Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1936)
- Article
- Zur Entwicklung der palästinensisch-syrischen Handelsbeziehungen
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 342 (sequence 3)
- Language
- German
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O^l O Lebenshaltung durch eine solche Politik besteht aber kein Interesse (unsere gegenwärtige jüdische Zollpolitik läuft ja im Prinzip nicht auf Preiserhöhungen, sondern auf Marktsicherung hinaus). Deshalb ist auch das Export£robIem nicht aktuell, mag eine solche Erkenntnis zur Zeit auch höchst unpopulär sein. Hierin lag aber der wesentliche Grund für die mangelnde Ausnutzung der im Gegenseitigkeitsabkommen von 1929 geschaffenen Möglichkeiten durch die palästinensische Industrie. Dieser Grund ist auch heute noch in Geltung und wird auch für absehbare Zeit aus den oben angegebenen Gründen in Geltung bleiben müssen. Die syrische Industrie konnte am palästinensischen Markt aus verschiedenen Gründen sehr aktiv werden. Vor allem wegen des Unterschieds in den Löhnen. Die Löhne in Syrien liegen teilweise noch unter den Löhnen in Japan. Es gibt in Syrien keine Beschränkungen der Arbeitszeit. Frauen- und Kinderarbeit mit schlimmster Ausnutzung sind an der Tagesordnung. In Palästina gibt es eine organisierte Arbeiterschaft, die zwar, wie hier kürzlich durch Preuss nachgewiesen wurde, an europäischen Verhältnissen gemessen, niedrige Reallöhne hat, die aber auf menschenwürdige Arbeitsbedingungen hält (auch der palästinensische Araber wird besser bezahlt als der syrische). Im übrigen würde ein starker Lohndruck am palästinensischen Markt eine höchst zweischneidige Sache sein, da die Arbeiterschaft das zahlenmäßig stärkste Konsumentenelement darstellt und eine Herabdrückung ihrer Kaufkraft unter eine gewisse Grenze, katastrophale Folgen für die Absatzentwicklung unserer Industrie haben würde. Der Arbeiter wäre dann geradezu dazu gezwungen, japanische oder syrische Schleuderware zu kaufen, während er heute die Schicht repräsentiert, die den Tozereth-Haaretz- Gedanken am stärksten in die Tat umsetzt und schon im eigensten Interesse propagiert. Von einer Angleichung der palästinensischen an die syrischen Löhne kann also gar keine Rede sein, sie ist auch gar nicht vorstellbar, wie folgende Gegenüberstellung zeigen möge: a) Tageslöhne in der Schuhindustrie: Syrien Palästina Gelernter Armenier....... 100 Müs 200 Müs Gelernter Jude......... 300 Müs Ungelernter Armenier, bzw. Araber1 . 50 Müs 125 Müs b) Seidenweberei ...... 60 bis 100 Müs 400 bis 600 Müs c) Makkaronifabrikation: Frauen ...........30 bis 40 Müs 200 bis 250 Müs Männer...........80 bis 100 Müs 300 Müs Solche Beispiele ließen sich vermehren, wobei immer nicht vergessen werden darf, daß in Syrien der zwölf stündige Arbeitstag die Regel darstellt. (Warum kümmert sich das internationale Arbeitsamt in Genf nicht um diese Dinge, denn schließlich ist Syrien Mandatsgebiet!) Jedenfalls liegt hier das schärfste Lohndumping vor, das man sich denken kann. Es ist klar, daß diese Tatsache die syrische Industrie geradezu zum Export drängt, denn sie hat von vornherein auf die Entwicklung eines starken Inlandsmarktes durch die Zahlung menschenwürdiger Löhne verzichtet und ist daher wesentlich auf Export angewiesen. Auf der anderen Seite ist aber die Zollpolitik der syrischen Regierung viel protektionistischer als die der palästinensischen, und hier muß auf einen Tatbestand hingewiesen werden, der nicht nur für die palästinensisch-syrischen Beziehungen, sondern darüber hinaus Bedeutung hat. 1 Die Arbeiter in der syrischen Schuhindustrie sind fast ausschließlich Armenier.