Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1936)
- Article
- Arbeiterbewegung Von Dr. A. T.
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 308 (sequence 6)
- Language
- German
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ganz besonders häufig vertreten sind) und eine rege Agitation für dauernde Sicherung der neuerworbenen Positionen betrieben. Wie weit diese Agitation von Erfolg begleitet sein wird, bleibt abzuwarten. Es eröffnen sich aber im Zusammenhang mit den letzten Ereignissen noch andere Möglichkeiten für die jüdische Arbeiterschaft. Die Absurdität der Tatsache, daß die Steinbrucharbeiten in einem solch bedeutenden Ausmaß von den Arabern okkupiert worden sind, wird jetzt offenbar. Infolge des arabischen Streiks und der daraus resultierenden Unterbrechung der Steinzufuhr, sind die Bauarbeiten in Jerusalem stecken geblieben, was eine erzwungene Arbeitslosigkeit der jüdischen Bauarbeiter zur Folge hat. So wird denn jetzt an eine Eroberung dieses Arbeitszweiges herangetreten werden müssen, um derartigen Erscheinungen in der Zukunft vorzubeugen. — Auch der beabsichtigte Hafenbau in Tel Aviv, der das jüdische Wirtschaftsleben im Lande von Jaffa unabhängig machen soll, ist naturgemäß vom Standpunkt der jüdischen Arbeit von erstklassiger Bedeutung. Es wird insbesondere von der Notwendigkeit gesprochen, jüdische Lastträger in größerer Zahl anzustellen. Heute ist dieser Arbeitszweig fast ganz von den Arabern okkupiert, unter denen es sehr viele den Juden besonders feindliche Hauranier gibt. Man erörtert auch deswegen die Möglichkeit einer weitgehenden Mechanisierung des Lastentransportes, um diese unerwünschten Elemente loszuwerden. So sind denn diese verschiedensten neuen Arbeitsmöglichkeiten eine der wenigen erfreulichen Nebenerscheinungen der blutigen Unruhen der letzten Tage, die sonst sicherlich als ein schweres und düsteres Blatt in der Geschichte des jüdischen Siedlungswerkes im Lande sind. 3» Gewissensrechnungen» Der innerhalb der palästinensischen Arbeiterschaft seit jeher stark entwickelte Sinn für Selbstkritik hat auch in den letzten Tagen nicht versagt. Die Schwächung der Wirtschaftskonjunktur und die vorübergehende Arbeitslosigkeit, die sich in deren Gefolge einige Monate lang bemerkbar machte, führten von selbst zu Erwägungen, wie weit auch die Arbeiterschaft für diese Zustände die Verantwortung zu tragen habe. Anderseits treten im politischen und gesellschaftlichen Leben der jüdischen Arbeiterschaft in den letzten Jahren gewisse bedenkliche Symptome einer Zersplitterung hervor, nachdem sich diese Arbeiterschaft sonst durch ihren Drang zur Zusammenfassung der Kräfte und möglichster Vereinheitlichung der Bewegung ausgezeichnet hatte. In beiden Hinsichten wurde in den letzten Tagen viel und ernst über diese Fragen gesprochen und gar Manches, was da gesagt wurde, wird sich in der Entwicklung der Arbeiterbewegung tief auswirken. Die Stellung des jüdischen Arbeiters in den Jahren der Prosperität ist bereits vielfach erörtert und umstritten worden. Als Ausgangspunkt der Kritik wurden in den meisten Fällen die Tatsache der weitgehenden Konzentrierung der Arbeiterschaft in den Städten und die Vernachlässigung mancher für die nationale Wirtschaft im Lande besonders wichtigen, in erster Reihe der landwirtschaftlichen Positionen genommen. Darüber hinaus werden die wachsenden Unterschiede der materiellen Situation der einzelnen Arbeiter, sowie der zu hohe Lebensstandard der jüdischen Bevölkerung im Lande, für den die jüdische Arbeiterschaft mit die Verantwortung trage, einer scharfen Kritik unterzogen. Die Kritik bleibt freilich nicht unbeantwortet. Es wird darauf hingewiesen, daß wenn der jüdische Arbeiter in die Stadt ziehe, beziehungsweise gezogen sei, er es nicht deswegen getan habe, um sich dem Arbeitsleben zu entziehen, er verdiene sich ja auch dort sein tägliches Brot durch schwere Arbeit. Anderseits kann man es insbesondere einem älteren, mit Familie belasteten Arbeiter in einer Periode des allge-