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Palästina · 1936-10-01 · Heft 10 (Oktober 1936) · p. Seite 515

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 10 (Oktober 1936)
Article
Politik. Von a. b.
Date
1936-10-01
Page
Seite 515 (sequence 3)
Language
German
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daten über arabische Länder nur jenes für Palästina in Kraft bleibt, so hat dies eben in den besonderen Verhältnissen dieses Landes seine Begründung. Freilich ist die neue »Unabhängigkeit« der anderen Staaten eine von der bisherigen Mandatarmacht gestützte. Wie Irak die innere Ordnung nur mit Hilfe der englischen Luftflottengarnison aufrechthalten und seine Finanzen nur durch die Einnahmen aus den Ölkonzessionen balancieren kann, so werden auch Syrien und der Libanon sich vertragsmäßig auf Frankreich stützen. Es ist von Interesse, daß dort, wo es in Syrien bedrohte Minderheiten gibt (wie in Latakia und im Dschebel Drus) die Franzosen ein Recht auf die Haltung einer Garnison besitzen, wenn dieser Staat auch nicht mehr unter Mandat stehen wird. Die Nutzanwendung auf Palästina ergibt sich von selbst. Inzwischen hat sich, trotz der bereits erfolgten Landung des neuen Militärbefehlshabers und der konsignierten Truppen in Palästina nicht viel geändert. Die Kämpfe, Terrorakte, wenn auch in vermindertem Ausmaße, dauern an, der Streik desgleichen, das Kriegsrecht ist bis zur Stunde, da diese Zeilen in Druck gehen, nicht verhängt worden (wie es heißt, soll es nur für bestimmte aufrührerische Distrikte verkündet werden) und zweifellos wird mit den Arabern weiter verhandelt. Man hofft offenbar, sie durch die Intervention der arabischen Könige an die round table-Konferenz zu bringen. Die neuerliche Entlassung von 50 Konfinierten hat das Organ des Mufti, »AI Liwa«, zu einem Lob General Dills bewogen. Dazu wird inoffiziell den Juden nahegelegt, -das Schedule für das laufende Halbjahr (Oktober bis März), wofür angeblich 10.000 Zertifikate verlangt werden sollen, vorerst nicht einzureichen, um auf diese Weise England nicht in die Verlegenheit zu bringen, die Einwanderung vorübergehend suspendieren zu müssen. Als Grund könnte die herrschende Arbeitslosigkeit und die Stagnation auf dem Gebiete der Neuanlagen angegeben werden. (Während der Drucklegung wird gemeldet, daß von Seite des arabischen Komitees der Abbruch des Streiks beschlossen wurde.) Wir wissen zur Zeit nicht, welche Überraschungen die nächste Zukunft bringen wird, wohl aber, daß die Juden auf jeden Fall auf die unvermeidlich kommenden Verhandlungen über den künftigen Status Palästinas vorbereitet sein müssen. Die öffentlichen Erörterungen darüber sind bisher sehr wenig inhaltsreich gewesen. Einmütig wird nur der von englischer Seite immer wieder in die Diskussion geworfene Plan einer Kantonisierung abgelehnt, der für die Juden völlig indiskutabel ist und, wie treffend gesagt wurde, die Schaffung eines »Ansiedlungsrayons« für sie in Palästina bedeuten würde. Über ein konstruktives Araber-Programm hat sich in der letzten Zeit nur Dr. Moritz Bileski4 ausführlich geäußert. Er empfahl die Statuierung einer staatspolitischen Parität von Juden und Arabern. Diese soll unter überstaatliche Garantie gestellt werden und darin ihren Ausdruck finden, daß ungeachtet der jeweiligen Bevölkerungszahl beider Völker, Juden und Araber in gleicher Anzahl in den gesetzgebenden Körperschaften vertreten sein sollen (wie es auch in dieser Zeitschrift, Nr. 7, S. 353, vorgeschlagen worden ist). Der Gedanke der Personal-Autonomie könnte für das Erziehungswesen und andere Kulturgebiete, sowie in der Wirtschaft eingeführt werden. Inzwischen hat Weizmann in seiner Rede vom 9. Juni die politische Parität beider Völker als das zionistische Programm proklamiert. Dieses praktisch durchzuführen, ist wohl nur im Rahmen der von Bileski entwickelten Grundsätze möglich. Es wäre schwer, darüber hinauszugehen, denn alle weiteren Schritte in der Richtung des Aufbaues nationalpolitischer Autonomie, von unten aufgebaut (nach dem bekannten Rennerschen 4 Siehe »Zionistische Araberpolitik«, in »Jüdische Rundschau«, Berlin, Nr. 57, vom 17. Juli 1936, Palästina-Beilage. 12 Seiten.

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