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Palästina · 1936-12-01 · Heft 12 (Dezember 1936) · p. Seite 611

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 12 (Dezember 1936)
Article
Die Kinder der Altstadt von Jerusalem
Date
1936-12-01
Page
Seite 611 (sequence 5)
Language
German
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gen, durch Verwahrlosung, gefährdeten Mädchen fanden wir, daß es überhaupt niemals die Schule besucht hat. Kleine Mädchen werden von den Müttern oft gerne zu Hause gehalten, um bei der Arbeit oder Beaufsichtigung jüngerer Geschwister zu helfen. Bei ganz kleinen Kindern heißt es oft, man habe kein Geld gehabt, um sie in den Kindergarten zu schicken. Für die Einstellung mancher Eltern sind vier Fälle charakteristisch, wo Kinder eine Missionsschule besuchten. Eine der Hauptquellen alles Übels ist, daß die Kinder schon früh ins Erwerbsleben eintreten müssen, um zum Unterhalt der Familie beizutragen. Gewöhnlich verlassen sie die Schule mit zwölf Jahren, wir fanden aber auch sechs Kinder, die schon vor dem zwölften Lebensjahr verdienen (ein Mädchen beginnt z. B. schon mit zehn Jahren als Osereth, das heißt Hausgehilfin). Noch kleinere Kinder arbeiten mit dem Vater oder leisten Boten- oder Trägerdienste. Natürlich haben unter diesen Umständen die meisten keine richtige Berufsausbildung und bleiben ungelernte Arbeiter, ein Glücksfall ist es schon, wenn einer in einer Fachschule (der Alliance) oder im Waisenhaus ein Handwerk lernt. Als ungelernte oder Gelegenheitsarbeiter sind die jungen Burschen natürlich der Konjunktur unterworfen, werden in der heutigen Zeit oft arbeitslos und liegen dann wieder auf der Straße. Es ist uns aufgefallen, daß auch diejenigen, die ein Handwerk zu erlernen sich bemühen (Schlosser, Klempner, Schneider, Tischler, Drucker oder auch nur Steinhauer), sehr oft von einem Fach ins andere wechseln. Es fehlt hier an der Berufsberatung und eine solche Institution wäre für eine Jugend, die so sehr der Lenkung in richtige Bahnen bedarf, segensreich. Was nun den Anlaß der polizeilichen Maßnahmen anbelangt, so finden wir: Fälle Hochgradige Verwahrlosung........3 Diebstahl ..............26 Hehlerei.............. . 2 Einbruch..............1 Unterschlagung............. 1 Körperverletzung........... 6 Roheitsakte und Beteiligung in Schlägereien . . 3 Tätlichkeit gegen Eltern.........4 Tätlichkeit gegen Polizei.........1 Übertretung der Verkehrsvorschrift ..... 1 Sexualvergehen ............1 Tierquälerei .............1 Natürlich geht es nicht an, diese Jugendlichen insgesamt als kriminell zu bezeichnen, sie sind vielmehr gefährdet in der Richtung der Kriminalität. Nur wenige wiederholen eine strafbare Handlung, am meisten die Diebe (beliebt sind Taschen- und Fahrraddiebstähle), Auffällig ist die häufige Bildung von Banden jugendlicher Diebe, was sich aus dem Leben auf der Straße, das viele Kinder aus diesem Milieu führen, leicht erklärt. Natürlich können Delikte auch einer einmaligen Affektentladung entspringen, z. B. sticht ein abnormal ängstlicher Knabe seinem Kameraden, der einen Hund auf ihn hetzt, ein Messer in den Bauch. Die psychische Untersuchung der Delinquenten ergab, daß neun von ihnen ausgesprochen geistig defektiv waren (bis zu schwerer Debilität), zwölf waren in der geistigen Entwicklung zurückgeblieben (oft um mehrere Jahre), eine Folge der Vernachlässigung, einige andere primitiv organisiert. Nur elf wurden als psychisch normal und altersentsprechend befunden. Unter den Jugendlichen befand sich zumindest auch ein Psychopath, nämlich der Ängstliche, der aus Schreck vor dem Hund das Messer zückt. Einer von den Dieben hat als Kind eine Meningitis durchgemacht.

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