Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1936)
- Article
- Marktpolitische Probleme der palästinensischen Industrie
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 504 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379939-2379950-2409174--23596-2409321- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
einem moralischen Appell an das Publikum bestehen, palästinensische Erzeugnisse zu bevorzugen, sind sie zweifellos nur verdienstlich, wenn auch begreiflicherweise nur beschränkt wirksam. Auch die weitergehenden Maßnahmen, mit denen er durch alle möglichen Formen des Drucks den Handel zum Abschluß von Verträgen zu zwingen sucht, in welchen sich dieser zum Bezug von Tozereth Haaretz verpflichtet, bedeuten in der gegenwärtigen Situation für die Industrie eine Hilfe. Aber man muß sich natürlich klar darüber sein, daß alle solchen erzwungenen oder aus außerwirtschaftlichen Motiven »gewollten« Vereinbarungen kein ideales und letzthinv auch kein wirksames Mittel der Absatzgestaltung sind, solange die wirtschaftlichen Triebkräfte gegen sie wirken. Ob eine solche, wirtschaftlich »fundierte« Marktordnung heute überhaupt allgemein möglich ist, muß man vielleicht bezweifeln. Vielleicht bleibt es der palästinensischen Industrie nicht erspart, sich durch eine Epoche des Chaos und des Raubbaus an Kräften und Investitionen hindurchzukämpfen, bis im Gefolge der Entwicklung des Landes die überlebenden Betriebe trotz aller Schwierigkeiten so stark und in sich gesund geworden sind, daß sie dem Markt eine »Ordnung« aufzwingen können. Im heutigen Stadium — das kann aus den geschilderten Beispielen entnommen werden — liegt der Schlüssel zur Lösung jedenfalls nicht, oder nur in Ausnahmefällen, in den Händen der Industrie. Er wäre am ehesten in den Händen der Regierung. Es muß immer wieder betont werden, daß wohl noch nirgends in der neueren Geschichte eine junge Industrie so ohne staatliche Hilfe, ohne Zollschutz (abgesehen von dem schwachen Ansatz zu einer Zollpolitik am Anfang dieses Jahres), ohne Kredithilfe, ohne große Staatsaufträge ihren Weg suchen mußte wie in Palästina. Palästina steht in dieser Beziehung selbst hinter seinen Nachbarländern, hinter Ägypten, Irak, Syrien zurück, von einem so fortschrittlichen Land wie der Türkei ganz zu schweigen. Es ist vielleicht wichtig, in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, daß der Schrei nach Zollschutz seitens der palästinensischen Industrie nicht immer nur auf Preiserhöhung abzielt. Wichtiger noch als Preiserhöhung ist vielfach Absatzsicherung, ist die Gewißheit der Reservierung dieses einen, an sich schon kleinen Marktes für die heimische Produktion. Nur sie könnte der Industrie gesunde Fabrikationsgrundlagen und ihrer »Marktpolitik« ein trag fähiges Fundament geben. Solange aber in dieser Beziehung keine erhebliche Besserung eingetreten ist, solange die palästinensische Wirtschaft auf sich selbst angewiesen bleibt, könnte eine gewisse Gesundung der Marktverhältnisse nur noch vom Handel ausgehen. Er hat durch seine doppelten Beziehungen zum Import und zur Industrie eine Art Schlüsselstellung inne. Er könnte, wenn überhaupt jemand, die Dinge zum Besseren wenden. Das Beispiel »Kremener«, bei dem unter führender Mitwirkung eines palästinensischen Großhändlers das internationale Kartell zu einem Quoten- und Preisabkommen gebracht und damit dem palästinensischen Werk der Absatz sowohl gesichert als auch geregelt wurde, beweist, daß dieser Weg nicht unmöglich ist. Er könnte sicherlich auch bei anderen, besonders bei den standardisierten, im Ausland bereits durchkartellierten Produkten gegangen werden. Vorausgehen müßte allerdings eine Einigung des Großhandels der betreffenden Branche, eine Verständigung der — zahlenmäßig nicht unübersehbaren — großen Firmen unter sich und mit der Industrie über die Bedingungen und die Formen, unter denen sie den Absatz der Industrieprodukte übernehmen wollen. Bei den individuellen, nicht standardisierbaren Artikeln des unmittelbaren Massenkonsums, für die als Verteiler auch meist die viel größere Zahl der Einzelhändler in Frage kommen, sind solche Abkommen schwerer möglich. Aber auch hier könnte viel erreicht werden durch eine Besserung in den Verhältnissen des Handels selbst. Könnte