Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1937)
- Article
- Die jüdisch-arabische Zahlungsbilanz
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Stände, auch die Fellachen und die Arbeiter, wenngleich in Betracht gezogen werden muß, daß die größten Nutznießer der arabischen Grund- und Hausbesitzer, die Unternehmer, die christlichen Großkaufleute, in der Landwirtschaft die Großbauern, insbesondere die Deutschen, und in der Industrie die intelligenteren Armenier sind. Bei dem geringen Umfang des innerarabischen Geld- und Marktverkehrs, der selbst heute den Umfang des Absatzes arabischer Waren und Dienste an Juden kaum erreichen dürfte, bildet diese »auswärtige« Nachfrage die bedeutendste Beschäftigungsquelle arabischer Arbeiter und die einzige Verwertungsmöglichkeit für die Erzeugnisse der arabischen Landwirtschaft und Industrie, des arabischen Bergbaus und Baugewerbes und damit auch die erste Möglichkeit zur Entwicklung kapitalistischer Unternehmungsformen und zur Entstehung eines modernen Wirtschaftssystems und Klassengefüges. Die Bedeutung des jüdisch-arabischen Wirtschaftsverkehrs für jeden der beiden Wirtschaftsorganismen ähnelt so derjenigen des Außenhandels. Die Besonderheiten der jüdisch-arabischen Zahlungsbilanz im Vergleich mit zwischenstaatlichen Bilanzen bilden die Posten »Miete und Pacht« und »Bodenkäufe« auf der negativen, der Posten »Kinos« auf der positiven Seite. Sie ergeben sich selbstverständlich aus dem freien Durcheinanderwohnen der beiden Völker auf dem gleichen Gebiet. Daraus ist auch die unverhältnismäßige Höhe der Posten »Löhne« und »Handelsgewinne« zu erklären, die ja zum Teil aus den Umsätzen des Kleinhandels stammen. Auch ist die Kapitalübertragung durch den Fiskus vom ausländischen Zinsendienst des Staates, denen sie zunächst verglichen werden könnte, im Wesen und in Wirkungen durchaus verschieden. Ein weiterer, gerade in Anbetracht der räumlichen Nähe der beiden Völker bemerkenswerter Zug der Zahlungsbilanz, ist die Geringfügigkeit der beiderseitigen Kapitalerträge, wie Zinsen, Gewinnauszahlungen, Dividenden (weswegen wir sie auch aus der Aufzählung der Posten weggelassen haben). Dies ist nicht etwa aus einem formalen Grunde, aus dem Fehlen der valutarischen Grenzen zu erklären, wodurch alle reinen, vom konkreten wirtschaftlichen Vorgang losgelösten Zahlungen verschwinden. Sehen wir von den gewöhnlichen Handelskrediten ab, die im Handelsverkehr unumgänglich sind, die aber von Juden an Araber und auch umgekehrt nur mit großer Vorsicht und Zurückhaltung gewährt werden, so sind die beiderseitigen Bank- und Anlagekredite tatsächlich ganz gering, die Beteiligungen nur verschwindende Ausnahmen. Die Summe der Kapitalerträge dürfte auf keiner Seite der Zahlungsbilanz den Betrag von 25.000 £P überschreiten. Obwohl nähere Angaben hierüber schwer zu erhalten sind, kann im allgemeinen gesagt werden, daß die Kapitalerträge der Juden vorwiegend die Form von Zinsen aus rückzahlbaren Handelskrediten, die der Araber größtenteils die Form von Gewinnen aus festen Beteiligungen an Unternehmungen verschiedener Art haben. Die bestehenden »gemischten« Unternehmungen (»Potash Co.«, »Cyprus Plantations Co.«, »Kallia Co.«, »Palestine Rice Mill Co.«, »Albina, Dunia, Katinka«, »Ewen we-Ssid« u. a. m.) sind meist arabische Beteiligungen an Unternehmungen, welche vom jüdischen Kapital und durch jüdische Initiative geschaffen wurden, während die arabischen Unternehmungen jüdischer Beteiligung so gut wie gänzlich verschlossen, bleiben. Die Unabhängigkeit und Abgeschlossenheit der finanziellen Struktur der beiden Wirtschaftsorganismen ist bis heute unverändert geblieben. Die zur Modernisierung der arabischen Wirtschaft benötigten Kapitalien werden entweder aus eigenen Mitteln oder aus dem Auslande, jedenfalls aber ohne Zutun der jüdischen Kapitalisten aufgebracht. Praktisch bleibt der Bodenkauf die einzige Art der unmittelbaren Kapitalübertragung aus der jüdischen in die arabische Wirtschaft, der aber nicht auf wirtschaftliche Beteiligung, sondern auf Freisetzung von arabischem Kapital innerhalb der arabischen Wirtschaft hinausläuft und auf diese Weise in erheblichem Maße zur Verstärkung