Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1936)
- Article
- Die Frage der Lebenshaltung als Problem der Konsumentenerziehung
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 494 (sequence 4)
- Language
- German
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Während die bisher behandelte Entscheidung über die Spar- oder Investitionsquote des Einkommens eine quantitative ist, handelt es sich bei den verbleibenden Fragen der Einkommensverwendung um qualitative Probleme. Hier erscheinen uns drei Gesichtspunkte und Alternativen von Wichtigkeit: die Wahl zwischen Inlands- und Auslandsprodukt, zwischen arbeitsintensiv und kapitalintensiv erzeugtem Produkt, und zwischen Luxus- und Bedarfsprodukt. 1. Der erste Punkt enthält die Problematik der Parole »Tozereth Haaretz«, ob es nämlich verantwortlicher ist, mit der Wareneinfuhr den Kapitalimport, der durch dei Überschuß der Wareneinfuhr überhaupt erst ermöglicht wird, zu erschweren. Läge der Fall so, dann wäre die Parole »Tozereth Haaretz« abzulehnen, da der Schaden, der aus dem Unterbleiben des Kapitalimportes erwüchse, größer wäre, als der Nutzen infolge der Verbreiterung der heimischen Produktion. Aber in Wirklichkeit richtet sich, der Kampf für »Tozereth Haaretz« ja nicht gegen jede Einfuhr, sondern nur gegen den Import solcher Güter, die im Lande erzeugt werden oder vernünftigerweise erzeugt werden sollten, und das sind im wesentlichen Konsumgüter. Denn das breite Publikum, an das sich die Parole wendet, kauft ja nur Konsumgüter. Durch Erschwerung der Einfuhr von Konsumgütern wird das hereinfließende Kapital gezwungen, die Form von Produktionsmitteln anzunehmen; und so hilft der Kampf gegen den Verbrauch von Auslandsprodukten dazu, die Investitionstätigkeit im Lande anzuregen und damit seine Aufnahmefähigkeit für Neueinwanderer zu stärken. Es wäre interessant festzustellen, welches der Anteil des Inlands- und Auslandsprodukts am Durchschnittsverbrauch ist, wobei man den jüdischen und arabischen Sektor getrennt untersuchen müßte. Man könnte entweder nach der Repräsentativmethode vorgehen und eine genügend große Zahl von Haushaltsrechnungen der verschiedenen Einkommensschichten analysieren; oder man müßte zuverlässige Daten über die palästinensische Erzeugung an Produktionsmitteln und Konsumgütern haben und dazu die betreffenden Einfuhren und Ausfuhren hinzurechnen, bzw. abziehen. Leider fehlt es bisher an genügenden Unterlagen hiefür. Nach vorsichtigen Schätzungen sind 40 bis 50% des Gesamtverbrauchs importiert. Etwas mehr Boden unter den Füßen hat man bei der Frage, wieviel von der gesamten Waren einfuhr für den unmittelbaren Konsum bestimmt ist, nämlich von der Gesamteinfuhr von 17.8 Millionen Pfund etwa 8 Millionen Pfund oder 45%. Es wäre eine lohnende Aufgabe, festzustellen, welche dieser Waren und zu welchen Preisen im Inlande hergestellt werden könnten. Bisher ist diese Aufgabe den einzelnen Interessenten überlassen geblieben. Eine umfassende Untersuchung könnte vielleicht manche Kapitalfehlleitung verhüten. Ihre Ergebnisse könnten der Propaganda für »Tozereth Haaretz« als Richtschnur dafür dienen, welche Produktionen fördernswert sind. 2. Im Gegensatz zur Propaganda für den Verbrauch inländischer Produkte ist der Verbrauch arbeitsintensiv hergestellter Erzeugnisse bisher noch nicht als nationale Forderung aufgestellt worden. Nach einer Industriezählung der Jewish Agency entfielen 1933 in dem arbeitsintensiven Sektor, der drei Viertel aller Betriebe umfaßt, auf 5% des investierten Kapitals* 25% aller Beschäftigten, während das restliche Viertel der Betriebe mit 95% des Investitionskapitals nur 75% aller Beschäftigten in Brot setzt2. Wir lesen weiter, daß auf den Kopf des Beschäftigten im Handwerk eine Investition von 53 £, in der Industrie insgesamt von 348 £ und in der Stein- und 2 Siehe Walter Preuss: Die Bedeutung der Industrie für die Absorbtion der Einwanderung, Heft 2, Seite 81.