Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1936)
- Article
- Politik. Von a. b.
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 353 (sequence 5)
- Language
- German
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Lady Erskine: »Palestine of the Arabs« aufgerollt wurde. Da die Autorin ihre Informationen von Seite der arabischen Führer erhalten hat, so ist anzunehmen, daß diese selbst an die Möglichkeit einer solchen Lösung ernsthaft glauben. Sie muß von jüdischer Seite im Interesse des Zionismus, des Friedens mit den Arabern und der Entwicklung des Landes abgelehnt werden. Denn die Kantonierung könnte nur die Folge haben, daß die Spannung zwischen beiden Völkern verewigt und verschärft werden würde. Weizmann hat kürzlich darauf hingewiesen, daß die Araber ja schon ihre Kantone haben, z. B. das Dreieck: Nablus--Jenin^Tulkarm. Gerade dieser arabische Kanton ist aber der Sitz der äußersten antijüdischen Hetze. Kantonierung wäre die Schaffung ausgesprochener Jingo-Reservate. Sie würde auch die Einbeziehung der arabischen Gebiete in den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes verhindern und brachliegende Gebiete den Zionisten sperren. Es wäre auch ganz sinnlos, wenn durch Gesetze verboten werden sollte, daß in arabischen Kantonen an Juden kein Land verkauft werden darf, denn dies auf so engem, übersehbaren Raum zu verhindern, sind die arabischen Nationalisten praktisch in der Lage und wenn sie das nicht können, so wäre das ein Beweis dafür, daß die nationalistische Bewegung ohne jede Kraft ist. Aber es ist jedenfalls ausgeschlossen, in Palästina ein Ausnahmsrecht gegen Juden zu schaffen. Schon die Trennung von Juden und Arabern dort, wo sie bisher miteinander lebten, als Folge der Ereignisse (wie in Jaffa und einigen Gegenden Haifas) ist beklagenswert genug. Denn sie zeigt, daß die Symbiose gefährlich für die Juden ist. Aber prinzipiell ist diese Trennung nicht wünschenswert und sollte nicht noch gesetzlich gefördert werden. Im Gegenteil: Die Aufgabe ist, einen Modus der Verständigung und des dauernden friedlichen Zusammenlebens zu finden. Der erste Schritt dazu kann kein anderer sein, als der in der Richtung der Selbstverwaltung, mit paritätischer Anteilnahme von Juden und Arabern. Wenn die »Times« kürzlich sagte, daß der Aufruhr der Araber gezeigt hat, daß vorläufig die Selbstverwaltung nicht eingeführt werden kann, so ist das durchaus nicht richtig. Der Vorwand für den Aufruhr ist eben ihr Fehlen, und ihre Einführung würde Verantwortungen und ein Forum für Verhandlungen schaffen. Eine Art Parlament (was nicht heißt eine einheimische Regierung) müßte seine Aufmerksamkeit auch zum größten Teil wirtschaftlichen und sozialen Fragen zuwenden. Es würde damit ein gesamtpalästinensisches Interesse beider Bevölkerungsteile geschaffen werden, wodurch eine gesunde Kritik an der vielfach unzulänglichen Verwaltung geübt werden würde. Die Juden haben bisher einseitig nur den jüdischen Aufbau im Auge gehabt, obzwar dieser natürlich ungemein stark abhängt von einer Förderung der gesamten Volkswirtschaft. Die arabischen Führer hingegen sind überpolitisiert, haben kein soziales und wirtschaftliches Programm. Sie würden die Erfahrung machen, daß ohne konstruktive Arbeit mit einem wirtschaftlich so rückständigen Volk, wie es die palästinensischen Araber sind, keine fortwährenden politischen Eroberungen zu machen sind. Dasselbe gilt übrigens für die bestehenden arabischen Staaten, die mit wirtschaftlichen und sozialen Sorgen überhäuft sind und dringend der Ruhe und weiterer auswärtiger Unterstützung bedürften, um ihre noch sehr primitiven Staatsgebilde zu konsolidieren. Es ist ja fast heiter zu nennen, wenn aus einem »Staat« von 300.000 verarmten Fellachen und Beduinen eine Revolte gegen die englische Weitmacht angekündigt wird. (Dies wurde inzwischen wieder dementiert.) Die weise Zurückhaltung des einzigen wahrhaft großen arabischen Staatsmannes, Ibn Sauds, der sogar nach einem siegreichen Krieg es unterließ, den kleinen Nachbarstaat (Jemen) zu annektieren, wozu er trotz der erwähnten Meinung des syrischen Blattes sehr wohl