Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1936)
- Article
- Transferproblem und Palästinawirtschaft
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 604 (sequence 4)
- Language
- German
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Ich glaube, daß die Zeit gekommen ist, die Gangbarkeit dieses hier nur ganz skizzenhaft gezeichneten Weges sehr ernsthaft zu untersuchen. Wir haben bis heute einen organisierten Transfer nur zwischen Deutschland und Palästina. Aber es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß wir in absehbarer Zeit neue »Haawaroth« entstehen sehen werden. Es ist klar, daß auf jeden Fall ein Konkurrenzkampf zwischen diesen Institutionen vermieden werden muß, denn nichts wäre für unsere ganze Entwicklung verderblicher. Aber mir scheint, daß einfache Interessenabgrenzungen und Verständigungen von Fall zu Fall hier nicht mehr genügen. Und ich glaube, daß neben der oben ge^ forderten Auffangorganisation von Transferwaren es in Palästina eine zentrale Einkaufsorganisation der »Haawaroth« für alle die goldarmen Länder geben muß, aus denen Juden in größerer Anzahl nach Palästina auszuwandern beabsichtigen. Denn ohne eine solche wird das erfolgreiche Arbeiten der Auffangorganisation in Palästina nicht möglich sein. Es muß dem einzelnen Transferenten von vorneherein die Auswahl der zu transferierenden Waren so nahegelegt werden, daß die palästinensischen Interessen gewahrt werden. In gewissem Umfange tut das die deutsche »Haawarah« bereits. Aber um sie allein handelt es sich heute gar nicht mehr, sondern um die Tatsache, daß es wohl für viele Jahre ein Charakteristikum der Judennot sein wird, daß Juden Waren nach Palästina bringen müssen, die sie selber im Lande erzeugen wollen und doch nicht produzieren können, weil sie sich selbst Konkurrenz machen, indem sie ihr Kapital nur in Form von Waren ins Land bringen können. Wir müssen* lernen, in diesen Zusammenhängen eines der wichtigsten Probleme der Zukunft zu erkennen. Wir können nicht darauf warten, daß uns die Entwicklung noch mehr über den Kopf wächst, als sie das — wie ganz offen zugegeben werden muß — bis heute schon getan hat. Es kommt noch etwas hinzu: Bei dem Transfer aus Deutschland handelt es sich meist um die Liquidation eines Besitzes. Ist diese im Transferweg durchgeführt, so ist das betreffende Warengeschäft abgewickelt. In Polen zum Beispiel liegen die Dinge vielfach ganz anders. Dort beginnt jüdisches Kapital — über Ware — aus forfbestehenden Betrieben auszuwandern. Der Prozeß dauert also außerordentlich lange. Außerdem bleibt der Kapitalbesitzer vorläufig im Ausland. Es geht hier also ein verstärktes Warenangebot am palästinensischen Markt vor sich, ohne daß unsere Konsumkraft vergrößert wird. Das ist eine Gefahr, die eine umfassende Kontrolle der Kapitaleinwanderung und ihrer Formen aus bestimmten Ländern noch viel nötiger macht als gegenüber der deutschen »Haawarah«. Die Gründung eines Institutes für Wasserfragen Von Ing. Abraham Werber, Tel Aviv. Angeregt durch Herrn J. Wilkanski, versuche ich im Nachstehenden einen Entwurf zur Gründung eines Institutes für Wasserfragen zu skizzieren 1. 1* Name des Institutes» Bei der Wahl zwischen »Forschungsinstitut für Wasserfragen« und »Institut für Wasserfragen«, würde ich vorschlagen die zweite Benennung zu akzeptieren, um von 1 Obwohl die Bedeutung der Wasserfragen schon längst erkannt ist und am letzten Kongreß die Gründung eines Wasserinstitutes beschlossen worden ist, geschah noch nichts zur Verwirklichung dieses Beschlusses.