Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 11 (November 1936)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A. T.
- Date
- 1936-11-01
- Page
- Seite 580 (sequence 6)
- Language
- German
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sei auf die Dauer sicherlich untragbar. Eine Verbilligung der Produktionskosten, soweit es sich um Milch und Milchprodukte handelt, sei in erster Reihe dadurch zu erreichen, daß man die Futtermittel aus dem eigenen Betrieb herauswirtschaftet und möglichst wenig auf Einkäufe von auswärts angewiesen sei. Durch Intensivierung der eigenen Wirtschaft (Bewässerung ist eine der Grundbedingungen hiefür) kann sehr vieles erreicht werden. Nicht das Quantum der von der einzelnen Kuh gelieferten Milch sei hier entscheidend, sondern (allerdings in gewissen Grenzen) die Billigkeit der Wirtschaftsmethode. b) Vergrößerung des Bedarfes der Bevölkerung. Es wird darauf hingewiesen, daß insbesondere der Verbrauch an Trinkmilch, die fast ganz aus der jüdischen Wirtschaft im Lande stammt, heute in Palästina zwei- bis dreimal geringer sei als in den westeuropäischen Ländern. Hier kann durch eine richtige Propaganda sicherlich vieles erreicht werden. Es wird auch auf die Möglichkeit einer reichlichen und gleichzeitig billigen Versorgung von Schulkindern mit Milch erörtert, deren Kosten durch die Eltern und durch die öffentlichen Instanzen gemeinsam gedeckt werden könnten nach dem Beispiel mancher westeuropäischer Staaten, insbesondere Englands. c) Aufklärung der Bevölkerung nicht bloß über die nationale Pflicht der Förderung der jüdischen Produktion, sondern auch über den höheren Wert derselben vom Standpunkt der Hygiene und der Nährkraft. d) . Verringerung der bedeutenden Spanne zwischen dem Preis, den der Produzent erhält, und demjenigen, den der Konsument zu zahlen hat. Diese Differenz, die z. B. dazu führt, daß von dem Marktpreis von 27 Mils für einen Liter Milch dem Produzenten bloß 14 Mils zufallen, ist denn auch einer der Hauptangriffspunkte in der Polemik, die sich auch gegen die »Tnuva« wegen der viel zu hohen Vermittlungsspesen richtet. Seitens der Leitung der »Tnuva« wird darauf hingewiesen, daß die Institution als solche nicht dafür verantwortlich zu machen sei, da sie sich im allgemeinen mit einer ziemlich bescheidenen Kommission von 7% begnüge und die Gehälter und Arbeitslöhne in ihren Betrieben keineswegs das übliche Niveau im Lande, bzw. soweit es sich um Beamte handelt, die Gehaltsskala der Histadruth übersteigen. Rechnet man bei den allermeisten Produkten die Transport- und Verpackungsspesen hinzu, so bekommt der Produzent 63 bis 73% der Engrospreise. Viel komplizierter liege freilich die Situation beim Milchabsatz, wo tatsächlich die Preisdifferenz überaus groß sei, doch sei daran in erster Reihe die Tatsache schuld, daß nur ein ziemlich geringer Teil von Milch (zirka 38%) als Trinkmilch Verwendung finde und zu höheren Preisen abgesetzt werden könne, indes der Rest zu anderen Produkten (in der Hauptsache Butter) verarbeitet werden müsse, wo die Preise bedeutend niedriger als für Trinkmilch liegen. Die »Tnuva«, die eine Institution der Arbeitersiedlungen sei und keine Erwerbszwecke verfolge, habe nicht die Möglichkeit, das Quantum von Milch, das ihr von den einzelnen Wirtschaften geliefert werde, zu begrenzen, sondern müsse alles übernehmen und den als Trinkmilch unverkäuflichen Teil zu anderen Produkten verarbeiten, was das Niveau der Preise stark herabdrücke. Immerhin wird auch von der Leitung der »Tnuva« zugegeben, daß bei einer entsprechenden Reduktion der Transportspesen und bei einer Rationalisierung der Arbeit in den Molkereien und den Hilfsbetrieben sowie bei einer besseren Organisierung des Verkaufsapparates für Trinkmilch für den Produzenten bessere Preise erzielt werden könnten. e) Als letztes Mittel kommt schließlich der Schutzzoll in Betracht, der insbesondere bei Gemüse, Eiern und Geflügel, zu einem bedeutenden Teil aber auch bei Butter Verwendung finden soll, soweit es sich da um Dumpingpreise, bzw. um Einfuhr aus