Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1937)
- Article
- Zur Kritik der arabischen Bewegung
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 3)
- Language
- German
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nitische — führten häufig Krieg gegeneinander und gegen arabische Länder, um diese zu beherrschen. Der Befreiungskampf des arabischen Volkes erweckt in uns, als Teil der Befreiungsbewegung der unterdrückten Völker, die größte Sympathie. Wir können uns aber nicht vor der Tatsache verschließen, daß das politische Ideal der arabischen Bewegung und insbesondere der arabischen Jugend heute dasselbe ist wie das politische Ideal des Nationalsozialismus und Fascismus. In diesem Geiste wird heute die Erziehung der arabischen Jugend geführt. Hitler ist in der arabischen Welt eine angebetete Persönlichkeit. Mussolini zwar nicht, weil er über moslemische Gebiete herrscht, aber seine Lehre wird befolgt. In letzter Zeit bemüht sich der drusische Emir Schekib Arslan, einer der bedeutendsten Männer der arabischen Bewegung, die moslemischarabische Welt mit Mussolini zu versöhnen, um den Arabern die imperialistischen Pläne des römischen Diktators näherzubringen. Durch diese ihre geistige Verwandtschaft mit dem Fascismus unterscheidet sich die arabische nationale Bewegung, wie wir sie heute vor uns haben, entschieden von sämtlichen nationalen Befreiungsbewegungen der europäischen Geschichte des letzten Jahrhunderts. Es scheint, daß der arabischen Bewegung jene volkstümliche, sozialbefreiende, gesellschaftliche Grundlage vorläufig noch fehlt, die die europäischen nationalen Kämpfe auszeichnete und sie in wahre Massenbewegungen der sozial und national erwachenden Bauern- und Arbeiterschichten verwandelte. Die nationalen Bewegungen in Europa sind aus dem gewaltigen sozialen Ringen, das die moderne Wirtschaftsentwicklung verursacht hat, hervorgegangen. Die große französische Revolution gab den Anstoß zu gleichzeitig sozialen und nationalen Kämpfen. Pläne der nationalen Befreiung wurden zusammen mit Plänen der ökonomischen und sozialen Emanzipation der breiten Volksschichten geschmiedet. In den meisten Fällen waren in Europa die Trägerinnen des Banners der nationalen Befreiung wirkliche Volksparteien, während die oberen Schichten manchmal als Verbündete der fremden Bedrücker auftraten. Im Laufe dieser Entwicklung schlössen sich im zwanzigsten Jahrhundert sozialistische Parteien der nationalen Befreiungsbewegung an, um sich letzten Endes an ihre Spitze zu stellen. Diese Seite fehlt der arabischen Bewegung bis heute völlig. Der Orient war und ist an Knechtung gew^öhnt. Alle Schichten der Bevölkerung litten zwar unter der politischen Knechtung, aber im Osten bestehen ebenso wie im Westen wirtschaftliche und soziale Klassenunterschiede und die höheren Klassen kannten und kennen keine wirtschaftliche Unterjochung. Der Unterschied zwischen dem Orient und dem Okzident liegt darin, daß hier im Orient bis zum Weltkrieg solch eine Tyrannei über das freie Denken herrschte und die arbeitenden armen Volksschichten durch eine Kooperation der arabisch-türkischen Effendis in einer derart vollständigen Knechtung gehalten wurden, daß jedes Gefühl des menschlichen Protestes ausgemerzt und abgestumpft werden mußte. Die Folge war, daß der arabische Orient in den letzten Generationen — im Gegensatz zu Europa — keine sozialen Propheten, keine Schriftsteller und Dichter kannte, die das Leid des ausgebeuteten Volkes beklagen, keine sozialen Reformatoren, die ein für das menschliche Leiden empfindliches Herz besitzen. Als nun die arabischen Länder nach dem Weltkriege mit Hilfe des westlichen Imperialismus plötzlich aus jenem Zustand der totalen Knechtung befreit wurden, hat sich der nationalen arabischen Bewegung mit einem Schlag der machtpolitische Totalitätsgedanke des Fascismus und Nationalsozialismus bemächtigt. Die Ansicht, daß, solange irgendwelche fremden Einflußsphären im arabischen Gebiete vorherrschend sind, die Hervorrufung sozialer Konflikte untersagt bleibt, da der Fremde jeden inneren Konflikt benützen