Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1936)
- Article
- Marktpolitische Probleme der palästinensischen Industrie
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 502 (sequence 6)
- Language
- German
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der Lieferung »in Kommission« entwickelt, bei der das Absatzrisiko der Ware bis zum Verkauf an den Konsumenten auf dem Fabrikanten lag. Bei dieser Sachlage war es nur logisch, einen Schritt weiter zu gehen und aus der aktuellen finanziellen Verknüpfung eine feste Beteiligung zu machen, die dem Fabrikanten wenigstens die Möglichkeit der Kontrolle über die Geldeingänge und die Geschäftsgebarung gab. Diese Entwicklung bot also eine gewisse Lösung. Sie verhalf den Industrieerzeugnissen zu einem sicheren Weg, an den Markt heranzukommen. Trotzdem ist sie nicht befriedigend. Nicht nur, weil damit gerade die Marktordnung geschaffen war, die nach allen Erfahrungen aller Länder gerade für modische Waren ungeeignet und wirtschaftlich unrationell ist, sondern vor allem, weil beide Teile zu einer zusätzlichen Belastung getrieben wurden, denen gerade palästinensische Unternehmungen selten gewachsen sind. Die finanziellen Anforderungen, die daraus erwachsen, daß ein und dasselbe Unternehmen die Frist vom Einkauf der Rohstoffe bis zum Detailabsatz des fertigen Produkts durchhalten muß, übersteigen gerade in Palästina vielfach die vorhandenen Mittel und vergrößern so die an sich nicht geringen Schwierigkeiten der Betriebsführung. Lebensmittelhandelt pharmazeutische und kosmetische Artikel. Von dem Absatz der Erzeugnisse palästinensischer Lebensmittel- und Kolonialwarenfabriken ebenso wie von dem der pharmazeutischen und kosmetischen Industrie kann man wohl sagen, daß er verhältnismäßig schnell erfolgversprechende Wege eingeschlagen hat. Diese Unternehmungen haben es in ihrer Mehrzahl verstanden, ihren Produkten Markencharakter zu geben, und je mehr es ihnen im Verlauf ihrer Entwicklung gelang, ihren Marken den Ruf von Qualität und Preiswürdigkeit zu verschaffen, desto mehr konnten sie auf einen sicherern und mit der Konsumkraft des Landes steigenden Absatz rechnen. Soweit bei diesen Waren ein besonderes Absatzproblem besteht, resultiert es aus der Situation der Handelsfirmen. Gerade der Kolonialwarenhandel Palästina ist an vielen Orten stark übersetzt. Der Wettbewerb um den Konsumenten hat deshalb auch hier sehr heftige Formen angenommen, und das äußert sich nicht nur in besonderem »Service«, in dem sich die Läden zu übertreffen suchen (ungewöhnlich ausgedehnte Verkaufszeiten, regelmäßiges Aufsuchen der Kunden in ihren Wohnungen zur Entgegennahme von Bestellungen, Kreditgewährung), sondern auch in gegenseitigen Preisunterbietungen. Man muß dabei bedenken, daß an und für sich im Sortiment des palästinensischen Kolonialwarenhändlers Markenartikel mit vorgeschriebener Verdienstspanne einen geringeren Raum einnehmen als in Europa üblich, weil er sich bei den importierten Artikeln häufig an keine Preisvorschriften zu halten braucht. Für die palästinensischen Produkte aber würden solche Preisunterbietungen dieselbe Gefahr heraufbeschwören, die wir beim Modewarenhandel kennengelernt haben. Sie würden für den Handel durchwegs unlukrativ werden. Es bedurfte einer systematischen Erziehungsarbeit, teilweise auch solcher Druckmittel, wie der Drohung mit einer Bezugssperre, um das Prinzip einheitlicher Detailpreise für viele palästinensische Produkte durchzusetzen. Auch dieses Prinzip arbeitet aber nicht in allen Fällen restlos befriedigend. Die Rabatte, die palästinensische Fabrikanten dem Handel einräumen können, sind manchmal im Interesse konkurrenzfähiger Verkaufspreislagen relativ knapp. In solchen Fällen besteht immer noch ein gewisses Interesse des Händlers, den Verkauf ausländischer Sorten, die ihm eine größere Handelsspanne lassen, zu bevorzugen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn es sich um Sorten handelt, deren Alleinverkauf er sich sichern konnte, so daß er nicht durch seine eigenen Konkurrenten zur Verkürzung der