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Palästina · 1936-08-01 · Heft 8 (August 1936) · p. Seite 398

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 8 (August 1936)
Article
Probleme der Jugendverwahrlosung in Palästina
Date
1936-08-01
Page
Seite 398 (sequence 2)
Language
German
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voll bekämpfen können, und vor allem solange nicht, als die Massen der Bevölkerung dem Problem indifferent und indolent gegenüberstehen, solange sie nicht verstanden haben, daß die Bekämpfung und Verhütung der Verwahrlosung der Jugend lebenswichtige Bedeutung für den Bestand und die Entwicklung der Gesellschaft hat. Im folgenden sollen einige Tatsachen, die das jüdische Palästina betreffen, erörtert werden. Stellen wir zunächst die Frage nach den spezifischen Ursachen der Gefährdung gewisser Schichten der jüdischen Jugend Palästinas (die eine unbestreitbare Tatsache ist) sind, so finden wir, daß weder Arbeitslosigkeit (wie z. B. in Deutschland) noch Revolution (wie z. B. in Rußland), weder Krise noch Prosperity als Wurzeln dieser Erscheinung angesehen werden können, sondern vielmehr die Diskrepanz zwischen Vergangenheit und Gegenwart im Leben des Einzelnen auf der einen und die Schwächung der sozialen und pädagogischen Funktion der Familie auf der anderen Seite die eigentlichen sozialen Ursachen der Gefährdung der Jugend sind. Das jüdische Palästina verändert sich täglich durch den Zustrom neuer Einwanderer. Und für die meisten der Einwanderer bedeutet Palästina etwas völlig Neues, etwas, das in krassem Gegensatz zur Vergangenheit steht. Für die einen ist es der Glanz einer ungewohnten, für die anderen der Mangel einer gewohnten Zivilisation, der eine Umstellung ihres Lebens erfordert, und mit sich bringt. (Dies gilt freilich in erster Linie für die Einwanderer, die sich in den Städten niederlassen; aber unser Problem ist ja im wesentlichen ein Stadtproblem; die Jugendgefährdung auf dem Land ist unverhältnismäßig schwächer als die in der Stadt.) Die einen geraten daher in Gefahr, an dem ihnen bisher Unbekannten möglichst schnell teilhaben zu wollen, die anderen, sich für das »Verlorene« in irgendeiner Form Ersatz zu verschaffen. Je unentwickelter der Mensch ist, um so größer sind natürlich diese Gefahren. Eine zweite Folge der Wanderung und des Wandels ist das Zusammentreffen vcn Menschen, die in sozialer, geistiger und seelischer Hinsicht völlig verschieden sind. (Es braucht nicht erst darauf hingewiesen zu werden, daß auch die Religion keine Bindung dieser heterogenen Schichten zu geben imstande ist. Und wieweit innerhalb der Jugend die durch die Jugendbewegung und vor allem durch die Schulen angebahnte gegenseitige Assimilation zu grundsätzlichen Veränderungen führt, bleibt abzuwarten.) Daraus ergibt sich für den Jugendlichen eine Unruhe, die zwar durch geeignete Führung in der Schule, in der Jugendbewegung usw. produktiviert werden kann, die aber ohne solche Führung und Bearbeitung (auf der Straße) negativ wirkt: Das Kind und der Jugendliche sehen das Fremdartige in den Kameraden als etwas abenteuerlich verlockendes und unterliegen dem Einfluß dessen, der ihnen in seiner Fremdartigkeit als besonders vital erscheint. Es fehlt ihnen die Möglichkeit zu vergleichen, sie finden sich unter den fremdartigen Typen weniger zurecht als unter den gewohnten Erscheinungen der Umgebung ihrer Herkunft. Auf diese Weise vollzieht sich zwar eine wechselseitige Assimilation, aber lediglich in dem unkontrollierten Raum der Straße und lediglich mit negativem Vorzeichen. Die Diskrepanz zwischen Vergangenheit und Gegenwart würde auf die seelische Struktur des Kindes nicht so belastend und störend einwirken, wenn die pädagogische Funktion der Familie intakt wäre. Aber sie ist davon weit entfernt! Und gerade durch das Versagen der Familie kommen alle Komplikationen in der sozialen Wirklichkeit zu ihrer psychischen Relevanz. Es ist kaum erforderlich des Näheren auf die schon oft betonten Momente einzugehen, die die Erziehungkraft der jüdischen Familie im heutigen Palästina schwächen oder gar zerstören: Auf der einen Seite die Wirtschaft-

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