Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1936-12-01 · Heft 12 (Dezember 1936) · p. Seite 626

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 12 (Dezember 1936)
Article
Die Königliche Kommission
Date
1936-12-01
Page
Seite 626 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2379786-2379939-2379952-2409712--24003-2409898
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

sammenhange darauf hin, daß Palästina das einzige Land unter den englischen Kolonien und Mandatsgebieten sei, wo Englisch nicht die Unterrichtssprache ist. Nach verschiedenen Fragen über jüdische, arabische und Regierungsschulen, fragte Prof. Couptand, was auf dem Gebiete des Erziehungswesens getan werde, um die Verständigung zwischen Juden und Arabern zu fördern. Mr. Bowman mußte zugeben, daß in diesem Zusammenhange von der Regierung nichts getan worden sei; in jüdischen Schulen werde zwar Arabisch gelehrt, hingegen sei die hebräische Sprache in arabischen und Regierungsschulen kein Lehrfach. Prof. Couptand machte dazu die Feststellung, daß Hebräisch, eine offizielle Sprache in Palästina, in den Schulen der Regierung nicht gelehrt werde. Mr. Bowman gab zu, daß auf dem Gebiete des Schulwesens nicht getan werde, was eigentlich getan werden sollte, nämlich die Schulen so zu gestalten, daß die schulentlassenen Knaben und Mädchen befähigt sind, sich besser untereinander zu verständigen. Prof. Couptand bezeichnete es als etwas ganz Außergewöhnliches, daß 18jährige Schüler in einem Lande unter britischer Herrschaft eine Regierungsschule verlassen, ohne eine wirklich gründliche Kenntnis der englischen Sprache zu haben. Für eine höhere Bildung des jüdischen Teils der Bevölkerung sei durch die Hebräische Universität Vorsorge getroffen, auch gäbe es eine wachsende Anzahl von Juden, die ins Ausland, vor allem nach England, zur Vervollständigung ihrer Studien gehen. Die Regierung bewillige zwar den Arabern jährlich sieben Stipendien für die Universität in Beirut; die Juden dagegen genießen keinerlei derartige Vergünstigungen, seitens der Regierung. Mr. Bowman stimmte diesen Ausführungen zu und erklärte, daß 5% des Gesamtbudgets der Regierung für Erziehungszwecke verwendet werde, was außerordentlich wenig ist, selbst wenn man in Betracht zieht, daß die Regierung große Summen ihres Ausgabenbudgets für die Aufrechterhaltung der Sicherheit anwenden muß. Die Subventionierung des jüdischen und arabischen Erziehungswesens seitens der Regierung erfolge proportioneil, gemessen an der Anzahl schulpflichtiger Kinder in den beiden Bevölkerungsteilen. Infolge der außerordentlich gründlichen Art der Fragestellung Prof. Couplands waren ergänzende Fragen seitens der anderen Kommissionsmitglieder nicht notwendig. Am 25. November erschien Präsident Dr. Weizmann vor der Kommission, der in einer zweieinhalbstündigen Rede zunächst die Lage der Juden der Welt erörterte. Er ging sodann näher auf das Problem des arabischen Nationalismus ein und befaßte sich zunächst mit der Behauptung der arabischen Propagandisten, daß der arabische Nationalismus durch die letzten Unruhen eine große Förderung erfahren habe und gestärkt aus ihnen hervorgegangen sei. Dr. Weizmann bezweifelte, ob diese arabischen Führer das Recht hätten, im Namen des arabischen Volkes zu sprechen. König Feisal hat mit mir das bekannte arabisch-jüdische Freundschaftsabkommen geschlossen, dessen moralischer Wert bis heute noch nicht gemindert worden ist. Beim Zustandekommen dieses Vertrages hat auch Colonel Lawrence viel mitgeholfen, der einer der wärmsten und zuverlässigsten Freunde der Araber gewesen ist. Man sagt uns nach, fuhr Dr. Weizmann fort, daß wir in das Land wie Fremde kommen, wie Menschen, die nur ihre eigene Arbeit tun, und die nichts tun, um sich die Freundschaft der Araber zu verschaffen. Aber unsere Hand ist auch jetzt noch ausgestreckt zu Frieden und Freundschaft mit den Arabern. Leider hören wir keine Antwort auf unseren Appell. Wenn die Königliche Kommission die Wege und Möglichkeiten untersuchen will, die zu einer arabisch-jüdischen Freundschaft führen, so sind wir gewiß bereit, dabei mitzuhelfen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.