Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 11 (November 1936)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A. T.
- Date
- 1936-11-01
- Page
- Seite 579 (sequence 5)
- Language
- German
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Herr zu werden. In einem Lande, dessen Konsumkraft von Tag zu Tag infolge der großen Einwanderung steigt und wo insbesondere die landwirtschaftlichen Produkte einen guten und gesicherten Absatz finden sollten, kämpft die gemischte Arbeiterwirtschaft schwer, in gewissen Perioden geradezu verzweifelt um den Absatz ihrer Produkte. Es waren bereits Fälle zu verzeichnen, wto das Gemüse auf den Feldern gelassen werden mußte, weil die Preise zu niedrig waren, um selbst die Kosten der Ernte und der Zufuhr zu den Absatzmärkten zu decken. Die lange Periode der Unruhen im Lande hat allerdings die Lage der gemischten landwirtschaftlichen Betriebe bedeutend verbessert. Es ist der »Tnuva« durch ihre mustergültige Organisation gelungen, der Gefahr einer Aushungerung des Jischuw infolge des arabischen Streiks vorzubeugen und die jüdische Bevölkerung mit Milchprodukten und Gemüse genügend zu versorgen. Infolge dieser Tatsache hatten auch alle landwirtschaftlichen Produkte in dieser Zeit einen gesicherten Absatz und die Anbaufläche für Gemüse stieg sogar in den Arbeiterwirtschaften von 3500 auf 5000 Dunam (in der ganzen jüdischen Wirtschaft auf 7000 Dunam). Gleichzeitig sorgte die »Tnuva« dafür, daß die Preise trotz der momentanen Knappheit und trotz der erschwerten Zufuhr nicht stiegen und sie bekämpfte mit Erfolg die Spekulationsgeiüste der privaten Händler. Und doch, wenn wir von dieser momentanen, durch politische Ereignisse hervorgerufenen Konjunkturperiode absehen, so bleiben die gewaltigen Absatzschwierigkeiten weiterbestehen. Bloß ein Bruchteil des jüdischen Bedarfes an Milchprodukten und Gemüse wird heute aus jüdischen Wirtschaftsbetrieben gedeckt: an Milch und Milchprodukten 30% (Butter allein kaum 13%), Eier 18%, Gemüse gar 7% und Geflügel 5%. Alles übrige wird entweder vom Ausland importiert oder von Arabern in Palästina selbst und aus Syrien zu Preisen geliefert, die weit unter dem Niveau der Preise der jüdischen Produkte liegen. Die jüdische Landwirtschaft hat schwer gegen jene zwei Konkurrenten anzukämpfen. Die den Produzenten gezahlten Preise decken kaum das Existenzminimum, die Konsumenten (in erster Reihe die Arbeiterschaft selbst) klagen über die hohen Preise der Produkte, die oft ihre Kaufkraft übersteigen. Hier liegt einer der wundesten Punkte des jüdischen Wirtschaftslebens. Überaus schwer ist der Kampf gegen die arabische Konkurrenz, die auf einem viel niedrigeren Lebensniveau basiert, nicht leichter ist der Kampf gegen die ausländischen Produkte, bei denen es sich in vielen Fällen (so insbesondere bei der Butter) um Dumpingpreise handelt, hinter denen Exportprämien der betreffenden Regierungen stehen. Der Überwindung der sich daraus ergebenden Schwierigkeiten wird überaus viel Mühe und Aufmerksamkeit gewidmet. Es wird insbesondere davor gewarnt, das Allheilmittel in der bloßen Propaganda der jüdischen Produktion sowie in Schutzzöllen zu sehen. Eine bloß auf sentimentalen Momenten basierende Propaganda, die auf den konkreten Nutzen der jüdischen Produktion nicht hinzuweisen vermag, werde auf die Dauer angesichts der bedeutenden Preisdifferenzen kaum zum gewünschten Ziele führen und Schutzzölle in unnatürlicher Höhe werden erstens von der Regierung nicht bewilligt und zweitens von der Bevölkerung nicht getragen werden können. Es müsse also eine ganze Reihe von Mitteln in Anwendung gebracht werden, die zusammen eventuell zum erwünschten Ziele führen werden. Als derartige Mittel werden in der regen Debatte, die gegenwärtig darüber in den Spalten der Arbeiterpresse vor sich geht, in der Hauptsache folgende angeführt: a) Verbilligung der Produktion, die heute viel zu teuer ist. In keinem einzigen Lande Europas sind beispielsweise die Milchpreise so hoch wie in Palästina. So kostet ein Liter Milch in Palästina 27 palästinensische Mils, dagegen in England 25, in Deutschland 18, in Frankreich 14 und in Dänemark gar 10. Ein derartiger Zustand