Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1936)
- Article
- Marktpolitische Probleme der palästinensischen Industrie
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 499 (sequence 3)
- Language
- German
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importiert werden, dieses Kredits würdig zu sein. Sie verkaufen die Waren direkt an den Konsumenten, also etwa den Bauunternehmer, aber sie verkaufen auch an andere, kleinere Kaufleute, die selbst nicht groß genug sind, um zu importieren, und denen sie einen gewissen Engros-Rabatt einräumen. Tritt nun der palästinensische Fabrikant auf den Plan, so versucht er zunächst, sich in dieses Verteilungsschema einzuordnen. Er richtet seine Offerte an die Großhändler, die bisherigen Importeure. Ist er konkurrenzfähig, so bekommt er auch Aufträge. Aber bald muß er feststellen, daß die Aufträge, die er erhält, sich sehr von denen unterscheiden, die vorher oder auch noch gleichzeitig an den ausländischen Fabrikanten gingen: Es sind keine großen Sortimentsaufträge mehr, mit denen der Lagerbedarf eines Grossisten für einige Monate gedeckt werden kann. Es wird bestellt, aber bestenfalls das, was fehlt, meistens nur das, was gerade dringend gebraucht wird. Der Fabrikant wird zum Lagerhalter des Großhändlers, er fabriziert nicht auf Bestellung, sondern »auf Lager« und hält die fertige Ware bereit für den Handel, der damit von der Aufgabe des Lagerhaltens entbunden ist. Diese Situation könnte nicht entstehen, wenn es in Palästina Warenknappheit gäbe. Aber das wird auf lange Zeit nicht der Fall sein, denn der palästinensische Fabrikant ist der Struktur seines Betriebes nach in den meisten Fällen beschäftigungshungrig, die Kapazität seines Werks liegt meist noch über dem gegenwärtigen Landesbedarf, und seine relativ hohen fixen Kosten — die Investitionen in der palästinensischen Industrie haben im ganzen annähernd denselben Wert wie eine Jahresproduktion — treiben ihn, das höchstmögliche dieses Bedarfs für sich zu sichern. Würde er selbst versuchen, das Angebot zu verknappen, er weiß, der Händler hat den Ausweg zum Ausland, und er wird ihn gehen, mit nationalem Bedauern zwar, aber aus kaufmännischen Gründen gar nicht ungern. Es ist klar, daß die Rolle des Lagerhalters die palästinensische Industrie mit Kosten und Risiken belastet, die selbst für eine ältere und gefestigtere Industrie nicht unbedenklich wären. Man fabriziert und weiß nicht, wieviel und welche Sorten man verkaufen wird. Man unterhält ein Fertigwarenlager, das Zinsen, Miete und Verwaltung kostet. Und man verkauft und kassiert — das zweite macht manchmal noch mehr Arbeit als das erste —, in vielen kleinen Quantitäten. Solche Kosten sind in der Industrie nicht üblich und sie erschweren der palästinensischen Fabrikation den Wettbewerb erheblich. Auf der Suche nach einem Ausweg wendet sich der Fabrikant mit seinen Offerten an den kleinen Händler. Zum Teil ist er durch den Großhändler selbst mit ihm in Verbindung gebracht worden, wenn dieser seinen Kunden mit dem Bestellzettel zum La'ger des Fabrikanten schickte, damit er sich dort für Rechnung des Großhändlers die Sorten aussuche, die er gerade verlangte. Es lag für beide Teile nahe, das nächste Geschäft direkt abzuschließen, nachdem der Fabrikant wußte, wer den Bedarf hat und der Händler, wo das Lager liegt. Den Großhandelsaufschlag kassiert nun der Fabrikant selbst ein, oder läßt ihn auch seinem Kunden zugute kommen, der sich manchmal zu einem größeren Abnehmer entwickelt als der Großhändler. Damit hat er sich einen neuen Absatzweg erschlossen, und er ist auch vielleicht etwas unabhängiger geworden, denn die Gefahr des Auslandeinkaufs droht ihm bei seinen neuen Kunden weniger, aber wirklich verbessert hat er seine Lage nicht. Der Absatz im ganzen ist nicht größer geworden und die Großhandelsaufgaben und -risiken lasten nun in voller Höhe auf seiner Schulter. Der Markt ist damit aber schon in den Zustand der Verwirrung, der für ihn heute vielfach charakteristisch ist. Der Großhändler hat nämlich jetzt auch einen guten Grund für sein Verhalten. Ihm hat der Fabrikant einen erheblichen Teil seines Um-