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Palästina · 1936-07-01 · Heft 7 (Juli 1936) · p. Seite 352

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 7 (Juli 1936)
Article
Politik. Von a. b.
Date
1936-07-01
Page
Seite 352 (sequence 4)
Language
German
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Einwanderung vorübergehend sperrte; warum sollten das die Juden nicht unverbindlich und freiwillig für eine Zeit lang tun? Es soll hier berichtigt werden, daß nicht Samuel, sondern der Militärgouverneur von Ramleh, der. damals noch dem General Allenby unterstand, das Sperre-Dekret erließ, das dann von Samuel bestätigt wurde. (Die Sperre dauerte von Anfang Mai bis 3. Juni 1921.) Für die Juden ist es unmöglich, eine solche Bedingung zu akzeptieren. Darüber muß an dieser Stelle kein Wort verloren werden. Weder dieser, noch irgendein anderer Preis kann von den Juden für die Verhandlungsbereitschaft der Araber gezahlt werden und ihre eigene kann sich erst bei Aufhören der Unruhen einstellen. Es ist müßig, darüber Betrachtungen anzustellen, ob dann die Konstellation mehr oder weniger günstig für die zionistische Politik sein wird. Dies nicht nur deshalb, weil die weitere Entwicklung unabsehbar ist und auch heute niemand die zukünftigen Machtfaktoren nach ihrer Art und Stärke abschätzen kann, sondern auch, weil alle Aufmerksamkeit der Tatsache gelten muß, die sich' durch die Unruhen in einer Weise manifestiert hat, daß eine Vogel-Strauß-Politik, wie sie lange geübt worden ist, nicht mehr möglich ist: Gemeint ist damit die bisherige zionistische Haltung zur Araberfrage. Leider ist deren Bedeutung bisher nie erkannt worden. Es ging in der zionistischen Organsation damit so, wie es der Soziologe Robert Michels einmal als allgemeine Erfahrung gekennzeichnet hat: »Es ist eine der unumstößlichen Lehren, die wir aus dem Studium der Geschichte gewinnen: Politische Parteien, auch wenn sie Träger sittlicher und sozialer Gedanken von großer Tragweite sind, können ihnen unangenehme Tatsachen nur schwer vertragen« 3. Es ist erinnerlich, daß die Grundidee des Brith Schalom, daß der Zionismus ohne Ausgleich mit den arabischen Interessen in eine Sackgasse geraten müsse, nicht anerkannt und der Bund als hochverräterisch erklärt wurde aus dem prinzipiell völlig belanglosen Grund, weil er schwere taktische Fehler begangen hatte. Es ist bekannt, wie das Wort vom binationalen Palästina, das nichts anderes ausdrückt, als daß im Lande immer zwei gleichberechtigte Völker wohnen werden, im Munde von Professor Weizmann quasi als Beleidigung der Majestät des zionistischen Königsgedankens angesehen worden ist. Schon 1929 hatte ferner ein Führer der Poale Zion, S. Kaplansky, vorausgesagt, daß ohne eine Vereinbarung mit dem anderen Volk die Lage in Erez Israel zu einem ,,chronischen Konflikt" führen wird, »der nur mit Waffengewalt unterdrückt werden kann«4. Auch diese Mahnung wurde überhört. Wir sind nun so weit; wir haben kostbare Zeit verloren und es tut not, der Frage einer Verständigung mit den Arabern konzentrierte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Es gibt hier zwei Momente zu unterscheiden: Die allgemeine Haltung zu diesem Problem und seine konkrete Lösung. Das »Wie« der allgemeinen Haltung ist hier schon angedeutet worden: Sie muß eine positive und aktive sein. Sie muß deutlich nach außen in Erscheinung treten und eine Verständigung darf nicht von vornherein daran scheitern, daß der Wille auf jüdischer Seite dazu fehlt. Die konkrete Lösung ist schwierig und kann nur allmählich angebahnt werden. Von englischer Seite ist aufs neue die Frage der Kantonierung in die Debatte geworfen worden (»Times« vom 18. Juni), die auch vor nicht allzu langer Zeit im Buche von 3 Siehe Robert Michels: »Zur Soziologie des Parteiwesens in der modernen Demokratie«, Leipzig 1910, 256 Seiten. 4 Siehe »Fun Onzog zu Farwirklechung (jiddisch), Warschau 1932, S. 248. — Kaplansky hatte übrigens schon auf der Tagung in Ain Charod, 1924, denselben Standpunkt eingenommen.

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