Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1936)
- Article
- Politik. Von a. b.
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 517 (sequence 5)
- Language
- German
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grpßarabischeh Politik weiter zu verfolgen.;Diese erscheint heute, wo die antizionistische Hetze in Syrien und im Irak reiche Früchte getragen hat, in weite Ferne gerückt. Und doch täte es den arabischen Staaten bitter not, die dargereichte Hand zu ergreifen. Das Beispiel Transjordaniens, von welchem Land die jüdische Einwanderung abgehalten wird und das sich deshalb in einem sehr elenden Zustand befindet, nur mühsam aufrecht erhalten, durch die direkten und indirekten Vorteile, die es durch das Aufblühen Palästinas hat, ist allzu bekannt. Viel weniger aber ist bekannt, wie sehr auch andere arabische Staaten aus eigener Kraft nicht zur Blüte kommen können. Soeben erschien ein Sammelwerk eines arabischen Professors der amerikanischen Universität in Beirut über Syrien8. Wir erfahren daraus, daß in diesem Staate nur ein Viertel der kulturfähigen Fläche des Landes bebaut ist und die Landbevölkerung, durch Steuern und Wucherzinsen bedrückt, in demselben Elend lebt, wie die palästinensischen Fellachen jener Gebiete, in die die jüdische Kolonisation noch nicht gedrungen ist, wie das Bergland. Die französische Mandatsregierung hat nichts für die Besserung ihrer Lage getan, namentlich nicht die nötigen Irrigationsanlagen gebaut, und was ein syrischer autonomer Staat für sie tun wird, der vor allem viel Geld für Rüstungen ausgeben dürfte, kann man sich vorstellen. Trotzdem hat Syrien sich gegen eine jüdische Einwanderung gewehrt, und es ist uns bekannt, daß große Bewässerungspläne, von jüdischen Ingenieuren entworfen, die von Juden hätten finanziert werden sollen, nach längerem Schwanken von der Regierung abgelehnt worden sind. Dazu kommt, daß Syrien relativ menschenleer ist. Während Palästina auf 26.000 km2 1.2 Millionen Menschen zählt, hat dieser Staat (ohne die Republik Libanon) mit rund 198.000 km2 bloß 2.1 Millionen Einwohner, davon 1.4 Millionen auf dem Lande; das heißt außerhalb der Stadt wohnen sieben Menschen auf den Quadratkilometer gegen 36 in Palästina (720.000 Seelen auf 26.000 km2). Die Einnahmen der syrischen Staaten (ohne Libanon) betrugen 4932 (spätere Ziffern sind nicht angegeben) rund 11.1 Millionen syrische Pfund, das sind 2.66 Millionen palästinensische Pfund gegenüber 3 Millionen in Palästina 1932/33 und 5.4 Millionen 1934/35 bei einer halb so großen Bevölkerung. Die Verhältnisse im Irak sind in bezug auf Bodenkultur, wegen der großen Zahl der Nomaden, noch viel schlechter als in Syrien, dagegen sind die Finanzen aufgebessert durch die Einnahmen aus den Ölkonzessionen, die rund 1 Million Pfund ausmachen, von Gesamteinnahmen von 3}^ Millionen Pfund. Allerdings verteilt sich dieses Einkommen auf eine Bevölkerung von 3 Millionen, ist also trotz jener speziellen Einnahmen pro Kopf kleiner als in Syrien. Die organisatorische, ökonomische und soziale Schwäche der arabischen Staaten wird meist übersehen, weil ihre Wortführer es verstehen, ihre politischen Aspirationen mit besonderer Verve zu vertreten. Es ist auch in Palästina so, daß die Führer des 'arabischen Volkes kein anderes Interesse haben, als das der politischen Herrschaft und auch die Jugend in diesem Geiste organisieren. Es gibt bei ihnen kein soziales und wirtschaftliches Interesse und bei den künftigen Verhandlungen wird sich dies aufs neue offenbaren. Hier ist eine Möglichkeit für die Juden, dem Volke klar zu machen, wo seine wahren ökonomischen und sozialen Vorteile gelegen sind. Leider ist die schon von Achad Haam aufgestellte Forderung, daß wir eine arabische Zeitung herausgeben und auch auf andere Weise aufklärend im arabischen Volke wirken sollen, bis heute nicht verwirklicht worden. Es ist zu wünschen, daß nun endlich das arabische Büro bei der Exekutive ausgestaltet wird. 8 Economic Organization of Syria, Edited by Said B. Himadeh, Beirut 1936.