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Palästina · 1936-06-01 · Heft 6 (Juni 1936) · p. Seite 309

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 6 (Juni 1936)
Article
Arbeiterbewegung Von Dr. A. T.
Date
1936-06-01
Page
Seite 309 (sequence 7)
Language
German
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meinen Steigens der Preise und der Mieten nicht zumuten, im Dorf zu bleiben und sich mit einer schlecht entlohnten und unsicheren Arbeit dort zu begnügen. Es müßte zunächst dafür gesorgt werden, daß sich die Lebens- und Lohnbedingungen in der Kolonie bessern, dann werde man auch diese Positionen halten können. Auch die wachsenden Vermögensunterschiede zwischen den einzelnen Arbeitern, die an und, für sich sicherlich unerwünscht seien, seien keineswegs durch eine einfache Dekretierung aus der Welt zu schaffen. Dort, wo es dem palästinensischen Arbeiter gelungen sei, das Prinzip des kollektiven Eigentums durchzusetzen, also in erster Reihe in den genossenschaftlichen Arbeitersiedlungen, gebe es auch keine Vermögensunterschiede, darüber hinaus sei ein Kampf gegen dieselben aussichtslos, da sie entweder auf einer verschiedenen Zeitdauer der Arbeit im Lande basieren (ältere Arbeiter haben bereits in vielen Fällen einige Ersparnisse, Hilfswirtschaften, eigene Wohnungen u. dgl.) oder aber den Gesetzen der auch in Palästina herrschenden kapitalistischen Wirtschaftsweise folgen. Was aber das zu hohe Lebensniveau des Landes betreffe, so beziehe sich das nur zu einem geringen Teil auf die Arbeiterschaft, die, abgesehen von einer geringen Schicht von qualifizierten Arbeitern von diesem Zustand nur wenig profitieren. Ein Appell an die Arbeiterschaft in einer derartigen Frage sei also nicht bloß zwecklos, sondern geradezu gefährlich, weil es als ein Appell zu Lohndrückern verstanden werden könnte. Soweit die Apologie, die, mag sie auch hie und da über das Ziel schießen, sicherlich vieles für sich hat. Doch fehlt es auch nicht an Gegenargumenten. Es wird insbesondere darauf hingewiesen, daß die Situation des jüdischen landwirtschaftlichen Arbeiters in Palästina doch besser sei, als in den allermeisten anderen Ländern der Welt, daß also die chaluzische Aufgabe der Eroberung der Arbeit in den Kolonien nicht undurchführbar sei, freilich auch durch eine zweckdienliche Erziehung in den Galuthländern vorbereitet werden müßte. Desgleichen werden die Fälle hervorgehoben, wo manche Fachleute entgegen den Weisungen der Histadruth höhere Löhne als die von den betreffenden Gewerkschaften festgesetzten gefordert und erhalten haben, was sicherlich als ein Unfug bezeichnet werden müsse und zur Desorganisierung des Wirtschaftslebens führe. So sei denn die Arbeiterschaft doch nicht ohne Schuld, der Erziehungsprozeß innerhalb der Histadruth müsse diesbezüglich intensiviert werden. Nicht minder schwerwiegend ist der Kampf, der in der letzten Zeit gegen die wachsende Zersplitterung innerhalb der Arbeiterschaft aufgenommen worden ist. Die Verhältnisse auf diesem Gebiete haben sich tatsächlich letztens stark kompliziert. Nachdem es in den früheren Jahren gelungen war, die Parteigegensätze innerhalb der Arbeiterschaft zu überwinden und schließlich die überwiegende Majorität um die Jüdische Arbeiterpartei Palästinas zu konzentrieren, der gegenüber die anderen politischen Arbeitergruppierungen (Haschomer Hazair, linke Poale-Zion, Kommunisten) nur wenig zu bedeuten haben, begann ein Prozeß der inneren Differenzierung auf Grundlage der Lebens- und Arbeitsformen im Lande, der wenngleich er in der Hauptsache auf die genossenschaftlich organisierte Arbeiterschaft beschränkt ist, immer mehr die Form von politischen Gegensätzen anzunehmne beginnt und selbst auf die Galuthländer hinübergegriffen hat. Die vier auf dem Gebiete der genossenschaftlichen Organisierung herrschenden Richtungen des Kibbuz Meuchad, des Kibbuz Arzi (des Haschomer Hazair), des Chewer Hakwuzoth und des Verbandes der Moschwe Owdim entwickeln sich, obwohl ihre Mitgliedschaft, von dem Haschomer Hazair abgesehen, fast ganz in den Reihen der Mapaj (Jüdische Arbeiterpartei) steht, immer mehr zu regelrechten Parteien, wo die Gegensätze der Anschauungen die Gemeinsamkeit der politischen und insbesondere der weltanschaulichen Interessen zurückdrängen. Der

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