Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 11 (November 1936)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A. T.
- Date
- 1936-11-01
- Page
- Seite 577 (sequence 3)
- Language
- German
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Diese Mitglieder der Bewegung sind übrigens in Genossenschaften organisiert, wo sie gemeinsam wohnen und gemeinsam leben, sich also von den diesbezüglichen Gruppen des Kibbuz Meuchad und des Chewer Hakwuzoth bloß durch ihre Zukunftsabsichten unterscheiden. Auch dieser Umstand trägt natürlich manches zur gegenseitigen Annäherung der betreffenden Bewegungen hinzu. Anderseits bleibt auch die straffe Zentralisierung und die unbedingte Unterordnung des Einzelnen unter den Willen der Gemeinschaft als solchen im Kibbuz Meuchad nicht unangefochten. Es machen sich letztens Stimmen geltend, die eine größere Freiheit und Wirkungsmöglichkeit für die einzelnen Gruppen, sowie für die individuellen Mitglieder verlangen und sich auch gegen die allzugroße Ausweitung des Rahmens der Gruppen aussprechen- In denjenigen Gruppen des Kibbuz Meuchad, die definitiv angesiedelt worden sind, ist der Zusammenhang mit dem Kibbuz selbst ohnehin etwas loser geworden. Auf der Grundlage einer derartigen tatsächlichen Annäherung der Arbeits- und Lebensformen sowie als Folge der scharfen Kritik, die an den kibbuzischen Bewegungen wegen ihres Partikularismus geübt wird, ist die Tendenz einer Vereinigung dieser Bewegungen erwachsen, deren Hauptträger gegenwärtig der Kibbuz Meuchad ist. Es machen sich dort zwei Strömungen geltend, von denen die eine zunächst ein Zusammenwirken der Bewegungen auf dem Gebiete der Kulturarbeit, der Kinderpflege, der Erziehung und der Propaganda in den Galuthländern als Vorstufe zur Vereinigung erstrebt, indes die andere bereits den Zeitpunkt für eine definitive Vereinigung als gekommen erachtet. Die in den ersten Oktobertagen nach Jagur zusammengerufene Session des Rates des Kibbuz Meuchad, wo die Frage der Vereinigung einen der Hauptpunkte der Tagung bildete, faßte ihre Beschlüsse im Sinne der weitergehenden Einstellung und formulierte folgendermaßen die Grundsätze einer eventuellen Vereinigung der kibbuzischen Bewegung: a) Einheit der selbständigen und der Lohnarbeit, b) Einheit der landwirtschaftlichen, der gewerblichen und der industriellen Arbeit, c) Sammlung des Volkes in Palästina und Koordinierung der Einwanderungsströme, d) Unterordnung unter die Histadruth, e) Ausbau von kollektiven Siedlungen, die jedem Arbeitsmenschen offen stehen und quantitativ wachsen können, f) Unterwerfung der einzelnen Siedlungspunkte unter die Disziplin der Kooperative und die Erziehung der Mitglieder im Geiste des Zionismus und des Sozialismus. Ob diese Plattform als Grundlage einer Vereinigung der Kibbuzim (es kommen zunächst, wie erwähnt, bloß der Kibbuz Meuchad und der Chewer Hakwuzoth in Betracht) in der allernächsten Zeit dienen kann, muß freilich dahingestellt bleiben. Der Wille zur Vereinigung tritt zunächst nicht' überall gleich stark zum Vorschein. Weder auf der Session des Zentralrates des Chewer Hakwuzoth, noch auf der Sitzung des Exekutivkomitees des Verbandes der Moschwe Owdim, die beide in den letzten Wochen zusammentraten, nahm die Frage einen breiteren Raum ein, obwohl insbesondere auf der Tagung des Chewer Hakwuzoth grundlegende Fragen der Bewegung erörtert und unter anderem auch die Eroberung der Arbeit in den Kolonien und bei öffentlichen Arbeiten, als weitere Grundsätze der Bewegung neben dem gemeinsamen Leben und der landwirtschaftlichen Arbeit proklamiert wurden. Es muß noch eine gewisse Zeit abgewartet werden, bis die tatsächlichen Änderungen in der Zusammensetzung der Bewegung und Festsetzung ihrer Ziele auch einen ideologischen Ausdruck finden und das Verhältnis der einzelnen Gruppen zueinander bestimmen werden. Immerhin unterliegt es keinem Zweifel, daß die hie und da zu Tage tretenden Vereinigungstendenzen zumindest der gegenseitigen Konkurrenz mit all ihren un-