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Palästina · 1936-10-01 · Heft 10 (Oktober 1936) · p. Seite 514

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 10 (Oktober 1936)
Article
Politik. Von a. b.
Date
1936-10-01
Page
Seite 514 (sequence 2)
Language
German
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an ihnen beteiligt gewesene Division nach Palästina einschiffen zu können, die Ernennung eines Oberbefehlshabers der palästinensischen Truppen — was gleichbedeutend ist mit der Suspendierung des Kommandos des Oberkommissärs, der allerdings formell seine Macht beibehält —- und die Androhung der Verhängung des Kriegsrechtes, das waren große Gesten, wie man sie nur an eine wichtige Sache wendet. Die gleichzeitigen Versicherungen an Weizmann — dessen Tätigkeit in London (siehe die Rundschau: »Jewish Agency« in dieser Nummer) wohl das meiste zur Herbeiführung dieser Wendung beigetragen hat —, daß die Einwanderung derzeit nicht eingestellt wird, und die endliche, sehr verspätete Ablehnung der Intervention des irakischen Außenministers, unterstrichen noch diese Geste. Die Fassung dieser Beschlüsse wurde dem Kabinettsrat zweifellos durch den endlich zustande gekommenen Vertrag mit Ägypten erleichtert, durch den England den Rücken frei bekommt'und sich auf die Bereinigung seiner Stellung in Palästina konzentrieren kann. Diese Stellung verdankt es nach der Aussage seiner eigenen Staatsmänner lediglich der Tatsache, daß in Palästina das Jüdische Nationalheim zu errichten ist1. Unter diesen ist der im Amt befindliche Kolonienminister seiner ganzen Vergangenheit nach einer der intimsten Kenner von Vorgeschichte, Bedeutung und Tragweite der Nationalheimpolitik 2. Es ist anzunehmen, daß er seine weniger gut unterrichteten Kollegen darüber informiert haben wird, daß es sich in Palästina niemals darum handeln kann, ein arabisches Staatswesen zu errichten, da auch, abgesehen von der Verpflichtung des Mandatars, dort eine jüdische Heimstätte zu errichten, die politischen und religiösen Interessen, die alle Völker an dem Lande haben, diese Möglichkeit völlig ausschließen. (Selbst Feisal hatte das als Sprecher der Araber bei der Friedenskonferenz anerkannt3.) Deshalb war auch im Sykes-Picot-Vertrag von 1917 zwischen Frankreich, England und Rußland für Palästina ein internationales Regime vorgesehen. Im Mandatsstatut Palästinas steht auch nicht, wie in Art. 1 der Satzungen für Irak und für Syrien, daß der Mandatar die Entwicklung der Unabhängigkeit des betreffenden Staates fördern soll. Falls Ormsby-Gore seine Kollegen darüber informiert hat, so wird er damit vielleicht auch die Wirkung paralysiert haben, die der Vertrag Frankreichs mit Syrien — der auf die Abschaffung des Mandates für diesen Staat (und den Libanon) zielt, so wie schon vor Jahren Irak unabhängig gemacht wurde — auf die englische Öffentlichkeit machte. Wenn von den drei sogenannten »A«-Man- 1 Kolonienminister der Duke of Devonshire im House of Lords, 27. Juni 1923, ebenso Ormsby-Gore in der 7. Session der Permanenten Mandatskommission 1925 (Minutes, S. 111). 2 Mr. Ormsby-Gore war schon 1918 Verbindungsoffizier zwischen Weizmann und dem Oberkommando Allenbys in Palästina (siehe Böhm: Zionistische Bewegung, I, S. 678 und 680), er war 1922 bis 1924 und 1924 bis 1929 Unterstaatssekretär der Kolonien, 1922 Mitglied der Permanenten Mandatskommission, er verfaßte auch den Abschnitt über das Palästina-Mandat in dem bekannten Werke von Temperley: History of the Peace Conference«, Band VI (London 1928). Die oben zitierte Äußerung vor der Mandatskommission lautete: »Die Kommission soll dessen eingedenk sein, daß nach allem die Balfour-Deklaration der Grund (reason) war, aus dem die britische Regierung jetzt Palästina verwaltet.« x Von großem Interesse ist auch eine Äußerung, die er am 4. Juli 1922 im Unterhaus machte, in der er sagte, daß die arabische Agitation gegen die Balfour-Deklaration nicht antisemitisch, sondern antibritisch sei, da sie den britischen Interessen widerspreche (Parlimentary debates, Vol. 156, S. 266). 3 Feisal sagte am 29. Jänner 1919 vor dem Obersten Rat: »Wegen seines universellen Charakters lasse ich Palästina zwecks gemeinsamer Beratung aller daran interessierten Parteien beiseite. Mit dieser Ausnahme verlange ich die Unabhängigkeit der im Memorandum aufgezählten arabischen Territorien.« (Siehe Mitteilung Weizmanns in: »Times« vom 10. VI. 1936.)

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