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Palästina · 1937-01-01 · Heft 1 (Januar 1937) · p. Seite 6

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Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 1 (Januar 1937)
Article
Die jüdisch-arabische Zahlungsbilanz
Date
1937-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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der Unabhängigkeit der arabischen Wirtschaft beiträgt. Dieses Fehlen gemeinsamer Interessen und das schnelle Wachsen der frei verfügbaren und anlagesuchenden Kapitalien sowohl auf arabischer, wie auch, aus anderen Gründen, auf der jüdischen Seite sind mit die wichtigsten Ursachen des nationalen Kampfes in Palästina, das heißt des Kampfes um das Recht auf die kapitalistische Erschließung des Landes. Unter diesem Gesichtspunkt verdient die Passivität der jüdisch-arabischen Zahlungsbilanz unser besonderes Interesse. Im letzten Jahr war die Bilanz des Waren- und Dienstverkehrs, unserer Berechnung nach, zwar nur mit 9.4 Millionen Pfund zugunsten der Araber aktiv, unter Zurechnung der Miet- und Pachtzahlungen stieg aber das Aktivsaldo auf 0.9 Millionen, bei Hinzurechnung der Bodenkäufe auf 2.6 Millionen und das Gesamtsaldo stellte sich auf etwa 3.8 Millionen Pfund. Sicherlich waren die Defizite in den vorigen Jahren erheblich geringer, trotzdem kann der Gesamtbetrag, der der arabischen Wirtschaft seit dem Kriege auf diesem Wege zugeflossen ist, auf vielleicht 25 Millionen Pfund geschätzt werden. Es muß dabei berücksichtigt werden, daß die Geldpreise und -löhne in der arabischen Wirtschaft erheblich niedriger sind als in der jüdischen, so daß die gleichen Geldbeträge in den Händen der arabischen Besitzer eine viel größere Kaufkraft und Wirkungsmöglichkeit haben als in den Händen der Juden. Die Wandlung des arabischen Lebensstandards und der sozialen Struktur der arabischen Bevölkerung konnte mit dem Geldstrom und mit den Neuerungen der Produktionsmethoden nicht Schritt halten und auch heute bleibt das arabische Dorf zum großen Teil naturalwirtschaftlich, das Gewerbe handwerklich, der arabische Lohnarbeiter an den Familienverband und an die Scholle gebunden. Die Geldeinnahmen haben noch zum beträchtlichen Teil den Charakter von Neben- und Zusatzverdiensten und können daher als frei verfügbare Barüberschüsse zurückgelegt oder auch produktiv angelegt werden. Das gilt nicht allein von den Erlösen aus den Bodenverkäufen, sondern auch von einem bedeutenden Teil der Miet- und Pachteinnahmen, der Warenerlöse und sogar der Löhne (Saisonarbeiter während der Zitrus- und Weinlese). Dieser Umstand ist für die Erklärung der Billigkeit und der Unbeständigkeit der arabischen Arbeiter, ebenso wie der leichten Durchführung und der langen Dauer des Generalstreiks von besonderer Wichtigkeit. Zu den diesem Generalstreik sowohl bei Juden wie bei Arabern folgenden Boykott- und Autarkiebestrebungen können wir auf Grund der vorangegangenen Überlegungen bemerken, daß die Lage der arabischen Wirtschaft viel günstiger ist als die der jüdischen, und zwar deshalb, weil die meisten Einnahmeposten der Araber durch Monopole natürlicher (Boden) oder politischer Art (die Ausgaben des Staates, ein großer Teil der indirekten Löhne an Hafen- und Eisenbahnarbeiter) geschützt sind oder aber den Vorteil besonderer Billigkeit (Löhne, Wohnungen), günstigen Standorts (Bananen, Baumaterialien) usw. genießen, wogegen die Einnahmen der Juden zum größten Teil vom Warenabsatz herrühren, welcher meist der Konkurrenz des Weltmarktes voll ausgesetzt ist, da Industrieerzeugnisse ohne größere Schwierigkeiten aus anderen Quellen bezogen werden, teilweise auch von den Arabern selber mit Vorteil hergestellt werden können. Es kommt hinzu, daß die arabische Wirtschaft vorwiegend Bedarfsgüter liefert, welche nur schwer entbehrt werden können (Boden, Wohnung, Nahrungsmittel, notwendige Rohstoffe), während die Juden mehr auf die neugeweckten Kulturbedürfnisse der arabischen Bevölkerung angewiesen sind. Während daher der arabische Boykott den Absatz jüdischer Waren bei den Arabern fast ganz stillzulegen vermochte, blieben auch während der blutigen Ereignisse wichtige Posten arabischer Einnahmen von Juden fast ganz unangetastet (Mieten, Regierungsausgaben, die meisten indirekten und ein Teil der direkten Löhne, der Warenerlöse und der Handelsgewinne), so daß der

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