Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1936)
- Article
- Zur Entwicklung der palästinensisch-syrischen Handelsbeziehungen
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 341 (sequence 2)
- Language
- German
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Markt einen Großabnehmer von wachsender Bedeutung gefunden. Es ist also gerade umgekehrt gekommen, als man es vor sieben Jahren in jüdischen Industriekreisen gehofft hatte. Es ist daher notwendig, auf die Ursachen dieser Entwicklung näher einzugehen. Vor allem ist die palästinensische Industrie mit ihrer Produktion dem sprunghaften Anstieg des Inlandskonsums, verursacht durch die Einwanderung der letzten Jahre, nicht nachgekommen. Unser Konsum an industriellen Fertigwaren hat sich im Laufe der letzten Jahre etwa folgendermaßen entwickelt: Import plus Inlandsproduktion minus Export. 1933 ......... 10.500.000 £P 1934 ......... 14,800.000 £P 1935......... 17,500.000 £P. (In den obigen Ziffern ist die Einfuhr von industriellen Produktionsmaschinen ausgeschaltet.) Es ist ganz klar, daß unter solchen Umständen die junge palästinensische Industrie als Gesamtheit noch nicht auf Export eingestellt sein konnte. (Die wenigen Ausnahmen, wie etwa die Bekleidungsindustrie, bestätigen nur diese Regel.) Sie hatte vor allem für die möglichst weitgehende Eroberung des Inlandsmarktes Sorge zu tragen. Außerdem ist in dieser Hinsicht das Verhältnis des Anwachsens zwischen Bedarf an industriellen Konsumgütern und industrieller Investition von Bedeutung. Hier ergibt sich, daß der Verbrauch industrieller Fertigwaren von 1933 bis 1935 um insgesamt 66.6% gestiegen ist. Die industriellen Investitionen stiegen dagegen von 5,200.000 £P in 1933 auf rund 8,750.000 £P in 1935, das heißt um 3,550.000 £P 68.3%, also um etwa den gleichen Prozentsatz. Dieser hätte aber nicht ungefähr gleich, sondern wesentlich größer sein müssen, um wirklich ein nennenswertes Exportbedürfnis entstehen zu lassen. Denn die Investitionen in dieser Höhe genügten gerade, um die palästinensische Industrie rein potentiell gegenüber der Auslandskonkurrenz nicht ins Hintertreffen geraten zu lassen; ein Anlaß zum Export und seinen stets vorhandenen zusätzlichen Risiken war aber damit nicht gegeben. Bei dieser Gelegenheit sind einige allgemeine Bemerkungen über unseren Export am Platze. Ich weiß mich im Gegensatz zu der landläufigen Auffassung, wenn ich behaupte, daß dieses Problem zur Zeit für uns überhaupt nicht akut ist. Ausfuhr heißt heute — abgesehen von einigen ganz speziellen Fällen — in allen Ländern Verlust. Man kann am Weltmarkt nur zu Preisen konkurrieren, die fast durchwegs unter den Gestehungskosten, vielfach sogar unter den Materialkosten liegen. Das sehen wir an den Cif-Preisen unserer Einfuhr deutlich genug, die meistens 50 bis 60% unter den Inlandspreisen unserer Lieferanten liegen. Ausfuhr ist unter solchen Bedingungen nur möglich, wenn sie getragen wird durch einen sehr breiten, durch Zölle oder andere Maßnahmen geschützten Inlandsabsatz oder durch direkte Regierungsbeihilfen, die eben darauf hinzielen, möglichst viel Arbeitskraft zu exportieren und so Arbeitslosenunterstützung zu ersparen. Beide Voraussetzungen sind bei uns ~- immer abgesehen von ganz wenigen Spezialfällen, z. B. den der künstlichen Zähne — nicht gegeben. Unsere Inlandsproduktion ist schließlich an die Absatzmöglichkeiten einer sehr kleinen Bevölkerung gebunden, und deren Bedarf zu einem erheblichen Teil noch durch Dumping-Einfuhr gedeckt wird (schätzungsweise 54% unseres Bedarfes an industriellen Fertigwaren). Wir haben also keine ausreichende Basis, um die Exportverluste auf unsere Gesamtproduktion zu verteilen. Hoffen wir, daß sich das einmal mit der Vergrößerung unserer Bevölkerung ändert. Aber zur Zeit ist es noch nicht so weit, sondern ein nennenswerter Export wäre nur auf Grund sehr viel höherer, durch wesentlich höhere Zölle geschützte Inlandpreise, möglich. An einer Verteuerung unserer