Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 8 (August 1936)
- Article
- Probleme der Jugendverwahrlosung in Palästina
- Date
- 1936-08-01
- Page
- Seite 399 (sequence 3)
- Language
- German
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liehen Schwierigkeiten neu ins Land kommender Familien, die Umstellung des Organismus auf das veränderte Klima (was besonders für die aus Europa Kommenden schwer, ja mitunter fast unmöglich ist), die Belastung der Mutter durch die anstrengende Hausarbeit oder — in vielen Fällen — durch Berufsarbeit, die Enge und Primitivität der Wohnungen; auf der anderen Seite die seelische Belastung der Ehe durch die vielfachen äußeren Schwierigkeiten und (wiederum bei den europäischen Juden) durch das anschauliche Erlebnis der orientalischen Bewertung der Frau, der Mangel an äußerer und innerer Vorbereitung und Bereitschaft für Palästina bei zahlreichen assimilierten Familien und das aus diesem Mangel herrührende Fremdheitsgefühl — all diese und noch andere wirtschaftliche, physische und psychische Momente beeinträchtigen die Existenzmöglichkeit der Familie als wirtschaftlich-seelischer Einheit. Die Leidtragenden sind aber nicht nur die Eltern selbst, sondern vor allem auch die Kinder, Sie werden vernachlässigt, bekommen keine ausreichende Pflege, bleiben unbeaufsichtigt und (was noch gefährlicher ist) werden in die zwischen ihren Eltern sich abspielenden Auseinandersetzungen direkt oder indirekt hineingezogen, verlieren so das jedem Kind notwendige Gefühl der Geborgenheit und des Schutzes, werden gezwungen, für den Vater gegen die Mutter, oder für die Mutter gegen den Vater Stellung zu nehmen, sind natürlich dieser (frevelhaften) Anforderung nicht gewachsen, ziehen sich nicht selten vor ihr und vor anderen Schwierigkeiten in Neurosen oder in sogenannte Erziehungsstörungen zurück. Auch in Familien, in denen das Eheleben der Eltern noch nicht offensichtlich lädiert ist (aber Kinder merken ja meist schon die ersten geringsten Anzeichen einer Störung der Harmonie zwischen den Eltern und reagieren auf sie!), bleiben die äußeren Schwierigkeiten, mit denen die Eltern zu kämpfen haben, und die sich für die Kinder vor allem in äußerer und innerer Vernachlässigung auswirken. Während die negative Beeinflussung des seelischen Lebens der Kinder durch Störungen im Eheleben der Eltern eine Erscheinung ist, die wir vor allem bei europäischen und besonders bei deutschen Einwanderern finden, begegnen wir der Vernachlässigung des Kindes infolge allgemeiner wirtschaftlicher Schwierigkeiten in allen Schichten. Das Kind braucht aber für seine Entwicklung nicht nur richtige Ernährung, körperliche Pflege und Beobachtung, Schulung seines Geistes und seiner Fähigkeiten, es braucht vielleicht noch nötiger »Seelische Ernährung«, die ihm durch die Erziehungspersonen, in erster Linie durch die Eltern gegeben werden muß. Alle körperliche und geistige Pflege, und mag sie noch so vollständig sein, wird in der Regel keine befriedigenden Resultate zeitigen, wenn der Boden, in den die Samen der Entwicklung gelegt werden, nicht bearbeitet wird, wie er es verlangt, das heißt wenn der seelische Organismus des Kindes »unterernährt« bleibt. Jedes Kind braucht in erster Linie Liebe. Diese einfache und selbstverständlich klingende Feststellung kann nicht oft genug betont werden; denn, erschreckend groß ist die Zahl der Eltern und Erziehenden, die gegen dieses primäre Gebot der Pädagogik verstoßen. (Unter ihnen befinden sich sowohl diejenigen, die aus Egoismus oder aus Eingesponnensein im Netz der eigenen psychischen Konflikte die Existenz des Kindes als störend empfinden, als auch diejenigen, die ihre Zärtlichkeit, Fürsorge und Ängstlichkeit übertreiben, so daß die Entwicklung des Kindes beeinträchtigt wird. Auch Liebe ist eine Kunst, die. nur derjenige versteht, der selbst frei ist von neurotischen Hemmungen, Wünschen und Ängsten!) Aber wenn das Kind das elementare Erlebnis hat, daß es geliebt wird, dann