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Palästina · 1936-07-01 · Heft 7 (Juli 1936) · p. Seite 351

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 7 (Juli 1936)
Article
Politik. Von a. b.
Date
1936-07-01
Page
Seite 351 (sequence 3)
Language
German
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so wohlunterrichteter Politiker wie Graf Sforza schrieb kürzlich: »Ein Mosaik von Rassen und Sekten, könnte Syrien nichts anderes sein, als ein Völkerbund im kleinen; wann werden die Syrier verstehen, daß ihr Ruhmestitel nicht im Nachahmen der alten europäischen Formeln läge, sondern darin, einen neuen zu schaffen«2. Tatsächlich stoßen trotz des guten Willens der französischen Regierung die Verhandlungen auf Schwierigkeiten. Immerhin, das unabhängige Syrien wird sich zweifellos baldigst seinen König geben wollen und ein solcher muß die nationale Expansion vertreten. Bei dieser Frage ist die trotz aller Freundschaftsverträge bestehende Rivalität des Hauses Ibn Sauds, der seinen Sohn auf diesen Thron bringen will und der in Transjordanien und Irak herrschenden Haschimitenfamilie zu beachten. Abdullah aspiriert ebenfalls auf den Thron Syriens, den sein Bruder Feisal kurze Zeit innegehabt hat und er agitiert fleißig gegen Ibn Saud. Vor nicht zu langer Zeit hat die große Zeitung »Alif Ba« in Damaskus des längeren ausgeführt, daß das Haus Ibn Sauds für Syrien nicht in Betracht komme, da er ein fanatischer Wahabite sei und die Moslems anderer Richtungen als Ketzer ansehe. Nicht einmal das Nachbarland von Hedschas in Arabien (Jemen) wolle ihn als Herrscher haben, wieviel weniger tauge er für Syrien mit seiner stark gemischten Bevölkerung, unter der es so viele Christen gibt. Es ist bekannt, daß der Mufti, früher Anhänger der Haschimiten, in den letzten Jahren aus Gegnerschaft gegen Abdullah und dessen Aspirationen auf den Thron Palästinas stark zu Ibn Saud neigt. Es ist zu erwarten, daß sich bald ein sehr intensives politisches Spiel wegen des syrischen Thrones entwickeln wird, was die arabische Politik in Palästina affizieren wird, das eben nicht aus seiner arabischen Umwelt zu lösen ist. Die Haltung Englands zu der heutigen Problemlage ist völlig undurchsichtig. Das offiziöse Organ des Colonial Office, »Great Britain and the East«, ist jetzt sichtlich antizionistisch eingestellt und das macht wahrscheinlich, daß, wie so oft in England, die Beamtenschaft des Ministeriums anders orientiert ist als ihr Chef. Aber die Beamtenschaft ist in England ein ausschlaggebender politischer Faktor. Sicher ist, daß England Zeit gewinnen will, da es, wie immer, klaren Entscheidungen ausweicht, so lange es nicht dazu gezwungen ist. Wahrscheinlich wird nach Aufhören der Unruhen die königliche Kommission doch nach Palästina gesendet werden und inzwischen wird sich" die Lage im Lande und in der Welt ändern. Es ist aber zweifellos anzunehmen, daß England, um nicht die unangenehme Rolle auf sich zu nehmen, Schiedsrichter zu sein und den einen oder anderen Teil gegen sich aufzubringen, unbedingt auf eine Einigung zwischen Arabern und Juden drängen wird. Dies umsomehr, als die gegenwärtige Führung der englischen Politik eine so unsichere ist, daß wenig Hoffnung dafür besteht, daß sie der Lage wirklich gerecht werden kann. Es kann den Zionisten nicht erspart bleiben, sich einmal an den runden Tisch zu setzen, außer die Araber werden auch neuerdings ablehnen und ihre für sie bisher sehr schädliche rein negative Haltung weiter bewahren. Wie unverbürgte Nachrichten besagen, die schon bei Beginn der Unruhen zirkulierten und die sich hartnäckig erhalten haben, würden die Araber zu Verhandlungen und Konzessionen bereit sein, doch müßten die Juden während des Ganges der Verhandlungen die Einwanderung freiwillig einstellen. Ein arabisches Blatt wies darauf hin, daß sogar der »zionistische« Gouverneur, Samuel, bei den Unruhen 1921 die 2 »La France en Syrie«, Revue de Paris, 15. Mai 1935, S. 255.

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