Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1936)
- Article
- Politik. Von a. b.
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 350 (sequence 2)
- Language
- German
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rechnen, daß schließlich die Erschöpfung dem arabischen Terror wie dem Streik ein Ziel setzen wird. Auf welche Weise immer die Unruhen ihr Ende finden werden, die Juden werden sich dann einer sehr schwierigen Lage gegenübersehen. Die arabischen Führer haben sich dem Volke, der übrigen arabischen Welt und England gegenüber darauf festgelegt, nicht nachzugeben, bis nicht ihre drei Forderungen: Einstellung der Einwanderung, Verbot des Bodenverkaufes an Juden, parlamentarische Regierung erfüllt sind. Geschickterweise wird diesmal nicht die Aufhebung von Balfour-Deklaration und Mandat verlangt, so daß die Front nur gegen die Fortsetzung des jüdischen Aufbauwerkes gerichtet ist. Allerdings sind die erhobenen Forderungen gegen die Erfüllung des Mandates gerichtet. Die Kraft, auf die sich die arabischen Führer stützen, ist vor allem der sogenannte Wille des Volkes, den sie selbst durch ihre Agitation künstlich erzeugen. Nun ist es jedenfalls zweifellos, daß die Liquidation der Unruhen die arabische Bevölkerung in einer furchtbaren Depression zurücklassen wird. Obzwar auf durchschnittlich niedrigem Standard lebende Völker solche wirtschaftliche Notstände relativ leicht überwinden, so ist doch anzunehmen, daß dieser Zustand eine Verbitterung gegen die daran völlig unschuldigen Juden hervorrufen und ferner die Regierung veranlassen wird, den Arabern ihre besondere Sorgfalt angedeihen zu lassen, was sich vor allem in einer unfreundlichen Haltung gegen die Juden auswirken wird. Wahrscheinlich ist anderseits, daß beim arabischen Volke das Vertrauen in die Führer erschüttert sein wird, die übrigens auch in dieser Zeit die Einigkeit untereinander nicht völlig bewahren können, wie es sich bei der Entsendung der inoffiziellen Delegation nach England gezeigt hat. Der Führer der Mufti-Partei ist nach London gefahren, indes die Chefs der drei anderen arabischen Parteien zu Hause bleiben und da und dort das Recht Dschemal Husseins bestreiten, im Namen der arabischen Exekutive sprechen zu können. Ein stimulierendes Moment für die arabisch-nationale Bewegung wird auch die bevorstehende Unabhängigkeit von Syrien und Libanon bilden. Zwar sind die Mandate für Irak und Syrien mit dem ausdrücklichen Auftrag gegeben worden, diese Länder ehest zur Selbständigkeit zu führen (Art. 1 der beiden Mandatssatzungen) und diese Unabhängigkeit ist >-* respektive wird sein -~ eine durch Verträge mit den früheren Mandatsmächten beschränkte, immerhin ist das ein besonderes Stimulanz, speziell für die Araber Palästinas, welches Land für sie immer als Südsyrien galt und als solches auch stets von den syrischen Arabern angesprochen wurde. Es ist deshalb daran zu erinnern, daß Palästina nicht eingeschlossen war in den bekannten Zusagen Mac Mahons an Hussein. Selbst Lawrence hat, wie er an Robert Graves schrieb *, ausdrücklich Palästina aus der nationalen Einheit der Araber auszunehmen gewünscht. (In dem betreffenden Briefe sagte er auch: »Ein Erfolg des Zionismus würde die materielle Entwicklung von Arabien, Syrien und Irak enorm fördern«.) Im Sykes-Picot-Vertrag wurde ein internationales Regime für Palästina vorgesehen und alle maßgebenden Staatsmänner haben sich dahin geäußert, daß schon wegen der großen religiösen und politischen Interessen die mit Palästina verbunden sind, dieses Land immer in irgendeiner Form international (Völkerbund o. dgl.) kontrolliert werden wird. Dies ganz abgesehen von der Schaffung der jüdischen Heimstätte. Auch in Syrien ist die Gründung eines arabischen Nationalstaates wegen des Religions- und Völkergemisches, das dort siedelt, nicht so einfach. Lawrence hatte deshalb Irak und nicht Syrien zum Kern der arabisch-politischen Renaissance ausersehen. Ein 1 Siehe dessen Buch: »Lawrence and the Arabs«, London 1935, S. 289.