Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 11 (November 1936)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A. T.
- Date
- 1936-11-01
- Page
- Seite 578 (sequence 4)
- Language
- German
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erfreulichen Nebenerscheinungen ein Ende machen und eine weitgehende Kooperation der Kibbuzim anbahnen werden. Auch ein derartiges Ergebnis ist sicherlich hoch zu werten. 2* Absatzprobleine. Der jüdische Arbeiter Palästinas ist an den Kauf- und Verkauf beding ungen des Landes in doppelter Eigenschaft interessiert: sowohl als Konsument als auch als Produzent. Als Konsument hat er zunächst dasselbe Interesse wie die Arbeiterschaft der anderen Völker: er will möglichst billig kaufen und will sich nicht durch Händler und Spekulanten übervorteilen lassen. Es gibt eben in Palästina der Gelegenheiten genug, wo von verschiedensten Seiten versucht wird, die Preise künstlich hinaufzuschrauben, auch in den allerletzten Tagen wurden die Unruhen im Lande durch verschiedene Spekulanten zu diesem Zwecke ausgenutzt. Als eine weitere, für die palästinensische Arbeiterschaft überaus charakteristische Aufgabe auf diesem Gebiete kommt der Schutz der einheimischen Produktion hinzu. Beiden Aufgaben sucht die Arbeiterschaft durch den Ausbau des Konsumgenossenschaftswesens gerecht zu werden, ohne freilich auf diesem Gebiete Ergebnisse verzeichnen zu können, die den übrigen Leistungen der palästinensischen Arbeiterschaft ebenbürtig zur Seite gestellt werden könnten. Das Konsumgenossenschaftswesen stellt ein Schmerzenskind der Arbeiterbewegung des Landes dar, es ist bis zum heutigen Tage nicht gelungen, in den Massen der Arbeiterschaft ein entsprechendes Interesse dafür zu wecken. Immerhin macht die Großeinkaufsgenossenschaft »Hamaschbir« mit ihrem in der ersten Hälfte 1936 erreichten Umsatz von zirka 160.000 £P und mit den an sie angeschlossenen 50 Konsumvereinen einen bedeutenden Faktor im Wirtschaftsleben des Landes aus, um so mehr, als sie systematisch darauf ausgeht, in erster Reihe die einheimische Produktion zu begünstigen und dieses Ziel bereits in einem großen Umfang erreicht hat. Viel lebhafter ist indes das Interesse des palästinensischen Arbeiters als Produzenten, und zwar in erster Reihe als landwirtschaftlichen Produzenten, wo die Arbeiterschaft in einem überaus großen Ausmaß als ein selbständiger Unternehmer in ihren Siedlungen auftritt, indes auf dem Gebiete der industriellen Ttäigkeit die kooperativen Arbeiterbetriebe hinter der privaten Unternehmertätigkeit weit zurückbleiben. Mag daher die Losung der Tozereth Haaretz von der Arbeiterschaft auch auf dem Gebiete der industriellen Erzeugnisse lebhaft propagiert werden, der Schwerpunkt des Interesses verschiebt sich doch immer mehr auf die Problematik des Absatzes der landwirtschaftlichen Produkte, insbesondere derjenigen, die aus dem gemischten landwirtschaftlichen Betrieb stammen, wo die Arbeiterschaft bahnbrechend geworden ist und unbestritten die Führung in den Händen hat. Zur Organisierung des Absatzes dieser Betriebe wurde eine besondere Gesellschaft, die »Tnuva«, ins Leben gerufen, die mit ihrem im letzten Jahre erreichten Absatz von 550.000 £P, mit ihren 100 Abteilungen und mit den 150 Siedlungen und 3500 Wirtschaften, deren Produkte sie verkauft, heute die weitaus größte landwirtschaftliche Absatzunternehmung im Lande ist. An Milch und Milchprodukten verkaufte die Gesellschaft im letzten Jahre 17 Millionen Liter, die Zahl der verkauften Eier stieg auf 10 Millionen, Gemüse wurde für 60.000 £P verkauft. Die Gesellschaft hat eigene, modern eingerichtete Molkereien in Haifa, Jerusalem, Tel Aviv, Tiberias, Petach Tikwah, Rechowoth, Tel Josef, Daganiah und Ejn Chaj. Die Molkerei in Jerusalem stellt das größte und modernste Unternehmen dieser Art im ganzen vorderen Orient dar. Und doch, wie imposant auch diese Ziffern und Tatsachen klingen mögen, es ist der »Tnuva« bis zum heutigen Tage nicht gelungen, der großen Absatzschwierigkeiten