Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 11 (November 1936)
- Article
- Politik.
- Date
- 1936-11-01
- Page
- Seite 566 (sequence 3)
- Language
- German
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Mossulfrage auch einen eminent strategischen Charakter: Lord Cutzon sagte bei den Verhandlungen zu Ismet Pascha: »Eine in Mossul stationierte türkische Armee hätte Bagdad völlig in der Hand. Sie könnte durch Abschneiden der Weizenzufrhr Bagdad aushungern.« Die kurdischen Minoritäten wurden sowohl in der Türkei, als auch, wie schon erwähnt, im Irak behandelt, wie eben heute Minoritäten behandelt werden. Als England mit dem Irak jenen Vertrag schloß, durch den dieser Staat unabhängig werden sollte, protestierten die Kurden beim Völkerbund dagegen und erhoben sich schließlich 1930/32 in mehreren Revolten, die nur mit Hilfe der Panzeraeroplane Englands niedergeschlagen werden konnten. Es ist bezeichnend, daß die erste offizielle Depesche an das neue Ministerium aus London davon spricht, daß dessen Wertung vor allem von der Art, wie die irakischen Minderheiten behandelt werden würden, abhängen werde. Wie schon aus dem Wenigen, was hier über die Verhältnisse im Irak gesagt wurde, hervorgeht, ist es klar, daß die neue Wendung: Militärherrschaft in Bagdad mit Spitze gegen England und unter kurdischer Führung, eine sehr ernste Lage geschaffen hat. Wenn es auch wahr sein sollte, daß die neue Regierung den Arabern Palästinas zugesagt habe, sie wie die früheren zu unterstützen, so ist das wohl mehr im antiehglischen als im proarabischen- Sinne gemeint. Jedenfalls herrscht in London größte Besorgnis und nach allen Erwägungen der Vernunft zu urteilen, stärkt diese Situation nicht die Stellung der palästinensischen Araber bei England. Eine weitere der ungelösten Fragen der Friedensverträge für den Nahen Osten ist die der syrischen Bezirke Antiochia und Alexandrette, wo eine starke türkische Bevölkerung vorhanden ist (exakte Statistiken sind natürlich nicht zu erhalten) und deshalb von der Türkei reklamiert worden. Anläßlich der bevorstehenden Unabhängigkeit Syriens hat Kemal Atatürk selbst diesen Anspruch erhoben. Jedenfalls ist die Lage im Nahen Osten nicht so, daß die arabischen Staaten heute ein sicherer Faktor im politischen Kalkül Englands und Palästinas sein könnten. Bis die Royal Commission ihre Untersuchung beendet haben wird, dürfte die politische Lage in dem arabischen Bereich (und nicht nur in diesem) manche Weitere Änderungen erfahren haben. Jedenfalls wird England dort nirgends eine so zuverlässige und ruhige Bevölkerung finden können, wie es die Juden sind. Ein gutes Anzeichen dafür, daß eine fundamentale Änderung der englischen Politik nicht bevorsteht, ist die Erklärung Ormsby Gore's, daß zu einer Einstellung der Einwanderung während der Tagung der Kommission kein wie immer gearteter Grund vorliege. Allerdings wurden nur 1800 Zertifikate bewilligt, »aus Gründen der Wirtschaftslage«, so daß es den Anschein hat, als ob die Araber durch die Kleinheit der Zuteilung beruhigt werden sollen, die an eine Einschränkung der Einwanderung anklingt und an die beliebte Politik der Schwäche erirlnert, keinem Teile alles zu bewilligen, um nicht parteiisch zu erscheinen. Doch dies ist nicht das Entscheidende. Wichtig ist die prinzipielle Bedeutung des Beschlusses. Sie erhellt aus ihrer Vorgeschichte. Wie bekannt, verlangten die Araber die Einstellung der jüdischen Einwanderung als hauptsächlichsten Preis für die Aufhebung des Streiks und es schien Ende August schon sicher, daß die Regierung sie wenigstens für die Zeit der Tagung der Kommission suspendieren werde. Daß dieser Gedanke endgültig und im Momente der Abreise der Kommission verlassen wurde, hat eine symptomatische Bedeutung. Wie weit bei diesem Entschluß vielleicht schon die neue Situation im Nahen Osten oder gewisse außerpalästinensische Ereignisse mitgespielt haben, entzieht sich der Kenntnis. Von letzteren ist in erster Reihe an den Druck Polens zugunsten der Bewilligung der Schedule zu denken, dessen Botschafter bei Ormsby Gore in dieser Richtung interveniert hat.