Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 11 (November 1936)
- Article
- Nutzbare Bodenfläche und Bodennutzung in Palästina
- Date
- 1936-11-01
- Page
- Seite 557 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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wert Palästinas abzüglich des Wertes der exportierten Zitrusfrüchte entsprechen. Das bedeutet, daß der Bedarf Palästinas an landwirtschaftlichen Eezeugnissen ungefähr zur Hälfte durch die palästinensische Landwirtschaft und zur Hälfte durch Import gedeckt wird. Die palästinensische Hälfte wird aber zum größten Teil von der Agrarbevölkerung selbst konsumiert, der Marktbedarf an landwirtschaftlichen Produkten muß daher zum überwiegendsten Teil, wahrscheinlich zu etwa drei Vierteln oder noch mehr, durch Einfuhr gedeckt werden. Unter den importierten Erzeugnissen befinden sich allerdings auch Produkte (Kaffee, Tee, Kakao u. a.), die in Palästina nicht angebaut werden können. Der palästinensischen Landwirtschaft steht als Produktionsreserve die Versorgung des größten Teiles des Marktbedarfes zur Verfügung. Die Entwicklungsmöglichkeiten, die sich aus der Rückständigkeit der palästinensischen Landwirtschaft in Produktionstechnik und Absatz ergeben, werden in sehr interessanter Weise durch einige Untersuchungen beleuchtet, die das Departement für Landwirtschaft in den letzten Monaten über einzelne Zweige der Landwirtschaft zu veröffentlichen begonnen hat. Hinsichtlich der Geflügelwirtschaft kommt eine derartige Untersuchung zu dem Ergebnis, daß von den 1.5 Millionen Legehühnern 1.3 Millionen nur 40 Eier im Jahresdurchschnitt legen, die restlichen 200.000 Hühner legen 90 Eier. Die sich daraus ergebende Gesamtproduktion von 70 Millionen Eiern wird zu 75 Prozent von der landwirtschaftlichen Bevölkerung selbst verbraucht, nur 25 Prozent, bzw. 18 Millionen Stück kommen auf den Markt. Palästina importierte 1935 76 Millionen Eier, also bloß 19 Prozent des Marktbedarfes werden von der heimischen Landwirtschaft gedeckt! In der Untersuchung wird festgestellt, daß bei einer durchschnittlichen Legeleistung von jährlich 100 Eiern pro Huhn 2 bis 2*^> Millionen Legehühner den gesamten Bedarf an Eiern und zugleich an Schlachthühnern in rationeller Weise decken könnten. (Der Eier- und Schlachtgeflügelimport bezifferte sich 1935 auf 272.000 £P.) Eine Untersuchung über die Kartoffelwirtschaft stellt fest, daß Palästina im letzten Jahre rund 70 Prozent seines Kartoffelbedarfes (in der Höhe von 22.000 Tonnen) einführte; dazu kommt der Reisimport in der Höhe von fast 200.000 £P,' der sehr weitgehend durch Kartoffeln zu ersetzen ist. Durch Steigerung der Kartoffelproduktion auf 200.000 Tonnen auf einer Anbaufläche von rund 20.000 Hektar könnte sich die palästinensische Landwirtschaft eine Mehreinnahme von 300.000 £P sichern3. Hinsichtlich des Tomatenanbaues, der zur Zeit eine Fläche von nur rund 3300 Hektar mit einem Ertrage von 16.486 Tonnen im Werte von 110.153 £P einimmt, kommt das Departement zu dem Ergebnis, daß in den Bezirken von Jericho, Jerusalem, Beisan und Tiberias 3000 Hektar geeigneten Bodens für den Tomatenanbau zur Verfügung stehen, auf denen pro Hektar 20 Tonnen — also das Vierfache des gegenwärtigen Durchschnittsertrages — geerntet werden könnten! In einer LIntersuchung über die Bienenzucht4 wird festgestellt, daß derzeit im Lande 20.000 Bienenstöcke gehalten werden, die jährlich Yi Million Kilogramm Honig produzieren. Allein die Orangenblüte würde aber für 60.000 Bienenstöcke mit einer Jahresproduktion von 1J^ Millionen Kilogramm Orangenhonig ausreichen, dessen Qualität in der Welt unübertroffen ist. Insgesamt könnten in Palästina mehrere Hunderttausend Bienenstöcke gehalten werden, deren Produktion im Lande selbst wie auf dem Weltmarkt angesichts der hervorragenden Qualität des palästinensischen Orangenhonigs ohne Schwierigkeit abzusetzen ist. Wie in der Untersuchung bemerkt wird, können mehrere Tausend landwirtschaftlicher Familien allein von der Honig Produktion leben, bzw. viele Tausende 5 Siehe Heft 9, Seite 483. * Siehe Heft 10, Seite 535.