Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1936)
- Article
- Marktpolitische Probleme der palästinensischen Industrie
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 498 (sequence 2)
- Language
- German
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ständlicherweise, bei der Kürze der Entwicklung — zu einem erheblichen Teil heute nur unbefriedigend gelöst sind, ist den in der palästinensischen Wirtschaft Tätigen und den um sie Bemühten kein Geheimnis und findet auch in gelegentlicher Diskussion in der palästinensischen Presse seinen Ausdruck. Um das Problem in seiner richtigen Bedeutung zu sehen, ist es gut, sich einen Augenblick daran zu erinnern, daß für den Industrieabsatz aller Länder das Problem »richtiger« Marktpolitik ständig aktuell ist. Der »freie« Wettbewerb zwischen den Konkurrenten, der völlig »ungebundene« Verkehr zwischen den verschiedenen Absatzstufen besteht faktisch nur noch bei einem Teil industrieller Erzeugnisse. Bei vielen andern sind an Stelle dessen Kartellabreden, feste Rabattabstufungen, Marken- oder Listenpreise, teilweise auch Konzernbildungen getreten, durch die der ganze Ablauf der Warenverteilung in mehr oder weniger gebundene Formen gebracht ist. Es ist nicht Willkür, was diesen Zustand geschaffen hat. Der Produktionsprozeß der modernen Industrie, die mit hohen Investierungen und darum auch mit hohen fixen Kosten arbeitet, die besonderen Eigenschaften der Waren, Verderblichkeit, hohe Transport- oder Verpackungskosten im Verhältnis zum Wert, und andere Gründe mehr haben ihn mit Notwendigkeit entstehen lassen. Man kann sagen, daß es in allen Ländern der Ruin vieler Industriezweige wäre, wollte man an Stelle dieser Bindungen wieder das Chaos freien Marktverkehrs treten lassen. Durch solch ein Chaos ungebundener Marktwirtschaft hat heute noch — mit ganz wenigen Ausnahmen — jeder palästinensische Industrielle sein Schifflein zu steuern. Längst ist die palästinensische Industrie über das Stadium hinaus, in dem sie vorwiegend einige für den unmittelbaren Gebrauch des letzten Konsumenten bestimmte Waren, für die diese Form des freien Absatzes überall noch üblich ist, herstellt. Man fabriziert Baumaterialien, Metallwaren und Halbfabrikate aller Art, man hat vielfach gegen ausländische Konkurrenz zu kämpfen, die in nationalen oder sogar internationalen Kartellen organisiert ist, aber immer noch steht der palästinensische Industrielle für sich allein da, sucht er sich allein seinen Weg mit den altgewohnten Methoden der freien Offerte an Großhändler, Kleinhändler, oft an beide zugleich und manchmal auch noch an das Publikum. Einige wenige starke Unternehmungen haben so für sich allein Ordnung in ihrem Markt geschaffen — Shemen ist ein Beispiel —, haben Händlerrabatte festgelegt und Detailpreise vorgeschrieben und mit der Drohung der Verkaufssperre die Einhaltung ihrer Vorschriften erreicht. Die Mehrzahl der palästinensischen Industriellen hat diese Machtposition nicht, sie stehen unter dem Druck ihrer inneren Konkurrenz und vor allem unter dem Druck des großen, gefährlichsten Konkurrenten und prinzipiellen Außenseiters bei allen etwaigen Kartellbildungen, des Auslands. (Mit einer bemerkenswerten Ausnahme aus jüngster Vergangenheit: im Falle »Kremener«). Diese Situation mußte notwendigerweise zu Mißständen führen, über die sich heute Industrielle wie Handelskreise beklagen. Die Verhältnisse sind dabei natürlich bei jeder Warengattung verschieden, und wir müssen uns hier begnügen, sie an Hand einiger Beispiele zu schildern. II. Baumaterialien, Produkte der Metallindustrie und ähnliches. Solange diese Waren vom Ausland importiert werden, ist der Gang der Verteilung etwa folgender: Eine relativ beschränkte Zahl von Großhändlern bezieht die Waren aus dem Ausland. Sie müssen in der Lage sein, Aufträge eines bestimmten, nicht zu kleinen Ausmaßes zu geben, und sie müssen finanziell stark genug sein, die Ware und den Zoll bei Ankunft bar zu bezahlen, bzw. in den Fällen, wo Waren gegen Kredit