die der europäischen Völker. Der Nationalismus in Europa entwickelte sich auf der Grundlage eines intensiven kulturellen Lebens und als Fortsetzung der großen geistigen Gärung, die jahrhundertelang dauerte und in der Renaissance mit geschichts-