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Palästina · 1936-10-01 · Heft 10 (Oktober 1936) · p. Seite 516

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 10 (Oktober 1936)
Article
Politik. Von a. b.
Date
1936-10-01
Page
Seite 516 (sequence 4)
Language
German
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Schema5) würden heute dieselben Gefahren mit sich bringen, wie die Kantonisierung. Theoretisch wäre ja die Konstruktion sehr verführerisch, daß die nationalpolitische Selbstverwaltung der beiden Völker, aufgebaut auf der lokalen nationalen Autonomie, in Dorf und Stadt, an der Spitze in eine gemeinsame paritätische Staatsverwaltung münden sollten. Praktisch hieße das aber nichts anderes, als daß in den arabischen Selbstverwaltungsgebieten die Juden für immer ausgeschaltet bleiben würden — also eine Kantonisierung auf Umwegen. Im übrigen macht es das Interesse der Engländer, die Verwaltung Palästinas in der Hand zu behalten, ohnehin unmöglich, daß sie den beiden Nationen die politische Selbstverwaltung übergeben. Deshalb ist es völlig richtig, wenn Bileski vorschlägt, daß vorläufig nur in der gesetzgebenden Körperschaft (Legislative Council) die nationale Parität beider Völker zum Ausdruck komme, daß aber in der Administration nur gewisse kulturelle Zweige für das ganze Land paritätische Selbstverwaltung erhalten, nicht aber eine nationalpo/tfrsc/ie Autonomie eingeführt werden solle 6. Es wird nötig sein, daß seitens der Jewish Agency rechtzeitig — und es ist schon höchste Zeit dazu —, diese Fragen eingehend studiert werden. Denn platonische Resolutionen, wie sie auch diesmal wieder gefaßt worden sind, die nicht ihren Niederschlag in praktischen Vorschlägen finden, sind im politischen Leben von geringem Wert. Wie immer diese Vorschläge ausfallen werden, die Juden werden dadurch beweisen, daß sie es ernst damit meinen, daß sie die Araber nicht beherrschen* wollen, ebenso wie sie von ihnen nicht beherrscht sein wollen. Dieses Zugeständnis und seine überstaatliche Verankerung müßte den Arabern den Vorwand nehmen, den sie als Entschuldigung für ihr gewaltsames Vorgehen ins Treffen führen: Daß sie bei Fortdauer der jüdischen Einwanderung unter die Herrschaft der Juden kommen würden. Diese Befürchtung mag in vielen arabischen Köpfen spuken, da die gewaltige jüdische Expansion in Palästina die große treibende Kraft des Zionismus offenbart hat, wenn auch diese Expansion eine durchaus friedliche ist und für Wachstum und Gedeihen des Landes, wie seiner arabischen Bevölkerung Bedeutendes geleistet hat. Trotzdem ist es bei dem Stand der Dinge schwer anzunehmen, * daß die arabischen Führer, denen es auch um Erhaltung ihrer Macht und deren Ausdehnung auf ein staatspolitisch arabisches Palästina zu tun ist, einwilligen werden, auf diesen Vorschlag einzugehen7. Die Juden aber hätten durch solche Vorschläge vor England und aller Welt ihre Mäßigung erwiesen und es wäre Sache der Mandatarmacht, auf die andere Seite den nötigen Druck auszuüben, daß sie auf jene loyalen Vorschläge eingehe. Britische Staatskunst hat schon verwickeitere Probleme gelöst, wie z. B. die Frage der indischen Selbstverwaltung. Bileski empfiehlt weiter (ähnlich wie diese Zeitschrift in Nr. 5, S. 289) den Gedanken einer Zusammenarbeit mit den Arabern durch Teilnahme der Juden an einer 5 Siehe darüber Böhm: »Die Zionistische Bewegung«, I, S. 344 ff. 6 Auf diesen Punkt zielt anscheinend auch Richard Lichtheim, der in einem sehr interessanten Artikel in der »Jüdischen Rundschau«, Berlin, Nr. 62: »Die politische Aufgabe«, unter anderem die Vorschläge von Bileski erörtert. In der Hauptfrage führt er aus, daß die Zionisten vor allem dafür sorgen müssen, daß England nicht durch eine neue Interpretation des Mandats die jüdische Arbeit einengt und die in Palästina für sie vorhandenen Möglichkeiten nicht ausnützen läßt. Daß diese Arbeit zu einer jüdischen Mehrheit führen kann, darf kein Grund sein, sie zu behindern, sie mache einen Ausgleich mit den Arabern nicht unmöglich. 7 Es ist deshalb auch verfrüht, auf andere Fragen einer jüdisch-arabischen Zusammenarbeit näher einzugehen, wie z. B. die der gemeinsamen Unternehmungen, der arabischen Arbeit bei Juden u. a. m.

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