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Palästina · 1936-10-01 · Heft 10 (Oktober 1936) · p. Seite 500

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 10 (Oktober 1936)
Article
Marktpolitische Probleme der palästinensischen Industrie
Date
1936-10-01
Page
Seite 500 (sequence 4)
Language
German
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satzes weggenommen. Er kann gar nicht mehr soviel bestellen, wie er früher als Importeur tat, als er sich mit vielleicht einem Dutzend Konkurrenten in den Gesamtbedarf Palästinas teilte. Die meisten seiner Kunden sind ihm abspenstig gemacht, er ist auf seinen Detailabsatz in diesem Artikel beschränkt, und darin nur einer unter vielen Mitbewerbern. Der Fabrikant hat ihn sogar noch mehr geschädigt, denn indem er an den Kleinhändler unter dem Aufschlag des Großhändlers verkaufte, hat er das Vertrauensverhältnis zu diesem untergraben. So kommt der Großhändler zu der Konsequenz, daß es kaufmännisch für ihn am besten sei, Artikel, die im Lande hergestellt werden, überhaupt nicht mehr zu führen, oder, falls er sie in seinem Sortiment nicht entbehren kann, nur in der vorsichtigsten und zurückhaltendsten Weise. Er hat dafür auch noch ein zweites Argument. Die finanzielle Lage des palästinensischen Fabrikanten ist infolge aller seiner Schwierigkeiten in Fabrikation und Absatz häufig sehr beengt. Manche Firmen sind in ständigen Geldverlegenheiten. Solche Firmen sind naturgemäß keine soliden Geschäftspartner. In ihrem Geldmangel sind sie zu Unterpreisverkäufen zu bewegen, und gerade die »anständigen« Handelsfirmen, die es verschmähen, solche Situationen auszunutzen, sind manchmal in einer unangenehmen Lage, wenn sie plötzlich von Konkurrenten, die billiger eingekauft haben, unterboten werden. Daß die Fabrikanten vielfach gerade deshalb in dieser Zwangslage sind, weil sie zu regulären Preisen gar keine größeren Geschäfte tätigen können, ist nur die Kehrseite der Situation. Betrachtet man die ganze Lage, wie sie'heute ist, kennt man die Erklärungen und Gegenerklärungen von beiden Seiten, die beide ihre subjektive Berechtigung haben, so wird man sich am besten eines Urteils über »Schuld« und »Unschuld«, ja auch nur über Ursache und Folge in diesem circulus vitiosus enthalten. Die Reihenfolge der Wirkungen, die hier im Interesse einer klaren Darstellung angenommen wurde, kann im einzelnen Fall auch umgekehrt verlaufen. Worauf es ankommt, ist das Gesamtbild des Marktes, eines chaotischen Marktes gegensätzlicher Tendenzen, der weder den Interessen der Fabrikation noch denen des Handels dient. Textilindustrie, Bekleidungsindustrie und sonstige Modewaren» Hatten wir es im vorigen Abschnitt vorwiegend mit Waren zu tun, bei denen in entwickelten Volkswirtschaften Marktbindungen üblich sind, so nicht bei den jetzt zu behandelnden Artikeln. Kleidungsgegenstände, Wäsche, Stoffe, Trikotagen und ähnliche Waren mehr oder weniger modischen Charakters werden überall in freiem Marktverkehr gehandelt. Der einzelne Fabrikant verhandelt mit dem einzelnen Kunden, manchmal einem Grossisten, vielfach unmittelbar mit dem Detäilhändler, Branchenvereinbarungen legen höchstens die Geschäftskonditionen fest, das Geschäft selbst ist im übrigen dem freien Wettbewerb überlassen und der individuelle Charakter der Waren macht auch alle Preisbindungen dem Abnehmer gegenüber unmöglich. Insoweit befinden sich also die Absatzbedürfnisse dieser Waren in vollem Einklang mit der Struktur des palästinensischen Marktes. Trotzdem besteht auch für sie ein Verteilungsproblem. Trotz der relativ großen Konsumkraft der palästinensischen Verbraucher hat es auch das heimische Erzeugnis dieser Art schwer, sich im Handel durchzusetzen. Ebenso, wenn auch aus anderen Gründen, wie bei den standardisierten Produkten der »schweren« Industrie besteht auch bei diesen individuellen Gegenständen des modischen Bedarfs ein gewisser Widerstand des Handels gegen den Vertrieb palästinensischer Erzeugnisse. Und manche Industriezweige, z. B. die Damenkonfektion, für die jüdische Einwanderer viel Initiative, Eignung und Erfahrung mitbrachten, bleiben zum Teil wegen der Absatzschwierigkeiten in ihrer Entwicklung weit hinter den an sie geknüpften Hoffnungen zurück.

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