Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1936)
- Article
- Politik. Von a. b.
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 518 (sequence 6)
- Language
- German
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Die Ereignisse der letzten Monate haben auch in anderer Beziehung das Ungenügen des zionistischen Apparates gezeigt. Nur allzu schnell hat es sich offenbart, daß die Verlegung des Sitzes der Organisation von London nach Palästina ein. schwerer Fehler war, denn mit einem bloß kleinen Office in London kann man weder Weltpolitik, noch dauernde Verhandlungen mit England führen und auch nicht die Judenheit zu intensiver Anteilnahme und neuen Opfern bewegen. Es ist gewiß beklagenswert, wenn die Ereignisse in Palästina kein allzu großes Echo in der Diaspora gefunden haben, aber sind daran nicht auch die Mängel des zionistischen Apparates schuld? Genügt die Überlassung aller Propaganda an die Fonds, um die Weltöffentlichkeit zionistisch zu interessieren und die Judenschaft zu einem politisch denkenden Volke zu erziehen? Alle Aktionen der Exekutive oder besser gesagt, der einzelnen Mitglieder der Exekutive geschehen ad hoc, gelegentlich und diskontinuierlich. Hier tut eine Reform not. Sie durchzuführen, liegt völlig in unserer Hand. Jewish Agency* Von Spectator* Als die Jewish Agency Ende August d. J. zu ihren üblichen Jahrestagungen zusammentrat, konnte sie auf ein bewegtes Jahr zurückblicken. Der Kongreß in Luzern, der im Sommer 1935 eine neue Leitung der Jewish Agency mit Dr. Weizmann als Präsidenten eingesetzt hatte, wurde bereits allgemein als Wendepunkt in der Entwicklung Palästinas empfunden, denn schon damals kündigten sich Schatten des Niedergangs an, die ein vorläufiges Ende der Periode allgemeiner Prosperität erkennen ließen. Die Erschütterungen kamen äls Folge des italienisch-abessinischen Krieges, der zu einer Kreditrestriktion zunächst der italienischen Banken in Palästina führte, dann aber die Verhältnisse im östlichen Mittelmeer angesichts der Gefahr eines englisch-italienischen Konflikts so unsicher erscheinen ließ, daß Vorsichtsmaßregeln und1 im Anschluß daran wirtschaftliche Krise-Erscheinungen unvermeidlich waren. Dieser Krieg hat aber auch die politischen Verhältnisse im Orient in Bewegung gebracht, und eine starke politische Aktivität in der arabischen Welt erzeugt, die in Palästina immer stärkere Spannungen mit sich brachte und allmählich, nachdem der Versuch des Hochkommissärs, die Araber durch einen Legislative Council zu beruhigen, gescheitert war, in den offenen Aufstand hineinführte. Nach den blutigen Unruhen, die am 19. April begannen, setzte sich diese politische Widerstandsbewegung der Araber in Generalstreik, Terrorakten und Steuerverweigerung fort. Es liegt auf der Hand, daß ein solches Jahr die größten Anforderungen an die Aktivität der Jewish Agency stellen mußte. Man kann ohne Übertreibung sagen, daß seit der Bestätigung des Palästina-Mandats noch kein Jahr so folgenschwer war wie dieses letzte. Dr. Weizmann, der nach vierjähriger Pause wieder die Leitung der Bewegung übernommen hat, hatte eine schwere Zeit. Es bedurfte des Einsatzes seiner ganzen Persönlichkeit und des vollen Gewichtes seiner Arbeit in London und Jerusalem, um die politischen Gefahren, die sich für das jüdische Nationalheim ergaben, abzuwehren. Bei der Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees in Zürich konnten Weizmann und der Vorsitzende der Palästina-Exekutive, Ben Gurion — der politische Dezernent Schertok war in Palästina geblieben —, über eine Zeit intensivster politischer Tätigkeit berichten. Es galt, die englische Regierung und die Palästina-Regierung davor zu bewahren, mit den arabischen Aufständischen auf Kosten der Juden einen leichten Frieden zu schließen, einen Frieden, der angesichts der Unabhängigkeitsbestrebungen der Araber doch hätte nicht von Dauer sein können. Dieser Kampf war umso schwerer, als nach den ersten Wochen die öffentliche Meinung in England einen proarabischen