Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 11 (November 1936)
- Article
- Nutzbare Bodenfläche und Bodennutzung in Palästina
- Date
- 1936-11-01
- Page
- Seite 558 (sequence 7)
- Language
- German
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aus ihr ein beträchtliches Nebeneinkommen ziehen. Es ist außerordentlich zu begrüßen, daß von den zuständigen Regierungsstellen derartige Untersuchungen über die produktionstechnischen und absatzmäßigen Entwicklungsmöglichkeiten der palästinensischen Landwirtschaft in letzter Zeit vorgenommen werden. Bei den vier Nebenzweigen der landwirtschaftlichen Produktion, um die es sich hier handelt, machen die skizzierten Steigerungsmöglichkeiten des landwirtschaftlichen Einkommens bereits weit über 1 Million £P aus. Bei den Hauptzweigen — Getreidebau, Milchwirtschaft, Schlachtviehversorgung, pflanzliche Öle, Früchte und Gemüsebau — ergeben sich noch weit höhere Produktions werte. Von der Möglichkeit des Anbaues neuer Produkte, wie Baumwolle, die sich in letzter Zeit in Syrien, der Türkei und im Irak sehr erfolgreich entwickelt, Zuckerrüben, die ebenfalls in den benachbarten Ländern immer stärker in Aufnahme kommt, und anderer Kulturen ist dabei abgesehen. Die Ausnutzung der kultivierbaren Bodenfläche Palästinas setzt allerdings voraus, daß die Regierung in Zukunft ihre Aufgaben auf dem Gebiete der Bewässerungswirtschaft und Melioration nicht wie bisher völlig ignoriert und den privaten jüdischen Institutionen überläßt. Die Schaffung eines großzügigen Bewässerungssystems durch Nutzbarmachung des Oberflächenwassers in Sammelbecken und Bewässerungskanälen ist keine privatwirtschaftliche, sondern eine staatliche Aufgabe, welche die Investition großer Mittel voraussetzt, deren Rentabilität auf volkswirtschaftlichem Gebiete liegt. Der Palästinaregierung stehen aus den gewaltigen Finanzüberschüssen der letzten Jahre die Mittel hierfür reichlich zur Verfügung. Der Simpson-Bericht nahm die primitive Rückständigkeit der Fellachenwirtschaft und den devastierten Zustand des Landes als eine gegebene Tatsache hin, aus der er die Schlußfolgerung zog, daß der Fellachenwirtschaft eben entsprechend große Flächen zur Verfügung stehen müssen. Die Königliche Kommission sei vor allem auf die intensiven und extensiven Entwicklungsmöglichkeiten der palästinensischen Landwirtschaft hingewiesen: auf die Erweiterung der nutzbaren Bodenfläche durch Bewässerungs- und andere Meliorationsmaßnahmen großen Stiles und insbesondere auf die intensive Ertragssteigerung des Bodens. Während Palästina im Zeitalter der Bibel eine Bevölkerung von mehreren Millionen ernährte, ist die Landwirtschaft des Landes durch den jahrhundertelangen Verfall des Bodens heute so tief gesunken, daß nicht einmal eine Bevölkerung von einer Million mehr ernährt werden kann5. 5 Der bekannte Archäologe Sir Flinders Petrie charakterisiert die Verhältnisse auf Grund seiner vierzigjährigen Zusammenarbeit mit der arabischen Bevölkerung in Ägypten und Palästina in einem offenen Brief an die »Times« vom 10. August dieses Jahres wie folgt: ». . . Die Wurzel des gegenwärtigen Problems liegt in der Frage der Bodennutzung. Heute ist der Boden durch den Mißbrauch in arabischen Händen größtenteils verwüstet. Der Boden wird einer reißenden Entblößung durch die Regenfälle überlassen, die ihn zum Meer spülen. Als Folge ergeben sich im Süden und Gebirge — wenn überhaupt — geringe Ernten. Auf einigen Böden, die ich untersuchte . . ., dämmte ich den Boden ein, so -daß das Wasser nicht abfloß. Anstatt kärglicher Ernten wurden daraufhin im Gebirge Melonen angebaut und prächtige Getreideernten erzielt. Die Erträge stiegen auf das Fünf- bis Zehnfache. ... Auf diese Weise würde Raum für eine Bevölkerung geschaffen, die drei- bis viermal so zahlreich wäre wie die gegenwärtige. Der Araber braucht jetzt 30 acres für eine Familie, der Jude nur 5 acres . . .«