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Palästina · 1936-06-01 · Heft 6 (Juni 1936) · p. Seite 305

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 6 (Juni 1936)
Article
Arbeiterbewegung Von Dr. A. T.
Date
1936-06-01
Page
Seite 305 (sequence 3)
Language
German
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letzten blutigen Unruhen bedeutend überstieg. Es gab im Laufe der letzten Monate der Perioden genug, wo die Erbitterung unter der jüdischen Arbeiterschaft infolge des Vorgehens der Kolonisten bedeutend stieg und sich auch nach außenhin Luft machte. So wies die jüdische Arbeiterschaft in Petach-Tikvah die an sie ergangene Einladung zurück, sich an der Feier des Abschlusses der Orangenernte zu beteiligen und motivierte ihre Absage mit dem Boykott der jüdischen Lohnarbeit in der Kolonie (es waren damals bei den landwirtschaftlichen Arbeiten auf 2555 arabische kaum 749 jüdische Arbeiter beschäftigt). Immerhin besserten sich die Verhältnisse in den letzten Monaten zusehends, was auch den unmittelbaren Verhandlungen zwischen der Exekutive der Jewish Agency und dem Kolonistenverband zuzuschreiben ist, der heute viel mehr als in den früheren Jahren, von der Jewish Agency abhängig ist. So gab es in der letzten Arbeitssaison, die bis Ende April andauerte, unter den landwirtschaftlichen Arbeitern in den Kolonien fast keine Arbeitslosen, ja es kamen Fälle vor, wo von den Kolonien Arbeiter angefordert, aber nicht zur Verfügung gestellt werden konnten. Doch nicht bloß um die Arbeitsplätze in den Kolonien wurde in den letzten Monaten gekämpft. Es wurden auch auf vielen anderen Gebieten unter dem Drucke der vorhandenen oder der drohenden Arbeitslosigkeit, zum Teil übrigens auch vom prinzipiellen Gesichtspunkte aus manche Versuche gemacht, die indes nicht immer so erfolgreich waren, wie in den Kolonien. Insbesondere wurde das vernachlässigte Gebiet der Steinbrucharbeiten in Angriff genommen, die in den letzten Jahren jüdischen Händen fast ganz entglitten waren. So sind in den verschiedensten, zumeist in jüdischen Händen befindlichen Steinbrüchen in der Gegend von Tel Aviv zirka 1500 arabische Arbeiter beschäftigt, indes das Steinbruchunternehmen der Histadruth mit seinen 40 Arbeitern schwer um seine Existenz kämpfen muß. Etwas besser ist die Situation im Norden des Landes, doch auch dort stehen 3000 bis 4000 arabischen Arbeitern in den jüdischen Betrieben zirka 150 jüdische Arbeiter gegenüber. Im allgemeinen sind gegenwärtig zirka 3000 arabische Arbeiter in den Steinbrüchen beschäftigt, die Juden gehören oder für die jüdische Bevölkerung Stein liefern und die Summe, die daraus in die arabische Wirtschaft in den letzten vier Jahren geflossen ist, wird auf 1,200.000 £ geschätzt. Der Entgang, der daraus der jüdischen Bevölkerung und insbesondere der jüdischen Arbeiterschaft erwächst, ist offensichtlich. Ein anderes eklatantes Beispiel von Hintansetzung jüdischer Arbeit auf einem Arbeitsgebiet, das in der Hauptsache durch jüdisches Kapital geschaffen worden ist, liefern die Exploitationswerke am Toten Meer. An zwei Stellen wird jetzt die Arbeit dort geführt, am Nordende des Meeres und an der entgegengesetzten Seite, am Südende. Ist bereits im Norden, wo die Arbeit einige Jahre lang andauert, das Zahlenverhältnis zwischen den jüdischen und den arabischen Arbeitern (220 Juden auf 130 Araber) nicht besonders günstig, so kann der Tatbestand im zweiten Arbeitslager kaum anders als abnormal bezeichnet werden. Auf über 500 arabische Arbeiter gibt es dort kaum 30 bis 40 Juden, die zumeist bei den qualifizierten Arbeiten Beschäftigung finden. Dieser an und für sich abnormale Zustand fällt noch desto mehr ins Gewicht, als es sich um Arbeitsstätten handelt, die mitten in der Wüste, weit entfernt von jedweder jüdischen Siedlung in schweren klimatischen und gesellschaftlichen Bedingungen durch eine Gruppe von jüdischen Pionieren mit der Hoffnung erkämpft worden sind, daß sich hier ein jüdisches Gemeinwesen von arbeitenden Menschen wird entwickeln können. Diese Hoffnung wird nunmehr durch die ziemlich unverständliche Politik der Gesellschaft, an deren Spitze prominente Zionisten stehen, zunichte gemacht. Es bleibt noch abzuwarten, ob der Kampf der gegen einen derartigen Zustand gegenwärtig geführt wird, von Erfolg begleitet sein wird.

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