Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1936)
- Article
- Marktpolitische Probleme der palästinensischen Industrie
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 501 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Schwierigkeiten entstammen zum Teil dem modischen Charakter der Ware: Modische Waren sind das Grenzgebiet, wo die Markierung als »Tozereth Haaretz« für die Käufer- und vor allem Käuferinnenpsychologie von keinem oder sogar negativem Wert ist. Es wird immer Frauen geben, die lieber ein Kleid aus Paris oder Wien tragen als aus Tel Aviv, — eine Eigenschaft, die auf der ganzen Welt zu beobachten ist. Wo aber selbst diese Einstellung keine Rolle spielt, spricht gegen den Kauf von im Lande erzeugten Modewaren die Befürchtung, denselben Gegenstand zu häufig bei andern Konsumenten wiederzusehen, — was den Tendenzen des ganzen Modebetriebs widersprechen würde. Der Kreis der »Gesellschaft« in jeder der palästinensischen Städte ist eben heute noch sehr klein, und Erfahrungen, die man gerade im letzten Jahr mit erfolgreichen Stoffmustern einer hiesigen Seidenweberei oder einem hübschen Kostümmodell machen konnte, denen man tatsächlich auf Schritt und Tritt wiederbegegnete, haben diese »Befürchtungen« durchaus bestätigt. Es ist verständlich, daß sich diese Einstellung auch auf die Kaufbereitschaft des Einzelhandels hemmend auswirken muß. Ein zweites, rein kaufmännisches Argument wirkt in derselben Richtung. Der palästinensische Fabrikant kann sich in der Regel nicht darauf beschränken, nur einen einzigen Händler in jeder Stadt mit jedem Modell^ zu beliefern. Der Händler braucht Auswahl, er kann von jedem Modell nur wenige Stücke gebrauchen. Der Fabrikant aber bedarf eines gewissen Mindestquantums zur rationellen Fabrikation. So verkauft er dieselben Waren an verschiedene, konkurrierende Abnehmer, was sein ausländischer Mitbewerber nicht zu tun braucht, da für ihn der palästinensische Umsatz nur eine Ergänzung seines heimischen Geschäfts und sonstigen Exports ist. Dadurch werden, bei dem scharfen Wettbewerb, der im palästinensischen Detailhandel üblich ist, gerade die palästinensischen Produkte zu Kampf Objekten, und im Verlauf der gegenseitigen Unterbietung kommt es vor, daß sie schließlich unter dem Einkaufspreis angeboten werden. Je besser fundiert aber ein Geschäft ist, je weniger es nötig ist, an dieser Preisschleuderei teilzunehmen, je eher es in der Lage ist, sich günstige Einkaufsquellen im Ausland zu reservieren, desto mehr wird es geneigt sein, sich palästinensischen Offerten zu verschließen. Um aus dieser Situation einen Ausweg zu finden, ist man gerade beim Handel mit Waren dieser Art verschiedentlich dazu übergegangen, Fabrikation und Detailhandel in einem Unternehmen zu vereinigen. Detailgeschäfte haben sich Werkstätten zur Selbstfabrikaticn angegliedert oder haben fremde Werkstätten zur alleinigen Lieferung an sie verpflichtet. Fabrikanten, die sich in solche Abhängigkeit nicht begeben wollten und die den freien Markt nun noch eingeengter fanden, haben eigene Detailgeschäfte gegründet oder beschränken sich von ihrem Fabrikationslager aus auf den direkten Absatz an die Konsumenten. Aus dem »freien« Marktverkehr zwischen Industrie und Handel ist so engste Gebundenheit geworden, und dies gerade auf dem Gebiet, das in anderen Ländern — nach vielen verunglückten Experimenten dieser Art — als speziell für den freien Handel geeignet gilt. Noch ein weiteres Moment hat zu dieser Entwicklung beigetragen. Detailabsatz in modischen Artikeln erfordert überall, in erhöhtem Maße aber in Palästina, eine große Lagerhaltung. Die Auswahlwünsche des Publikums sind in Palästina nicht kleiner, die LImschlagsmöglichkeit des Lagers aber ist geringer als in anderen Ländern. Die Finanzierungsmöglichkeit eines solchen Lagers übersteigt häufig die finanziellen Kräfte des Einzelhändlers. Lange Warenkredite sind deshalb gerade in diesem Geschäft üblich. Manchmal reichen aber auch diese nicht aus, und die unverkaufte Ware muß von dem Fabrikanten wieder übernommen werden; Daraus hat sich verschiedentlich die Form