Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1936)
- Article
- Arbeiterbewegung Von Dr. A. T.
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 306 (sequence 4)
- Language
- German
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Auch der Kampf um Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst (öffentliche Arbeiten, Hafendienst, Polizeidienst u. dgl.), der sich in den letzten Jahren sowohl infolge der Stellungnahme der betreffenden Behörden, als auch wegen Mangel an jüdischen Arbeitskräften sehr schwer gestaltet hatte, wurde jetzt wiederum mit einigem, zunächst allerdings sehr bescheidenem Erfolg aufgenommen. Doch nicht bloß auf diesem Gebiete der Erweiterung der jüdischen Arbeitspositionen waren die Ereignisse der letzten Monate von Bedeutung. Es wurde auch die Frage der inneren Organisierung der jüdischen Arbeit im Lande wiederum aufgerollt und zunächst auf die Gefahr eines eventuellen Gegensatzes zwischen den stabil Beschäftigten und den Arbeitslosen hingewiesen, der vermieden werden müßte. Im Zusammenhang damit tauchte der bereits in den früheren Jahren vielfach ventilierte, zum Teil auch verwirklichte Vorschlag des Arbeitstausches auf, der der Arbeitslosigkeit im Lande auf absehbare Zeit hinaus ein Ende machen könnte. Bahnbrechend auf diesem Gebiete ist die Gewerkschaft der Bäckerarbeiter geworden, die vor wenigen Tagen das Jubiläum ihres fünfzehnjährigen Bestehens feierte und zu den bestorganisierten Gewerkvereinen des Landes gehört. Die Gewerkschaft, der es in schwerer Arbeit von vielen Jahren gelang, auf diesem sehr vernachlässigten Gebiete erträgliche Arbeits^ und Lohnbedingungen zu schaffen und die letztens auch den Kampf gegen den Unfug der Nachtarbeit aufgenommen hat, hat einen obligatorischen Arbeitstausch für ihre Mitglieder eingeführt und dadurch die sonst in diesem Gewerbe ziemlich häufige Arbeitslosigkeit fast ganz aus der Welt geschafft. Es fragt sich ob eine derartige Regulierung auch auf anderen Gebieten anwendbar wäre. Die Initiatoren des Vorschlages sind sich der eventuellen Nachteile einer reduzierten Stabilität der Arbeitspositionen bewußt, doch glauben sie, daß die sozialen Vorteile des im übrigen angesichts der nicht ungünstigen Arbeitslage ziemlich beschränkten Arbeitstausches jene Gefahren bedeutend überwiegen. 2» Die Auswirkungen der Unruhen im Lande« Diese nach einer Periode von großer organisatorischer und auch psychologischer Anstrengung einigermaßen stabilisierte Arbeitslage erlitt wiederum eine starke Änderung im Zusammenhang mit den letzten blutigen Unruhen im Lande. Im Augenblick, als diese Zeilen niedergeschrieben werden (Mitte Mai) ist die Periode der Unruhen noch keineswegs abgeschlossen und es ist noch gar nicht abzusehen, wann und wie sie zu Ende gehen wird. Immerhin ist es bereits klar, daß sie in zwei Beziehungen von ziemlich weitgehenden Folgen begleitet sein wird. Erstens, was das gegenseitige Verhältnis zwischen den jüdischen und den arabischen Arbeitern und zweitens, was die allgemeine Arbeitslage im Lande betrifft. Die um die Histadruth organisierte jüdische Arbeiterschaft machte in den letzten Jahren gar manchen Versuch, eine gegenseitige Annäherung zwischen der jüdischen und der arabischen Arbeiterschaft herbeizuführen, obzwar man sich der Schwierigkeit und der Kompliziertheit der Aufgabe bewußt blieb. Ist ja ein ziemlich bedeutender Teil des Kampfes um die jüdischen Arbeitspositionen im Lande zumindest objektiv mehr oder weniger direkt gegen die arabische Arbeiterschaft gerichtet, so insbesondere der Kampf in den Kolonien, aber auch in den Steinbrüchen, öffentlichen Arbeiten, Hafendienst u. dgl. und die Bemühungen gewisser Teile der Arbeiterschaft (in erster Reihe Haschomer Hazair und die linken Poale-Zion) durch Schaffung von gemeinsamen Organisationen der Gefahr einer derartigen Konkurrenz und insbesondere einem weiteren Zufluß von billigen arabischen Arbeitskräften vorzubeugen, sind bisher kaum über theoretische Auseinandersetzungen hinaus gediehen. Von der jüdischen Arbeiterschaft wird die Forderung erhoben, die durch jüdisches Kapital geschaffenen Arbeitspositionen den jüdischen Arbeitern vorzubehalten, solange im arabischen Wirtschaftssektor der Boykott der jüdischen Lohnarbeit