Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1936)
- Article
- Marktpolitische Probleme der palästinensischen Industrie
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 503 (sequence 7)
- Language
- German
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Handelsspanne gezwungen werden kann, häufig z. B. bei Artikeln eines gewissen Luxusbedarfs. Es kommt in solchen Fällen vor, daß er lieber einen teureren ausländischen Artikel mit 50% Aufschlag als einen billigeren palästinensischen mit 33% Aufschlag führt, da er dadurch einen sowohl absolut wie relativ höheren Nutzen hat. Diese Schwierigkeit im Verein wahrscheinlich mit dem Bestreben, die Wirkung der Markenpropaganda noch mehr auszunutzen, hat in der letzten Zeit dazu geführt, daß einige Fabriken, so z. B. die beiden großen Brotfabriken (deren Produktion aber in erheblichem Maße auch Konditoreiwaren und Konfitüren umfaßt) zur Errichtung eigener Verkaufsstellen übergingen. Diese sind, ähnlich europäischen Vorbildern, in einheitlicher Ausgestaltung aufgemacht, und führen in ihrem Sortiment nur die Artikel der jeweiligen Fabrik. Finanziell sind sie zum Teil direkte Niederlassungen der Fabrik, zum Teil aber auch selbständige Unternehmungen, die vertraglich zum ausschließlichen Vertrieb der Fabrikerzeugnisse in einem bestimmten Bezirk berechtigt und verpflichtet sind. Das Bestreben großer Industrieunternehmungen, in den Absatz ihrer Waren Ordnung zu bringen und dabei auch vor der Verkaufssperre nicht zurückzuschrecken, hat eine Nebenerscheinung gezeitigt, die für die Entwicklung der palästinensischen Fabrikation selbst nicht ganz unbedenklich ist. Vor wenigen Monaten ging z. B. eine Auseinandersetzung zwischen der großen Ölverarbeitungsfirrna »Shemen« und einem jungen Unternehmen der gleichen Branche durch die Presse, das sich darüber beklagte, daß Shemen ihm die Existenz untergrabe, indem es seine Abnehmer mit der Drohung der Verkaufssperre verpflichte, keine Waren dieser Konkurrenzfabrik zu kaufen. Es ist hier nicht der Ort, diesen Spezialfall darzustellen und auf »Recht und Unrecht« hin zu untersuchen. Aber er offenbarte ein allgemein-interessantes Problem: Auf der einen Seite stand nämlich die an sich berechtigte Absicht einer Fabrik, nicht in ihr glücklich geordnetes Absatzsystem Verwirrung durch das Auftauchen billigerer Konkurrenzwaren gelangen zu lassen — in Palästina sind, umgekehrt wie in Europa, tatsächlich oft die »Kleinen« durch ihre billigen Offerten der »Großen« Tod —, auf der andern der ebenfalls berechtigte Anspruch neuer Unternehmer, an der wachsenden. Konsumkraft des Landes teilzuhaben. Der Fall zeigt, wie schwer es ist, mitten im Prozeß dynamischen Wirtschaftsaufbaus der Notwendigkeit einer »Marktordnung« gerecht zu werden, ohne der Gefahr einer vorzeitigen Kristallation des vorhandenen Wirtschaftsgefüges zu verfallen. III. Wir können uns mit diesen Beispielen begnügen. Es kam ja nicht darauf an, sämtliche Nuancen der Marktgestaltung für die zahlreichen, heute in Palästina vorhandenen Industrieprodukte aufzuführen, sondern an einigen wichtigen Fällen zu zeigen, daß es ein solches Problem der Marktpolitik gibt. Das Problem ist prinzipiell dasselbe, das. vor jeder sich entwickelnden Industrie in allen Ländern auftauchen mußte, aber es hat in Palästina teilweise spezifische Formen annehmen müssen, entsprechend dem Entwicklungsstadium der palästinensischen Wirtschaft, den Gewohnheiten seiner Bewohner und nicht zuletzt seiner anormalen administrativen und handelspolitischen Situation. Wir haben in unseren Beispielen die Lösungsversuche angeführt, zu denen man in der bisherigen Praxis gelangt ist. Man kann nur von einem Teil von ihnen sagen, daß sie sich in der prinzipiell richtigen, das heißt ökonomisch gesunden und rationellen, Richtung bewegen. Vielfach sind sie selbst nur ein Produkt der Not, ein Ausdruck des. Zustandes der »Ungeordnetheit«, der heute vielfach vorherrschend ist. Dasselbe mußman, vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus, auch von den an sich gewiß sehr lobenswerten Bemühungen des »Igud lemaan Tozereth Haaretz« sagen. Soweit diese in.