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Palästina · 1936-10-01 · Heft 10 (Oktober 1936) · p. Seite 495

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 10 (Oktober 1936)
Article
Die Frage der Lebenshaltung als Problem der Konsumentenerziehung
Date
1936-10-01
Page
Seite 495 (sequence 5)
Language
German
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Zementindustrie insbesondere von 3000 £ entfällt3. Die Ziffern bedeuten, daß mit einem Kapital von 10.000 £ in der handwerklichen Sphäre der Wirtschaft gegen 200, in der Zementfabrik — drei Arbeitsplätze geschaffen werden können! Das soll natürlich nicht bedeuten, daß man anfangen sollte, Zement mittels reiner Handarbeit herzustellen. Aber es gibt Wirtschaftszweige, in denen sowohl maschinelle, wie handwerkliche Produktion möglich ist, z. B. in der Schuhfabrikation. Könnte der Konsument dazu gebracht werden, nur einheimische, handgefertigte Schuhe zu tragen, so würden dadurch mehr einzelne Schuhmacher beschäftigt, als sonst in der Schuhfabrik als Arbeiter. Allerdings ist Handarbeit teurer als Maschinenarbeit. Aber diese Senkung des Lebensstandards müßte im Interesse der Vergrößerung der Fassungskraft des Landes für Einwanderer in Kauf genommen werden. <—* Man kann weiter einwenden, daß die Erhöhung des Preisstandes die Exportfähigkeit mindert. Aber worin ist Palästina überhaupt exportfähig? Erstens, in von der Natur begünstigten Wirtschaftszweigen, vor allem: Zitruswirtschaft; zweitens in solchen Wirtschaftszweigen, die die Gunst des Standortes ausnutzen, z. B. die Ausbeutung der Mineralien des Toten Meeres und des Negew oder eine Filmindustrie, für die neben der Regenarmut des Landes auch das Vorhandensein ausgebildeter Kräfte in den Ländern der Galuth sprechen würde; und drittens in quasi — monopolistischen Branchen, für die besondere Geschicklichkeit oder Erfahrung erforderlich ist. Das bekannte Beispiel hiefür bildet die Fabrik künstlicher Zähne in Tel Aviv. Außerhalb dieser drei Kategorien sind Exportindustrien möglich: durch soziales Dumping, Ausnutzung billiger Arbeitskraft, das heißt arabischer Arbeit, durch weitgehende Rationalisierung der Produktion, das heißt, wie wir sagen, auf Kosten der Menschenfassungskraft des Landes, und schließlich durch Ausnutzung des Rohstoff- und Halbfabrikat-Dumping der großen Industrie-Exportländer. Aber wer wollte es wagen vorauszusagen, wie lange diese Länder ihre Waren zu Verlustpreisen ins Ausland verkaufen, um ihre laufenden Kosten einzubringen? Auf solchem Grunde Exportindustrien errichten, heißt auf Sand bauen. Es kommt die gegen jede Weltmarktverflechtung sprechende Tendenz der Agrarländer, sich zu industrialisieren, und der Industrieländer, ihre Landwirtschaft zu schützen und zu erweitern, hinzu, wodurch jede Ausfuhr vor das Risiko ständig wachsender Hemmnisse gestellt wird. Bisher ist die jüdische Industrie in Palästina noch im wesentlichen auf den Binnenmarkt ausgerichtet. Nach Horowitz betrug die Exportquote der gesamten industriellen Produktion 1933 5.8% und 1934 4.9% 4. Nimmt man für 1935 eine industrielle Produktion von 7.5 Millionen Pfund und einen industriellen Export von 0.4 Millionen Pfund an, so ergibt sich in diesem Jahre eine Exportquote von 5.3%. — Die Wirkung einer Preiserhöhung in gewissen Wirtschaftsbereichen, in denen Handarbeit möglich ist, auf den Export, ist also wenig bedenklich, da die Exportkraft Palästinas auf bestimmten für Handarbeit sowieso nicht in Betracht kommenden Gebieten liegt. Wohl aber müssen diese handwerklichen Bereiche gegen billige Einfuhr geschützt werden. Wenn die Regierung nicht genügenden Schutz durch Einfuhrverbote oder -zölle gewährt, so muß der Konsument dazu erzogen werden, das handgefertigte heimische Erzeugnis zu kaufen, auch wenn es teurer ist als das importierte Produkt. 3. Und nun zum dritten Gesichtspunkt, unter dem der Konsument über seinen Verbrauch zu entscheiden hat: die Alternative zwischen lebensnotwendigem und Luxusverbrauch. Der Kampf gegen den Luxus ist ebenso alt wie die Wirtschaftswissen- 3 Siehe Dr. G. Cyderowitsch: Die jüdische Wirtschaft und ihre Entwicklungstendenzen, Jahrgang 1934, Heft 11, Seite 465. 4 Siehe David Horowitz: Die Industrialisierung Palästinas, Heft 1, Seite 7.

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