Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1936)
- Article
- Transferproblem und Palästinawirtschaft
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 603 (sequence 3)
- Language
- German
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der sozialökonomischen Probleme, an denen wir im Galuth kranken, für den Jischuw. Man hat versucht, diese Bedrohungen durch eine bestimmte kontrollierende Zusammenarbeit der Produzentenorganisation mit der führenden Transferorganisation zu mildern. Das ist zu begrüßen und zeugt von dem beiderseitigen guten Willen, die angedeuteten Gefahren zu verringern. Aber das Problem als solches ist damit noch keineswegs gelöst. Es muß hier einmal in aller Schärfe gestellt wTerden: Die Judennot in den goldarmen Ländern zwingt den dortigen Kapitalisten zu einem ungeregelten Warenexport nach Palästina, da er nur auf diesem Wege sein Kapital transferieren kann. Dieser Warenexport bedroht immer stärker die in der Entwicklung befindliche Produktivierung judischen Kapitals in Palästina. Wird diese Produktivierung dadurch verhindert, so bleibt der Kapitalzustrom für den Aufbau des Landes im nationalen Sinne ohne Wert. Anderseits kann aber der Aufbau des Landes ohne Kapitalzustrom nicht durchgeführt werden. 1 Hier schließt sich der circulus vitiosus. Juden müssen unter Bedingungen auswandern, die den für Palästina erwünschten Kapitalzustrom in Formen kleiden, die den Aufbau gefährden. Auch das ist ein Teil der allgemeinen Judennot und niemand ist hiefür zu beschuldigen. Aber wir sehen hier ein Einwirken dieser Judennot auf unser Aufbauwerk in einer Form, die uns bisher nicht entgegentrat und wir müssen uns hiemit sehr ernsthaft auseinandersetzen, gerade in diesem Moment politischer Nöte und Entscheidungen. Denn es wird — wie eingangs gesagt — von unserer wirtschaftlichen Normalität im Lande abhängen, ob wir diese politischen Stürme überstehen können. Gibt es eine Lösung dieses Problems? Ich glaube ja, aber sie ist nicht leicht zu bewerkstelligen. Es kommt für uns darauf an, das Stadium möglichst abzukürzen, in welchem das einwandernde Kapital — gewiß gegen den Willen seines Besitzers — in dem oben angegebenen Sinne »produktionsfeindlich« wirkt. Diese Abkürzung können wir auf folgendem Wege erreichen: Durch Schaffung einer Auffangorganisation des Jischuw, welche die planvolle Verteilung und Verwertung der zwangsläufig herübergebrachten Fertigwaren vornimmt, und ihr planloses Herumschwimmen auf dem Markte verhindert. Zu einer solchen Organisation gehört Geld, sogar viel Geld. Sie muß dazu in der Lage sein, Warenmengen, über welche jüdisches Kapital nach Palästina transferiert wird, zu bevorschussen, und den Transferenten Möglichkeiten zum Aufbau einer Existenz zu bieten, bis sie den Zeitpunkt für gekommen hält, seine Ware zu realisieren. Darin steckt ein Risiko. Es kommt darauf an, dieses Risiko zu verteilen, so daß einen Teil hievon der Transferent trägt, was er ja auch heute tut, und einen anderen Teil der Jischuw, was er ebenfalls heute tut, wenn Ware in unerwünschten Mengen zu Schleuderpreisen undzu unerwünschten Terminen an den Markt geworfen wird. Eine solche Auffangorganisation muß von dem gesamten Jischuw getragen werden, seine Institution sein und unter seiner Garantie finanziert werden. Nötig ist hiefür eine »Transfer-Anleihe«, die zum Teil im Lande, zum Teil auf. dem internationalen Geldmarkt aufzubringen wäre. Der ökonomische Sinn dieser Anleihe läge eben darin, den Transferprozeß von dem Druck zu befreien, der sich aus der Tatsache ergibt, daß er zum größten Teil zwischen goldarmen Ländern und Palästina vor sich geht. Die Anleihe am internationalen Markt würde das Gold als Transferverhikel wenigstens zeitweise in den Kapitalübertragungsprozeß einschalten und ihm damit die ärgste Schärfe nehmen. Zu sichern wäre eine solche Anleihe zu einem bestimmten Prozentsatz durch die zu transferierenden Waren selbst, zu einem weiteren — bis zu 100% Sicherung reichenden — durch die Kollektivgarantie des Jischuw mit seinen Institutionen, wobei es natürlich von Fall zu Fall zu untersuchen bleibt, welche Prozentsätze des Warenwertes als Sicherheit anzusehen sind.